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Von Miesbach bis Garmisch Das Oberland will 100 Prozent regenerative Energie

Die vier Landkreise Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau haben ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2035 soll es nur noch regenerative Energie im Oberland geben.

Von: Martin Breitkopf

Stand: 20.06.2018

INOLA -Regionalkonferenz (Innovationen für ein nachhaltiges Land- und Energie-Management auf regionaler Ebene) in Penzberg am 19.06.2018 | Bild: BR/Martin Breitkopf

Deutschlandweit ist das Besondere, dass dieser Plan mit einer wissenschaftlichen Studien von der LMU München und der Hochschule Kempten begleitet wird. Das gesamte Projekt wird mit rund 3,4 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt. Bei der INOLA-Regionalkonferenz (Innovationen für ein nachhaltiges Land- und Energie-Management auf regionaler Ebene) wurden am Dienstagabend in Penzberg eine erste Ergebnisse präsentiert und die erste Zwischenbilanz fiel durchwachsen aus.

Hier finden Sie Foto-Impressionen von der Vorstellung der Studie.

Viel Ernüchterung und eine Studie

Die erste Euphorie hat sich gelegt - stattdessen ist nach 13 Jahren Ernüchterung eingekehrt - bei den Gründungsmitgliedern der Oberland-Energiewende-Bewegung. Doch die mittlerweile rund 250 Stifter, darunter Politiker, Unternehmer und engagierte Bürger, haben das Ziel nicht aus den Augen verloren. Um das Oberland und vor allem die Bürger fit für regenerative Energie zu machen, hat es in den letzten Jahren eine aufwendige Studie in Zusammenarbeit  der LMU München und der Hochschule Kempten gegeben.

Photovoltaik-Anlagen auf Hausdächern besonders beliebt

Die vorgestellte Studie unter Leitung von  Anna von Streit der LMU München zeigt auf, dass sich die Bürger vor allem Photovoltaikanlagen auf dem Dach von Häusern und Firmen wünschen. Doch damit allein die Energiewende bis 2035 zu schaffen, ist utopisch, denn nur etwa fünf Prozent aller Dächer im Oberland haben zur Zeit eine Photovoltaik-Anlage.

130.000 Photovoltaik-Anlagen fehlen

Eine Simulation hat gezeigt, dass es aber rund 50 Prozent aller Dächer bräuchte, dazu wäre auch weiterhin ein Energiemix aus Wasserkraft, Windanlagen und großflächigen PV-Feldern nötig. Nach der Simulation müssten rund 130.000 neue PV-Anlagen im Oberland gebaut werden - absolut unrealistisch bei den derzeit fehlenden Fördermaßnahmen, so von Streit zum Bayerischen Rundfunk.

Photovoltaikanlagen ändern Landschaftsbild

Daher fordert der Miesbacher Landrat Wolfgang Rzehak mehr Förderung von der Bundespolitik. Um die Energiewende im Oberland trotzdem in den nächsten 17 Jahren zu schaffen, setzt die Landrätin aus dem Landkreis Weilheim-Schongau,  Andrea Jochner-Weiß vor allem auf große Freiflächen-Photovoltaikanlagen, zum Beispiel an Autobahnen oder Bahnlinien. 

Dass sich dadurch das Landschaftsbild im Oberland verändert, stellt der Landrat von Bad Tölz-Wolfratshausen, Josef Niedermaier, klar. Doch eine Energiewende ohne Einschnitte sei einfach undenkbar, auch das hat die Simulation eindeutig gezeigt.


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Annett D., Mittwoch, 20.Juni, 13:05 Uhr

4. Auch hier ist es so - jede Münze hat immer zwei Seiten.

"Jedem Tierchen sein Pläsierchen".Teuer wird es ja generell für uns alle. Egal, ob wir nun die erneuerbaren
Energien begrüßt haben, oder nicht. Wir werden in 10 Jahren 20 Prozent aufwärts "abdrücken" für die Stromkosten, auch wenn wir sparen, wo es nur geht.

websaurier, Mittwoch, 20.Juni, 10:17 Uhr

3. 100% Intelligenzfrei ?


Es wäre evtl. mal einen Ansatz wert, darüber nachzudenken, wie wir den Verbrauch drastisch senken können...
Dann braucht es auch keine 130.000 neue Anlagen.

Hans Frieder Leistner, Mittwoch, 20.Juni, 10:13 Uhr

2. Endlich klare Linie

An den Autobahnen und Bahnlinien im Kreis Weilheim - Schongau gibt es ja reichlich Platz. Da wird sicher auch Strom exportiert werden können.

Christian Lösch, Mittwoch, 20.Juni, 09:18 Uhr

1. 100 % regenerative Energie?

Müsste das Ziel nicht eigentlich nur lauten: 100 % Stromerzeugung aus regenerativer Energie? Außerdem: Wenn geplant ist, die Stromerzeugung aus regenerativen Energien vorwiegend durch PV-Anlagen zu verwirklichen, müssen die wetter- und jahreszeitlich bedingten Schwankungen in der Stromerzeugung sehr aufwändig durch Energiespeicher ausgeglichen werden. Hat sich schon irgendwer konkrete Gedanken darüber gemacht, wie hoch der Aufwand dafür wäre? Besser wäre doch allemal, sich in den Herbst- und Wintermonaten und an den trüben Tagen im Frühling und im Sommer z.B. Windstrom aus Norddeutschland liefern zu lassen!

  • Antwort von Huber, Mittwoch, 20.Juni, 10:34 Uhr

    Strom aus dem Norden verhindern ja unsere lieben Franken die gegen die Leitungen sind ! Aber im Sommer unser kostbares Wasser nehmen sie gerne......

  • Antwort von 100 % Erneuerbare, Mittwoch, 20.Juni, 13:08 Uhr

    Tausche Wasser gegen Strom - wäre sofort dabei ;).....nicht alle Franken sind Sturköpfe

  • Antwort von Südsachse, Mittwoch, 20.Juni, 13:10 Uhr

    Der Aufwand spielt hier genau so wenig eine Rolle, wie bei der von unserer Regierung gewollten Migration. Außerdem - letztendlich zahlen die Rechnungen immer die Bürger. Ob wir nun diese erneuerbaren Energien wollen oder nicht - wir müssen in einigen Jahren alle mit einem nicht sehr erfreulichen Anstieg der Stromkosten rechnen. Die Befürworter werden schon damit klar kommen, aber die Niedrigverdiener und die Aufstocker sind doch jetzt bereits am Limit mit ihren Ausgaben...