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Statt Stolpersteinen Erste Erinnerungstafeln an Münchner NS-Opfer enthüllt

So groß wie eine Hand ist eine Erinnerungstafel aus vergoldetem Edelstahl. Zwei sind jetzt an einer Hausfassade Königinstraße in der Münchner Maxvorstadt angebracht, darauf die Namen und Fotos des jüdischen Ehepaares Franz und Tilly Landauer. Die Erinnerungstafeln setzen einen Schlusspunkt hinter einen jahrelangen Streit.

Von: Stefanie Wagner

Stand: 26.07.2018

Eine weiße Rose steckt an den ersten Erinnerungstafeln für die Opfer des Nationalsozialismus in München. Die Tafeln erinnern an Franz und Tilly Landauer. Nachdem der Stadtrat beschlossen hat, weiterhin keine Stolpersteine in München zu verlegen, sollen Alternativen wie Tafeln oder Erinnerungsstelen an die Schicksale der Opfer der Nationalsozialisten erinnern. | Bild: picture alliance/Matthias Balk/dpa

Den Namen Landauer kennen viele in Zusammenhang mit dem FC Bayern und dessen berühmten Präsidenten Kurt Landauer - Franz war sein Bruder. Mit seiner Frau Tilly hat Franz Landauer in der Münchner Königinstraße gelebt, bevor das Ehepaar von den Nazis verfolgt wurden. Die Erinnerungstafeln sollen auf ihr Schicksal aufmerksam machen.

Erste Erinnerungstafeln in München überhaupt

Die Erinnerungstafeln in der Maxvorstadt sind die ersten überhaupt in der Stadt. Zusammen mit zwei Stelen wurde sie jetzt von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, SPD, übergeben. Mit dabei waren auch Vertretern der Israelitischen Kultusgemeinde sowie ein Familienangehöriger.

Jahrelanger Streit um Stolpersteine

Um die Form des Gedenkens war in der Landeshauptstadt jahrelang gerungen worden. Die einen wollten so genannte Stolpersteine für ihre Angehörigen im Boden verlegen, wie dies europaweit in mehr als 1000 Orten möglich ist. Kritiker empfanden dies als unwürdig.

Knobloch: Erinnerungszeichen sind würdige Gedenken

Zu den entschiedensten Kritikern der Stolpersteine in München gehört Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Sie zeigte sich mit den Erinnerungszeichen zufrieden.

"Mit den neuen Erinnerungszeichen beschreitet München einen eigenen Weg des würdigen und nachhaltigen Gedenkens."

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Knobloch hatte die Stolpersteine abgelehnt, weil sie das Andenken der Opfer durch das Verlegen auf der Straße in den Schmutz gezogen sah. Und weil sie als Kind den NS-Terror in München miterlebt hatte. "Vor meinem geistigen Auge sehe ich die Menschen, auf die man schon auf dem Boden liegend immer weiter eintrat und die mit schweren ledernen, stahlbekappten Stiefeln in die Transporter getreten wurden", so Knobloch.

Erinnerungstafeln: Erinnern auf Augenhöhe

Vor drei Jahren hatte der Münchner Stadtrat die Stolpersteine nach heftiger Diskussion abgelehnt und sich für die Erinnerungstafeln und Stelen entschieden. Mit diesen Erinnerungszeichen sollen Passanten den Opfern des NS-Regimes auf Augenhöhe begegnen. Die Entwürfe für die Tafeln und Stelen stammen vom Münchner Künstler Kilian Stauss.

Wandtafeln und Stelen als Erinnerungszeichen

Neben der Wandtafel wurden der Schwabinger Mandlstraße 21 die erste von vier Stelen übergeben. Diese erinnert an Friedrich Crusius. Er war eins von vielen Euthanasie-Opfern der Nazis und wurde im Schwabinger Krankenhaus behandelt, bevor er als gemeingefährlich eingestuft und später dann umgebracht wurde.

Bis zu 200 Erinnerungszeichen insgesamt

In den nächsten Tagen folgen vier weitere Erinnerungszeichen, quer durch die ganze Stadt: in Bogenhausen, Sendling und in der Isarvorstadt. Insgesamt sind bis zu 200 solcher Erinnerungszeichen geplant.

Stolpersteine in München nur auf privatem Grund

Die Stadtratsentscheidung gegen die Stolpersteine Juli 2015 wurde vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof im Dezember 2017 bestätigt. Trotzdem gibt es auch in München einige der Steine. Der Verein "Stolpersteine für München" verlegte sie kurzerhand auf privatem Grund.


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