42

Neue Zugstrecken-Pläne So kommen die Brennerzulauf-Pläne der Bahn in der Region an

Gestern hat die Deutsche Bahn in Rosenheim die ersten groben Pläne für den Brennernordzulauf im Landkreis Rosenheim präsentiert. Die Reaktionen sind unterschiedlich, was beweist, wie sehr das Bahnprojekt die Region spaltet.

Von: Dagmar Bohrer-Glas

Stand: 19.06.2018

Ein Güterzug fährt am 02.05.2014 über dem Eingang zum Zugangsstollen zum Brenner Basistunnel bei Steinach (Österreich). Parallel zum Neubau der Zubringerstrecke durchs oberbayerische Inntal zum Brennerbasistunnel | Bild: picture-alliance/dpa

Je nachdem wo man wohnt, werden die Planungen der Deutschen Bahn entweder begrüßt oder scharf kritisiert.

Im engen Inntal zum Beispiel zeigt sich der Bürgermeister von Kiefersfelden, Hajo Gruber, zufrieden sich mit den bislang angedachten Tunnellösungen.

"Bei uns gibt es Gott sei Dank aufgrund der Umstände keine Planungsvariante, die überirdisch im Gemeindegebiet Kiefersfelden verläuft. Wenn man das Ziel hat, dass irgendwann mal der Verkehr, der durch das Inntal immer mehr wird, auf der Schiene stattfinden kann und die Schiene dann verträglich fürs Inntal, das wäre falsch, wenn ich nicht hoffen würde, dass eine dieser Varianten dann relativ bald sogar realisiert wird."

Hajo Gruber, Bürgermeister von Kiefersfelden

Vier Spuren Schienen im Landschaftsschutzgebiet

Ganz anders spricht ein anderer im Inntal: Georg Dudek aus Flintsbach von der Inntalgemeinschaft. Er kritisiert den hohen Flächenverbrauch.

"Vor allem die Verknüpfungspunkte sind ganz haarig, weil die ja vierspurig verlaufen über drei bis vier Kilometer Länge und natürlich schön mitten im Landschaftsschutzgebiet liegen. Hauptbetroffen also erstmal Flintsbach/Brannenburg, aber dann gibt's auch Verknüpfungspunkte zum Beispiel in Oberaudorf - überraschenderweise im Bereich Reisach, also auch mitten in ganz empfindlichen Gebieten, und dann natürlich oben im Bereich Großkarolinenfeld mehrere."

Georg Dudek aus Flintsbach

Ärger über "Arroganz der Bahn"

Östlich des Inns zählen die Bürgermeister von Stephanskirchen und Rohdorf zu den größten Kritikern von Bahn und Politik . "Wir bekommen keine Antwort auf unsere Fragen", so Christian Praxl aus Rohrdorf.

"Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin nach wie vor entsetzt über die Arroganz der Bahn. Dieses Dialogverfahren ist für mich eine reine Inszenierung. Maßlos enttäuscht bin ich auch von der Politik, die uns einfach keine Antworten gibt auf unsere Fragen. Zum Beispiel der Bedarf, der immer noch völlig offen ist, wird völlig außer Acht gelassen. Das macht mich schon etwas frustriert bei dem Ganzen, und ich habe meinen Unmut eigentlich bei jeder Dialogsitzung vorgebracht."

Christian Praxl aus Rohrdorf

Schulterschluss mit Tirol

Rainer Auer, der Bürgermeister von Stephanskirchen, will gar den Schulterschluss mit Tirol suchen, da er die Forderung der Tiroler nach einer höheren Lkw-Maut auf der Brennerachse nur unterstützen könne.

"Der Brenner ist weitaus das billigste. Jetzt muss ich doch nicht mehr lange fragen, warum alles sich durch unser Inntal zwängt. Was ich aber fragen muss, ist, warum wir keine politische Vertretung finden, die das irgendwie anspricht. Wir sind alleingelassen. Die einzigen, die uns wirklich helfen könnten und das derzeit auch tun, sind die Österreicher."

Rainer Auer, Bürgermeister von Stephanskirchen

Andere Trasse ist möglich

Unerwartet war am Abend auch Verkehrsministerin Ilse Aigner zu Gast in Rosenheim. Sie äußerte Verständnis für die Aufregung vor Ort, betonte aber auch, man sei in einem frühen Stadium des Planungsprozesses.

"Es ist nicht ausgeschlossen, dass es zu einem ganz anderen Ergebnis eben kommt. Das hat sich bei den Verfahren in Österreich zum Beispiel gezeigt auf der Tiroler Seite, dass dann eine ganz andere Trasse am Schluss herausgekommen ist."

Ilse Aigner

Den Bedarf für die zweigleisige Neubaustrecke sieht die Ministerin allerdings gegeben:

"Dass wir, auch um die Steigerung auf der Schiene zu erreichen, auch Bestandstrassen brauchen, das war immer die Haltung auch der Staatsregierung. Und dass die aber so verträglich wie möglich gestaltet werden müssen, dass wir dieselben Voraussetzungen auch haben wollen wie auf der Tiroler Seite."

Ilse Aigner


42

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Enrico Pelocke, Mittwoch, 20.Juni, 02:15 Uhr

4. Warum kein kürzerer Weg?

Warum soll die neue Strecke über den Umweg durch das Inntal gebaut werden und nicht auf direktem Weg entlang der Luiftlinie von München nach Innsbruck? Ein kürzerer Weg ist ein Faktor zur Senkung der Bau+Betriebskosten. Natürlich sind dann viele Tunnel nötig, aber auich im Inntal. Der Raum zur Trassenfindung muß wesentlich erweitert werden.

steamtrain, Dienstag, 19.Juni, 21:41 Uhr

3. Unfähig

Da sieht man es wieder, die CSU, die ja auch immer wieder die Verkehrsminister stellt, ist die unfähigste Partei in D. Während Österreich und Schweiz, um den Straßenverkehr entscheidend zu verringern, im Eiltempo Schienentrassen planen und auch bauen, wobei ihre gigantischen Tunnel durch die Alpen auch noch vor Frist und im Kostenrahmen fertig gestellt wurden, schläft man in Bayern und beim Bund. Selbst die Elektrifizierung der Bahnstrecken im Allgäu werden erst in Angriff genommen nachdem die Schweiz einen Großteil der Kosten übernimmt und somit eine Anbindung an ihre Strecken ermöglicht. Da streitet man lieber über Asylanten und Flüchtlinge um von den eigentlichen echten Problemen abzulenken. Wir verfehlen das CO² Ziel bei weitem, setzten aber noch immer auf den Ausbau des Straßennetzes an statt vor allen Frachten wieder auf die Schiene zu bringen.

Kombiverkehr, Dienstag, 19.Juni, 18:26 Uhr

2.

Und weiter wird der Motor durch die Nacht am BRENNERPASS heulen.

Politi, Dienstag, 19.Juni, 12:15 Uhr

1. Lachnummer BER

ist ein Klacks! BER soll 10 Jahre später als geplant fertig sein!

In Bayern wird jetzt eine Streckenplanung begonnen (!!!!), die im besten Fall, also ohne Verzögerungen, 12 Jahre nach der Tunnelfertigstellung in Betrieb geht!

Warum kann die Politik nichts mehr, warum sind die sogar mit einem Zuggleis hoffnungslos überfordert und machen Bayern zum Gespött im Ausland?

Das zeigt, dass Regionalpartei-lösungen für die grössen Fragen der Zeit nicht reichen. Wir müssen das Energieproblem lösen, die Luftverschmutzung, Wohnungsbau muss auch für Leute sein, die sich keine Villen oder Denkmäler bauen wollen und

  • Antwort von Jo, Dienstag, 19.Juni, 13:34 Uhr

    Weil es so viele Wutbürger gibt, die sagen, "mehr Verkehr auf die Schiene, aber bitte nicht an meinem Haus vorbei".
    Ganz einfach. In China Klappe halten und bauen. Das ist der Unterschied.

  • Antwort von dijoh, Dienstag, 19.Juni, 14:03 Uhr

    Hallo Jo,
    allerdings muss man im Fall des Brenner-Basistunnels leider schon sagen, dass unsere Politiker die Weiterführung durch Bayern die letzten Jahre komplett verschlafen haben. Seit Jahren weiß man, dass der Tunnel kommt, die Bayern - speziell die CSU, denn die ist ja hier am Ruder - haben aber einfach gar nichts gemacht. Jetzt ist man ziemlich spat aufgewacht - die "Wutbürger" können in dem Fall eigentlich nichts dafür. Denn bei einer nicht vorhanden Streckenplanung, von der man nicht weiß, ob sie am eigenen Haus vorbeiführt oder nicht.... Auch finde ich nicht, generell, dass jemand, der,sich für oder gegen politsche Entschedungen äußert,automatisch als "Wutbürger" abgestempelt wird. Demokratie lebt nämlich auch davon, dass Bürger sich über Entscheidungen der Politik Gedanken machen und auch einmischen. Einfacher ware es natürlich in einer Diktatur, wo ein Politiker anschaffen und Protest eingesperrt oder niedergeschossen warden kann....

  • Antwort von Hans Frieder Leistner, Dienstag, 19.Juni, 16:14 Uhr

    Das Schienennetz gehört zur Deutschen Bundesbahn. Da kann Bayern oder die CSU beraten und bitten oder Vorschläge machen. Aber bestimmen kann nur die DB. Auch der Verkehrsminister ist an die Vorgaben der Kanzlerin gebunden und darf nicht nach seinem Willen handeln. Das lernen wir doch gerade.