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S-Bahn München Grüne fordern Baustopp bei der Zweiten S-Bahn-Stammstrecke

Der Bau der seit vielen Jahren sehr umstrittenen zweiten Röhre für die Münchener S-Bahn hat im vergangenen Jahr begonnen. Trotzdem fordern die Grünen im Landtag erneut einen Baustopp wegen der jetzt bekannt gewordenen Planungsänderungen.

Von: Erich Wartusch

Stand: 21.06.2018

Seilbagger am Münchner Marienhof. An mehreren Stellen werden dafür Probebrunnen und Grundwassermessstellen hergestellt sowie Erkundungsbohrungen ausgeführt. Dadurch werden wichtige geotechnische Erkenntnisse für den Bau der 2. Stammstrecke gewonnen. | Bild: DB AG / Maximilian Endrös

Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende, sagt Martin Runge, der Wirtschaftsfachmann der Grünen-Fraktion. Einmal mehr benennt er eine ganze Handvoll Gründe, warum die Zweite Stammstrecke sinnlos sei: die Kostenexplosion bei gleichzeitig abgespeckten Planungen (drei von sechs ursprünglich geplanten Bahnhöfen wurden inzwischen gestrichen, ebenso der Abzweig nach Giesing), die Taktverschlechterungen und längere Umsteigewege für die Fahrgäste.

Schwierigkeiten beim Brandschutz

Dass nun am Hauptbahnhof der Bahnsteig – anders als zuerst vorgesehen – weiter nach Westen verschoben werden muss, sei ein weiterer Grund, so die Grünen.

Diese Umplanung kommt für den von den Grünen beauftragten Verkehrsplaner Martin Vieregg einer völligen Neuplanung gleich: "Es sind nicht nur über 80 Meter, die der Bahnsteig verschoben werden muss. Es müssen auch die Höhenlagen auf etwa ein Kilometer Länge verändert werden. Vor allem muss ein neues Brandschutzkonzept erarbeitet werden. Und auch noch ein neues wirtschaftliches Bewertungsverfahren, um die Zuschüsse zu bekommen."

Gerade beim Brandschutz sieht der Experte aber die größten Schwierigkeiten auf die Planer zukommen.

"Bei der bisherigen Genehmigung des Brandschutzes durch das Eisenbahn-Bundesamt hat man ein sehr wichtiges Detail übersehen. Es ist so, dass man aktiv die Luft absaugen will mit 100 – 200 Kubikmeter pro Sekunde, damit der Bahnhof nicht verraucht wird und die Fahrgäste noch flüchten können. Durch diese Windabsaugung ergibt sich aber eine Windgeschwindigkeit und dadurch beschleunigt sich der Brandverlauf. Diese physikalische Tatsache, die auch in Studien genau nachgewiesen wurde, ist nicht berücksichtigt worden. Das kann dem Projekt auch noch das Genick brechen", so Martin Vieregg.

Experte zweifelt am Nutzen

Auch die Wirtschaftlichkeitsberechnung würde sich durch die Verlagerung des Bahnsteigs am Hauptbahnhof erheblich verändern, moniert Vieregg. Möglicherweise würde dadurch der Kosten-Nutzen-Faktor der Zweiten Stammstrecke zu ungünstig, um noch rentabel zu sein.

Ähnliche Probleme sieht der Verkehrsplaner auch noch am Ostbahnhof auf die Planer zukommen. Er geht davon aus, dass – sollte die Röhre weitergebaut werden - erst nach dem Jahr 2030 die neue S-Bahn-Strecke in Betrieb genommen werden kann.


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Udo Richter, Montag, 25.Juni, 10:55 Uhr

6. Die alte Stammstrecke reicht nicht nur für die Ost-West-Verbindungen völliig aus

sondern leitet auch alle Nord-Süd-Verbindungen in Ost-West-Richtung um, für die logischer weise eine Abkürzung mit mehr Nord-Süd-Richtung gebraucht wird.
Es fehlt insbesondere an einer Abkürzung aus der City, z.B. vom Hbf oder Marienhof zum Nordring, von dem aus S1, S2, S3, U6 und S8 anschließbar sind.
Außerdem wäre die S1 als zweite Stammstrecke nutzbar, und zwar für die
- S3 über den Nordring,
- S5 oder S6 über die Kurve zwischen Laim und Pasing
- S7 über Sendlinger Spange.
Die Umsteigemöglichkeiten in Moosach und Feldmoching könnten dann besser genutzt werden und die Passagiere aus dem Westen müßten nicht mehr durch die City und über den Ostbahnhof zum Flughafen umgeleitet werden.
Dazu müßte eigentlich nur der rießige Umweg des Regionalverkehrs aus Landshut abgekürzt werden, z.B. eingleisig über den Flughafen und die S8 oder über die U6.

Alter Native, Sonntag, 24.Juni, 17:44 Uhr

5. Zuständigkeit für Entscheidung 2. Stammstrecke der S-Bahn

Ich bedauere die Entscheidung zur 2. Stammstrecke. Ich hätte auch gern zu einer zukunftsweisenden Verkehrskonzeption Münchens beigetragen, Aber sowohl die Begründungen als auch die Zuständigkeiten sind hier vollständig intransparent. Es wird in Foren abwechselnd behauptet, die DB wäre zuständig, und andererseits das Bayrische Verkehrsministerium. Kann es sein, dass in einer Stadt wie München nicht die Münchner über den ÖPV in ihrer Stadt entscheiden? Ist München fremdbestimmt? Oder war es vielleicht doch eine Entscheidung des Stadtrates, dem wir diese Entscheidung verdanken. Durch all die Zuständigkeitsverwirrung, öffentliche Beschuldigung und öffentlichen Dementis hindurch, deren Zunahme ich mit zunehmender Bauverzögerung und zunehmendem Verkehrskollaps der Stadt erwarte, muss es doch endlich mal möglich sein, eindeutig klarzustellen, WER DAS SO ENTSCHIEDEN HAT!

Enrico Pelocke, Freitag, 22.Juni, 00:06 Uhr

4.

Keinesfalls darf sich die 2. Stammstrecke auf andere Projekte des SPNF+SPFV+ÖPNV negativ auswirken.

Enrico Pelocke, Freitag, 22.Juni, 00:03 Uhr

3. Gleich richtig planen

Die 2. und 3. Stammstreckedie sowie der S-Bahn-Süd- und Nordring sind alles wichtige unverzichtbare Projekte der Münchner S-Bahn, ohne die der Verkehr bald zusammenbrechen wird. Die "Kostenexplosion bei gleichzeitig abgespeckten Planungen (drei von sechs ursprünglich geplanten Bahnhöfen wurden inzwischen gestrichen, ebenso der Abzweig nach Giesing), die Taktverschlechterungen und längere Umsteigewege für die Fahrgäste" gefällt mir aber nicht. Mir wäre es lieber, wenn die Kosten niedrig geblieben und die Planungen nicht abgespeckt worden wären. Warum verschlechtert und verteuert man dieses Projekt mit Umplanungen? Will man der Münchner S-Bahn den Todesstoß versetzen? Warum muß jetzt der Bahnsteig in MH verschoben werden? Wird das für die Reisenden besser oder schlechter? Warum kann man das nicht gleich richtig planen? Darauf braucht ihr Bayern nicht stotz zu sein. Eva-Maria H., und Wolf stimme ich zu.

Wanda, Donnerstag, 21.Juni, 16:12 Uhr

2. Splitter

Grössenwahn, Deine Farbe ist grün...