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Habgier als Tatmotiv Pfleger unter Mordverdacht - 26 neue Hinweise

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen einen Pfleger wegen Mordverdachts sind bis heute Mittag 26 Hinweise bei der Münchner Polizei eingegangen. Der polnische Pflegehelfer soll fünf Patienten Insulin gespritzt haben, ein Rentner starb.

Von: Henning Pfeiffer

Stand: 07.03.2018

Als Tatmotiv vermuten die Ermittler Habgier. Die Münchner Mordkommission bitte weiterhin um Hinweise aus der Bevölkerung zu früheren Beschäftigungen des Pflegers. Wie das Münchner Polizeipräsidium heute berichtet, befinden sich unter den seit gestern eingegangenen Hinweisen acht weitere Adressen, an denen der Tatverdächtige im vergangenen Jahr als Pfleger jeweils zwei bis drei Tage im Bereich der häuslichen Pflege beschäftigt war.

Bayerische Hinweise aus Kitzingen, Forchheim, Fürstenfeldbruck und Traunstein

Die Orte liegen in den bayerischen Landkreisen Kitzingen, Forchheim, Fürstenfeldbruck und Traunstein sowie – außerhalb Bayerns – im Märkischen Kreis, im Raum Tuttlingen, Berlin und Hannover. Jetzt wird geprüft, ob weiteren Patienten Insulin-Injektionen verabreicht bekamen oder Wertsachen verschwanden.

Rentner in Ottobrunn vor kurzem verstorben

In Ottobrunn bei München war an den Faschingstagen ein 87-jähriger Rentner gestorben, der Pfleger wurde festgenommen. Rechtsmediziner stellten Einstichstellen am Körper des Toten und einen zu niedrigen Blutzuckerwert fest. Bargeld und EC-Karten des Opfers wurden bei dem Pfleger gefunden. In mindestens vier weiteren Fällen überlebten Patienten Insulininjektionen, ein Zusammenhang mit zwei Todesfällen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein wird untersucht. Vielzahl von Fällen mit Auffälligkeiten.

Zweiter Todesfall in Mühlheim an der Ruhr wird untersucht

Auch die Essener Polizei ermittelt inzwischen. Der Hilfspfleger könnte auch für einen Todesfall in Mülheim an der Ruhr (Nordrhein-Westfalen) verantwortlich sein. Im vergangenen Sommer kam in dort ein alter Mann, den er betreut hatte, ins Krankenhaus. Der Mann starb zwei Monate später. Jetzt sollen die genauen Umstände geklärt werden.

Vielzahl von Auffälligkeiten bei verdächtigem Pfleger

Der Pole arbeitete seit 2008 als ungelernte Pflegekraft. Seit 2012 hielt er sich offenbar durchgehend in Deutschland auf. Bislang konnten etwa 20 Personen von der Polizei ermittelt werden, die von ihm "betreut" wurden. Vier dieser Betreuungspersonen mussten in teilweise lebensbedrohlichem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Vier Personen konnten durch Notfallmaßnahmen gerettet werden

Bei allen ist ein nicht erklärbarer, teils extrem niedriger Blutzuckerwert festgestellt worden. Durch medizinische Notfallmaßnahmen konnten alle vier überleben, eine der Personen verstarb jedoch kurze Zeit später. Ob hier ein Zusammenhang besteht, ist noch unklar.

Dem Pfleger wurde immer wieder gekündigt

Eine weitere Person jedoch verstarb nur wenige Tage nach der Ankunft des 36-Jährigen. Drei weitere soll er ebenfalls bestohlen haben. Bei vielen vom Pfleger betreuten Personen wurde sein Vertrag vorzeitig beendet. Als Gründe wurden immer wieder sein offenbar mangelndes Engagement und sein aggressives Verhalten gegenüber den betreuten Personen angeführt.


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