24

Urteil im "Hex-Hex"-Prozess Doppelmörder von Traunreut muss lebenslang in Haft

Das Landgericht Traunstein hat einen 63 Jahre alten Mann aus Traunreut wegen Doppelmordes, zweifachen Mordversuchs und schwerer Körperverletzung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Er wird in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht.

Von: Martin Binder

Stand: 23.07.2018

Der Angeklagte im Gerichtssaal | Bild: BR/Martin Binder

Das Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Erich Fuchs sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte am 16. September 2017 in der Bar "Hex-Hex" in Traunreut (Lkr. Traunstein) zwei 31 Jahre alte Männer ohne Vorwarnung erschossen hat.

Wirtin und Bedienung schwer verletzt

Die Wirtin der Bar wurde durch einen Schuss aus dem Gewehr vom Typ Mauser K98 (Baujahr 1932) schwer verletzt, auch eine Bedienung erlitt durch massive Schläge mit dem Gewehr gegen Kopf und Schulter schwere Verletzungen.

Angeklagter macht Victory-Zeichen

Der Angeklagte nahm das Urteil ohne Regung auf. Als er zu Beginn in den Gerichtssaal geführt wurde, grüßte er freundlich mit "Guten Morgen" und macht das Victory-Zeichen. Das Gericht folgte mit seinem Urteil den Anträgen von Staatsanwalt Björn Pfeifer und den Vertretern der Nebenklage. Die Verteidiger des Angeklagten hatten lediglich eine Verurteilung wegen Totschlags gefordert.

Täter sagt, es tue ihm leid

Der Angeklagte, der 1996 aus Kasachstan nach Deutschland gekommen war, hatte in den fünf Prozesstagen vor dem Traunsteiner Gericht keine Erklärung für die Tat. Im Prozess gab er an, er könne sich nicht an die Tat erinnern. Auch in seinem Schlusswort sagte er lediglich, was geschehen sei, tue ihm leid. Er verstehe es nicht.

Alkohol und Diabetes

Ein Gutachter hatte den Angeklagten wegen Alkoholkonsums und seiner langjährigen Zuckerkrankheit als "vermindert schuldfähig" eingestuft.   Der Mann mit kurzem grauen Haar, Brille und Halbglatze war vor der Tat in der Bar erschienen, er war dort nicht bekannt. Seinen mitgebrachten Schnaps trank er mit den Gästen, es gab wohl keinen Streit. Dann bezahlte er seine Getränke und ging.

Schüsse ohne Vorwarnung

Kurz darauf kam er zurück und schoss ohne Vorwarnung auf die Wirtin und die Gäste. Die beiden Männer wurden in die Brust getroffen, beide starben innerhalb kürzester Zeit. Der Täter, der in der Nachbarschaft der Bar wohnte, hatte sich später unter die Schaulustigen am Tatort gemischt, war erkannt und festgenommen worden.

Polizei findet Tatwaffe und Munition

In seiner Wohnung fanden Ermittler die Tatwaffe und Munition. Die Wirtin des "Hex-Hex" hatte den Angeklagten mit "tausendprozentiger Sicherheit" als den Täter identifiziert. Da die Polizei nach den Schüssen zunächst einen Terroranschlag oder Amoklauf nicht ausschließen konnte, wurden Kräfte aus weitem Umkreis nach Traunreut alarmiert. Zum ersten Mal kam dabei ein Konzept zur Anwendung, das nach dem Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum in München entwickelt wurde.

Notarzt durfte erst verspätet Opfer versorgen

Wegen der sogenannten "Lebensbedrohlichen Einsatzlage" durften Notarzt und Rettungskräfte zunächst nicht direkt an den Einsatzort fahren, um sich nicht selbst zu gefährden. Sie mussten in einem Bereitstellungsraum warten.

Erst als Polizisten die Bar und ihr Umfeld durchsucht und für sicher erklärt hatten, konnten Notarzt und Rettungsassistenten unter dem Schutz der Polizei zu den Opfern.


24