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Oberlandesgericht München Keine Entscheidung zur Fliegerbombe von Schwabing

Mehr als fünf Jahre nach der fehlerhaften Sprengung einer Fliegerbombe in München geht die juristische Auseinandersetzung über den Schadensersatz in die Verlängerung. Das Oberlandesgericht München ließ in der Berufungsverhandlung zumindest durchblicken, dass sie die Stadt München für nicht verantwortlich hält. Das Urteil wurde verschoben. Eva Limmer und Christine Gaupp

Von: Eva Limmer und Christine Gaupp

Stand: 22.03.2018

Das Oberlandesgericht München erklärte, seiner Meinung nach hafte die von einer Versicherung auf Schadensersatz verklagte Stadt München nicht für die damals entstandenen Schäden und schloss sich damit dem vorausgegangenen Urteil des Landgerichts München an. Die Versicherung könne aber vom Freistaat Bayern die Kosten zurückfordern. Die Parteien haben nun vier Wochen Zeit für eine Stellungnahme zu dieser Einschätzung, bevor es vor Gericht weitergeht. Wann ein abschließendes Urteil verkündet werden kann, ist noch unklar.

Spektakulärer Feuerball

Mit einer kontrollierten Sprengung wollte man vor fünfeinhalb Jahren (28. August 2012) die 250-Kilo-Bombe unschädlich machen – doch die explodierte in einem spektakulären Feuerball. Zuvor war die Bombe - um die Detonation zu dämmen - mit Stroh abgedeckt worden. Dumm nur, dass sich eben dieses Stroh entzündete.

Hoher Schaden durch Sprengung

Die Druckwelle schleuderte brennende Ballen durch die Luft. Schaufenster zerbarsten - mehrere Läden brannten völlig aus. Deren Versicherung zahlte über 400.000 Euro und will genau diese Summe jetzt von der Stadt München ersetzt haben. Denn die Sprengung sei grob fehlerhaft gewesen.

Vor dem Landgericht München hatte die Klage keinen Erfolg – die Versicherung habe schlicht die Falsche verklagt. Verantwortlich sei nicht die Stadt gewesen, sondern der Freistaat – der hatte die Sprengung angeordnet.

Komplizierte Rechtslage - weitere Klagen in der Schublade

Das OLG hatte in der Verhandlung zuvor erklärt, die Rechtslage sei kompliziert. Eigentlich müsste ein Gesetz die Verantwortlichkeiten genauer regeln. Die bisherige Rechtslage ist interpretierbar. Einen vom OLG angeregten Vergleich hat die Stadt München allerdings abgelehnt. Ein Urteil des OLG wird mit Spannung erwartet. Denn die klagende Versicherung vertritt nur einen kleinen Teil der bei der Sprengung geschädigten Schwabinger Läden und Privathäuser. Andere Versicherungen, so heißt es, würden bereits mit Millionenklagen in der Schublade auf den Ausgang des Verfahrens warten.


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Waldorf, Donnerstag, 22.März, 15:30 Uhr

2. Fliegerbombe

Mein Rechtsempfinden sagt: Für die Folgen sind diejenigen verantwortlich, die die Bombe dort hingeworfen haben. Die Bombardierung deutscher Städte durch die Alliierten war definitiv völkerrechtswidrig. In einem Krieg sind Angriffe auf die Zivilbevölkerung gemäß der seit 1899 gültigen Haager Landkriegsordnung verboten. Es ist schon ziemlich merkwürdig, dass dies von Politik und Medien weitgehend ignoriert wird.

  • Antwort von Wolf, Donnerstag, 22.März, 16:42 Uhr

    Ein Kriegstreibervolk daß allein schon für den Tod von secha Millionen jüdischen Zivilisten verantwortlich ist ,von den anderen Millonen Zivilisten ganz zu schweigen,daß seine Nachbarn überfällt und ausplündert und das ganze durch eine rassistische Ideologie begrundet, hat einfach kein Recht auf solches Gejammer. Der BR sollte solche revanchistischen Kommentare löschen und uns mit dieser Ignoranz und politischen Diarrhoe verschonen.

  • Antwort von Wolf, Donnerstag, 22.März, 18:49 Uhr

    Glauben sie die sechs Millionen Tote Juden stellten sich auch diese Frage? Die Deutschen dürfen mich ja garnicht umbringen,ich bin ja Zivilist!
    Was sagt ihr "Rechtsempfinden " denn dazu? Wirklich merkwürdig ist daß diese Ignoranz immer npch zur Schau gestellt wird. Erbärmlich!

  • Antwort von Renate E., Donnerstag, 22.März, 20:17 Uhr

    Schließe mich an. Wieso soll denn da auch noch Deutschland zur Verantwortung gezogen werden, denn letztendlich geht es doch darum, oder? Sicherlich hat es die Versicherung stark getroffen, doch hätte die die wirklichen Schuldigen verklagen müssen, um der Gerechtigkeit Genüge zu tun. Was jedoch nie passieren wird. So glaube ich, hier wird sich der Kreis schließen...

Oliver M., Donnerstag, 22.März, 12:37 Uhr

1.

Haben Kampfmittelräumdienste keine Versicherung für sowas? Die werden sich schon was dabei gedacht haben, das so zu machen, wie’s gemacht wurde.

Notfalls zahlt das eben der Bund als Nachfolger derer, welche dafür verantwortlich sind, dass überhaupt Bomben in unseren Böden schlummern. Finde ich widerlich diese wiederkehrenden Diskussionen, wer Kampfmittelbeseitigung bzw. die Folgen zu zahlen hat und dass der deutsche Staat hierzu auch ohne mit der Wimper zu zucken bereit ist, Privatpersonen finanziell massiv zu belasten. Auf jedes andere Land würden wir voll Verachtung herabblicken bei so einer Vorgehensweise...