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Sudbury-Schule am Ammersee Freies Lernkonzept: Gericht vertagt Entscheidung über private Schule

Ob die Sudbury-Schule am Ammersee ihren Betrieb wieder aufnehmen darf, bleibt weiterhin unklar. Die Verhandlung am Verwaltungsgericht München zwischen der basisdemokratischen Schule und dem Freistaat Bayern wurde Montagabend nach sechs Stunden vertagt.

Von: Miriam Garufo

Stand: 03.07.2018

sudburyschule-ammersee | Bild: BR

Zwei Jahre nachdem die Regierung von Oberbayern die basisdemokratische Schule des Vereins Sudbury geschlossen hat, wil das Verwaltungsgericht München nun klären, ob die Schließung rechtswidrig war.

Die Schule, die in Ludenhausen am Ammersee ihren Sitz hatte, verfolgt ein freies Lernkonzept. Die Regierung von Oberbayern bezweifelt, dass sie damit den Bildungszielen nachkommen kann. Die Sudbury-Vertreter sind überzeugt davon, dass die Schüler an der Sudbury-Schule nicht nur die Bildungsstandards erreichen, sondern darüber hinaus ein vertieftes Wissen erwerben.

"Wir haben das zwei Jahre lang an der Sudbury Schule erlebt. Unsere Erfahrungen decken sich mit dem, was an anderen Schulen passiert!", sagt Sudbury-Vertreterin Monika Diop-Wernz. Zahlreiche Sudbury-Schüler hätten inzwischen noch während des laufenden Schulbetriebs oder nach der Schließung ihre Abschlüsse gemacht. 

Demonstrationen gegen die Schließung der Schule

Seit der Schulschließung vor zwei Jahren haben die Sudbury-Vertreter eine Vielzahl von Anstrengungen für die Wiedereröffnung unternommen: Sie haben Gespräche mit Vertretern des Ministeriums und der Regierung geführt, mehrmals vor dem Kultusministerium demonstriert, Schüler haben symbolisch ihre Ranzen an den Nagel gehängt. Außerdem wurde ein Internationaler Tag der Solidarität ins Leben gerufen. Wissenschaftler, Pädagogen, Fachleute, Verbände, Lehrer, Eltern und Schüler aus dem In- und Ausland haben sich für die Wiedereröffnung ausgesprochen.

Lernen aus eigenem Antrieb

Aufgrund zahlreicher Spenden konnte sich die Schule finanziell über Wasser halten. "Wir sind für all die Unterstützung sehr dankbar, sie hat uns immer wieder Kraft gegeben“, sagt Diop-Wernz. Mit Blick auf die Verhandlung sagt Diop-Wernz: "Die größte Schwierigkeit, die wir sehen, ist, dass die meisten von uns selbst in der Schule mit Druck und Verpflichtungen gelernt haben und es schwerfällt, sich vorzustellen, dass es auch anders gehen kann. Jetzt gilt es darzustellen, dass Lernen aus eigenem Antrieb funktioniert und unglaublich effektiv und umfassend ist."

Richtungsweisende Gerichtsentscheidung

Die Gerichtsentscheidung könnte auch für andere Initiativen in Nürnberg, Würzburg, München, Augsburg, Ingolstadt oder Regensburg richtungsweisend sein. Gemeinsam mit der Sudbury Schule Ammersee haben sie sich zur Regionalgruppe Bayern der europäischen Initiative für demokratische Schulen (EUDEC) zusammengeschlossen.

Der Bildungsausschuss des Landtags hat sich alle Optionen offen gehalten und will das Urteil abwarten.


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