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Umgehungstraße von Weßling Schutzanlage wird für Frösche zur Todesfalle

Durch eine Umfahrung im Landkreis Starnberg sollten Amphibien geschützt werden – ein 800.000 Euro teures Projekt. Doch die Frösche bleiben am Beton kleben. Die Schutzanlage wird zur Todesfalle.

Von: Christina Bischl

Stand: 11.06.2018

Der Frosch verendete in der Weßlinger Umgehungsstraße. | Bild: BR

Auf den Bahnen des Golfclubs Wörthsee springen in diesen Tagen nicht nur Golfbälle umher. Tausende von gerade geschlüpften Kröten hüpfen über die Grüns. Normalerweise sehr zur Freude von Daniela Brombach, einer Natur- und Tierschützerin.

"Ich habe kleine Krötenhüpferlinge. Die haben jetzt die Metamorphose durchlaufen, sind von Kaulquappen zu kleinen Kröten geworden. Sie sind ein paar Tage alt und fressen sich so langsam in der Botanik satt. Dann laufen sie Richtung Winterquartier in den Wald zurück."
– Tierschützerin Daniela Brombach –

Schutzanlagen für eine Million Euro

Doch auf dem Weg von den Laichplätzen auf dem Golfplatz zurück in die Wälder lauert der Tod – in Form der neuen Umgehungstraße von Weßling. Um die Amphibien zu schützen, hat man eigentlich für eine Million Euro Schutzanlagen gebaut, den Fröschen zum Beispiel zum Unterqueren 42 Tunnel ausbetoniert – doch dabei offenbar nicht an den Abfluss gedacht.

"Die Amphibien durchqueren überflutete Tunnel nicht. Durch das Niederschlagswasser wird auch die Alkalität, die durch den Bau hier zustande gekommen ist, rausgewaschen und hier reingewaschen. Wir haben hier PH-Werte von über 10, was absolut tödlich ist für Amphibien."
– Tierschützerin Daniela Brombach –

Behörde hat noch nicht reagiert

Seit der Einweihung der Straße vor eineinhalb Jahren schaut die Tierschützerin jedem Tag nach, wie viele Amphibien es überhaupt auf die andere Seite geschafft haben. Viel zu wenige, sagt sie.

Von Anfang an habe sie die zuständige Behörde darauf hingewiesen. Passiert sei bislang nichts.

"Es reicht nicht festzustellen, was müsste gemacht werden, sondern wir müssen uns das auch genehmigen lassen. Wir brauchen eine Baufirma, die nach unserem Vergaberecht beauftragt ist, diese Nachbesserungen zu machen – und da muss man als Bauamt einfach um Verständnis werben, dass es eben seine Zeit braucht."
– Uwe Fritsch, Leiter des Bauamts Weilheim –

Frösche kleben am Beton fest – und verenden

An den teilweise steilen Böschungen entlang der knapp zwei Kilometer langen Strecke kann man wohl nichts mehr ändern. Wenngleich: Frösche seien doch keine Gämsen, sagt Daniela Brombach, die mal schnell rauf- unter runterklettern.

Doch am meisten entsetzt sie der verwendete Baustoff. Der Beton zieht Feuchtigkeit. Die Tiere bleiben kleben und verenden. Immerhin: Den will das Bauamt nun überstreichen lassen.

"Wenn dann ein ausreichend langer Zeitraum ist und die Witterung passt, dass es trocken ist und warm, so wie es jetzt im Moment ist, dann greifen wir da an, und das wird demnächst passieren."
– Uwe Fritsch, Leiter des Bauamts Weilheim –

Tierschützerin trägt Tiere zur Not selbst über die Straße

Daniela Brombach traut diesen Versprechungen nicht. Sie will endlich Taten sehen, bis aus der Todesfalle eine Schutzanlage geworden ist, die ihren Namen auch verdient. Ansonsten wird sie in ein paar Wochen die jetzt noch kleinen Hüpferlinge persönlich über die Straße tragen.


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