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Hingerichtet im Jahr 1943 Erinnerungstafel für NS-Widerstandskämpfer Walter Klingenbeck

Am 5. August 1943 wurde Walter Klingenbeck, ein junger Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, in München-Stadelheim mit der Guillotine hingerichtet. Ein Stolperstein im Alten Botanischen Garten erinnert schon an Klingenbeck. Jetzt wird er erneut geehrt.

Von: Birgit Grundner und Gerhard Brack

Stand: 04.08.2018

Walter Klingenbeck | Bild: Bundesarchiv, Bild Y10-7900

Genau 75 Jahre nach seiner Hinrichtung wird nun an seinem ehemaligen Wohnhaus in der Amalienstraße eine Erinnerungstafel angebracht. Am Sonntag gegen 11.45 Uhr wird Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg sie segnen.

Stelen und Wandtafeln

Insgesamt gibt es in München nun sechs solche Erinnerungszeichen – Stelen und Wandtafeln. Über die Form des Gedenkens war in München lang kontrovers diskutiert worden. Stolpersteine auf öffentlichem Boden hatte der Stadtrat vor drei Jahren abgelehnt, weil eine Mehrheit das als unwürdig empfand. Allerdings erinntert auch ein Stolperstein an Klingenbeck - ebenso wie eine Wegbenennung im Münchner Stadtteil Schwabing und der Name der staatlichen Realschule Taufkirchen.

Aus der Kirche in den Widerstand

Walter Klingenbeck wurde nur 19 Jahre alt. Er kam aus dem kirchlichen Widerstand einer katholischen Freundesgruppe. Anfangs hatten sich die Auszubildenden getroffen, um verbotene Auslands- und Feindsender im Radio anzuhören - wie etwa die BBC und Radio Vatikan.

Dann aber sendeten sie auch heimlich mit einem Schwarzsender, und Klingenbeck plante und verbreitete Flugblätter gegen das NS-Regime. In Haft kam er, nachdem er den Falschen leichtsinnigerweise erzählt hatte, er habe mit Altöl Victory-Zeichen an Münchner Hauswände gemalt - als Zeichen der Solidarität mit den Alliierten.


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Benny, Samstag, 04.August, 13:21 Uhr

4. Zweierlei Maß

Warum werden wir in Deutschland von Staat und Medien ständig gebetsmühlenhaft an die NS-Opfer erinnert, während von den jährlich rund 5000 Toten im Straßenverkehr niemand Notiz nimmt? Jeder Tod eines Menschen ist schrecklich, das NS-Regime ist verachtenswert, doch wird hier etwa mit zweierlei Maß gemessen? Die NS-Opfer sind offensichtlich für politische Botschaften gut, aber der sinnlose und vermeidbare Tod durch rücksichtslose Raser im Straßenverkehr wird totgeschwiegen, denn die Autoindustrie und die "freie Fahrt für freie Bürger" sind der Politik in Deutschland heilig. Die NS-Opfer werden nicht wieder lebendig, doch den Straßenverkehr könnte man mit einfachen Maßnahmen sicherer machen - wenn der politische Wille dazu da wäre.

  • Antwort von Barbara, Samstag, 04.August, 13:33 Uhr

    Die Tatsache, daß es auf Deutschlands Straßen viele Unfälle und Verkehrstote gibt, ist traurig, kann aber nicht zum Vergleich mit der politischen Verfolgung unter der NS-Zeit hergenommen werden. Denn in der Nazizeit wurden Menschen wegen ihrer christlichen oder jüdischen Gesinnung verfolgt bzw. umgebracht, aber der Straßenverkehr hat mit der politischen Gesinnung nichts zu tun, sondern ist ein Unfallrisiko, ebenso wie eine Flug- oder Schiffsreise. Ein Vergleich ist hier völlig abwegig.

  • Antwort von Kats, Samstag, 04.August, 15:26 Uhr

    @ Barbara
    Meine volle Zustimmung !
    Der Vergleich ist abwegig !

  • Antwort von Alexander K., Samstag, 04.August, 16:08 Uhr

    NS-Opfer und Verkehrs-Opfer kann man nicht vergleichen. Man muss also tatsächlich zweierlei Maß ansetzen.

    Verkehrsopfer wird man erst genau in dem Moment, wenn das Ereignis eintritt, hier Unfall. Bevor das Ereignis eintritt, ist die Wahrscheinlichkeit ein potentielles Opfer zu sein, extrem gering - und zwar für alle Bürger.

    Das andere Maß gilt in totalitären Staaten: Physisch zum Opfer wird man zwar auch erst durch ein Ereignis. Aber: Dort gibt es potentielle Opfer, d.h. Mancher weiß bereits heute, dass er übermorgen ein Opfer sein wird. Viel, viel schlimmer sind aber die, die dich zum Opfer machen und auch noch vom Staat gelobt werden ...

  • Antwort von Squareman, Samstag, 04.August, 16:55 Uhr

    Diese Frage in Zeiten von AfD und NSU.? Was haben Opfer des Nationalsozialismus mit Verkehrstoten zu tun? Das kann doch nicht ihr ernst sein, wenn doch empfehle ich ihen ein gutes Krankenhaus, Haar zum Beispiel.

  • Antwort von Zooom, Samstag, 04.August, 17:28 Uhr

    Ich finde den Kommentar von Benny absolut zutreffend. @ Squareman: Was haben Opfer des Nationalsozialismus mit Verkehrstoten zu tun? Beide sind Opfer einer üblen Ideologie. Was dem Amerikaner seine Waffe, das ist dem Deutschen sein Auto. Und die amerikanische NRA hat als Lobby dort ähnliche Macht wie in Deutschland die Autoindustrie und der ADAC. In Deutschland zählt der Profit der Autoindustrie und der Spaß am Rasen mehr, als der Schutz von Leben und Gesundheit von Menschen. Die vielen Toten durch Auto-Abgase sind Frau Merkel auch egal. Vom Klimaschutz ganz zu schweigen. Diese Verachtung von Mensch und Umwelt hat tatsächlich eine Dimension, die vom NS-Terror nicht so weit weg ist. Und sie wird im Gegensatz zur Nazi-Ideologie als politisch legitim betrachtet. DAS ist geisteskrank! Und das ist ein gegenwärtiger Zustand, den wir ändern können. Wo sind hier die Mahnmale? Wo sind hier die Presse-Artikel und Medienberichte?

  • Antwort von Marie Gräfin zu Stolberg-Stolberg (1912-44), Samstag, 04.August, 17:36 Uhr

    sie gründete 1940 eine Weberei in Düren u. versteckte v. 1940-44 eine Jüdin; sie starb beim verheerenden Bombenangriff auf Düren am 16. November 1944 (mit 99,2 % zerstörter Wohnungen war Düren die schwerst getroffene dt. Stadt; es kamen über 3000 Menschen um); sie ist eine Verwandte des Münchner Weihbischofs

    Ihr Vergleich zwischen Unfallopfern (meistens) und ermordeten Menschen ist abwegig und menschenverachtend. Nebenbei bemerkt: Einige der Verkehrstoten sind die Raser selbst.
    Nach Aufkommen von Republikanern, NPD und AfD, kann man nicht oft genug an die Terrorherrschaft des Nazi-Regimes erinnern und mahnen.

Barbara, Samstag, 04.August, 13:19 Uhr

3. Allein in Westböhmen, dem Sudetenland, wurden während der Nazizeit

besonders ab dem Jahre 1939, unzählige katholische Priester und viele Lehrer von den Nazis verhaftet und nach Dachau in das Konzentrationslager deportiert oder aber nach Bautzen oder sonstwohin gebracht. Die Priester durften keine Hl. Messe mehr lesen und keine Fronleichnamsprozession mehr abhalten und die Lehrer wurden denunziert, wenn sie in der Schule nicht den Arm zum "Hitlergruß" hoben. Es gibt noch unzählige Zeitzeugen, die dies bestätigen können. Alle diese Opfer sind nie entschädigt worden.

  • Antwort von Squareman, Samstag, 04.August, 17:01 Uhr

    Sie vergessen dabei ganz das die Kirche mit den Nazis durchaus gemeinsame Sache gemacht hat. Es gab auch ein Abkommen des Papstes mit Nazideutschland. So unschuldig und verfolgt war die Kirche nicht. Gerade die Bischöfe standen meist stramm zur Partei.

  • Antwort von Barbara, Samstag, 04.August, 19:44 Uhr

    Tatsache ist, daß es in Dachau einen eigenen Priesterblock gab, in den die Nazis Hunderte kath. Pfarrer interniert haben. Karl Leisner, Bernhard Lichtenberg, Alfred Delp, P. Rupert Mayer, P. Raymund Klofatt, Pfr. Franz Lenz sind nur einige Namen der Opfer des Nazi-Regimes. Des weiteren auch unzählige katholische Lehrer. Natürlich gab es auch andere, die mit den Nazis gemeinsame Sache gemacht haben; im übrigen ist der Vatikan auch ein völkerrechtliches Subjekt und Staatsgebilde, das mit jedem anderen Staat Beziehungen unterhalten und Verträge abschließen kann. Aber daraus kann nicht der völlig unbegründete Schluß gezogen werden, "die Kirche habe mit den Nazis gemeinsame Sache gemacht! Dies ist ein völlig haltloser Vorwurf.

  • Antwort von Squareman, Samstag, 04.August, 21:53 Uhr

    Und wie war das mit der evangelischen Kirche, oder zählt die für sie nicht. Die sind doch mit wehenden Fahnen zu den Nazis übergelaufen.

  • Antwort von Barbara, Samstag, 04.August, 22:10 Uhr

    Ich habe hier nur über die katholische Kirche geschrieben. Über das Verhalten der evangelischen Kirche im 3. Reich müßte man erst genauer nachlesen.

Ferdinand, Samstag, 04.August, 10:26 Uhr

2. Schrecklich

wahrhaft. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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  • Antwort von Kats, Samstag, 04.August, 12:32 Uhr

    Wie wichtig die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, unsere Greueltaten
    und an die wenigen Widerstandskämpfer ist, sieht man wieder jetzt.
    Die Rechten marschieren wieder auf.
    Kein Mensch hätte sich noch vor Jahren vorstellen können, wie rauh der
    rechte Wind wieder weht. Wehret den Anfängen!

Susambe 2, Samstag, 04.August, 08:51 Uhr

1. Schrecklich was

damals geschah. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
Kommentar-Richtlinien bearbeitet.

  • Antwort von Leon, Samstag, 04.August, 10:24 Uhr

    Schrecklich die Zensur der ÖR! Man schämt sich für diese Praxis!

    Die beiden Kommentare wurden nicht zensiert, sondern lediglich Rechtschreibfehler korrigiert. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
    Kommentar-Richtlinien bearbeitet.

  • Antwort von Artikel 5 Absatz 1 Satz 3 GG, Samstag, 04.August, 17:12 Uhr

    "Eine Zensur findet nicht statt."

    @ Leon: Der Begriff Zensur wird nur auf Eingriffe von staatlicher Seite (oder auch von Religionsgemeinschaften), d. h. vom Gesetzgeber, angewandt. Der BR hat Kommentar-Richtlinien erarbeitet und wendet diese an. Muss er auch, da er als Forumsinhaber rechtlicht belangt werden kann, wenn hier Straftaten wie Volksverhetzung, Beleidigung oder Verleumdung von den Kommentatoren begangen würden.