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Auch bayerische Arbeitnehmer betroffen Antennenbauer Kathrein schließt Werk bei Kufstein

Kathrein schließt sein Werk am Standort Niederndorf bei Kufstein in Österreich. Wie das Rosenheimer Unternehmen, das Antennen und Satellitentechnik baut, mitteilt, sind davon 230 Stellen betroffen.

Von: Günther Rehm und Dagmar Bohrer-Glas

Stand: 21.02.2018

Kathrein-Werk in Niederndorf/Tirol | Bild: BR/Dagmar Bohrer-Glas

Die Belegschaft sei bereits informiert worden. "Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern wird jetzt über einen Sozialplan verhandelt", heißt es in einer Presseerklärung. Neben dem Werk in Niederndorf (Kathrein Mobilcom Austria) wird auch das Werk im tschechischen Bělá nad Radbuzou geschlossen. Dort fallen 140 Jobs weg.

Auch bayerische Arbeitnehmer betroffen

Von der Schließung des Kathrein-Werkes im tirolerischen Niederndorf sind auch bayerische Arbeitnehmer betroffen. Wie Kathrein auf Anfrage mitteilte, sind etwa 20 Prozent der 230 Mitarbeiter sogenannte "Grenzgänger" aus dem Landkreis Rosenheim. Wie berichtet, wird für die 230 Mitarbeiter in Tirol, die in der Produktion, in der Verwaltung und in Forschung und Entwicklung tätig sind, ein Sozialplan erarbeitet.

Die Kathrein KG, mit Stammsitz in Rosenheim, befindet sich nach eigenen Angaben mitten im Restrukturierungsprozess und prüfe die Lage kontinuierlich. Aus heutiger Sicht sei kein größerer Stellenabbau in der Region Rosenheim geplant und Rosenheim bleibe Stammsitz der Kathrein-Gruppe.

Größter Arbeitgeber in Rosenheim

Kathrein ist in Rosenheim der größte Arbeitgeber, dort arbeiten rund 1500 Beschäftigte. Der Markt für Kommunikationstechnologie wandele sich weltweit immer schneller und wichtige Investitionen - etwa in den neuen Mobilfunkstandard 5 G - würden sich später auszahlen als erwartet. Der Marktdruck sei enorm und wirke sich auf die Umsätze aus. Aus diesen Gründen verschärfe das Management jetzt die Neuausrichtung.

"Wir wissen, das wir trotz dieser schmerzhaften Einschnitte auf dem richtigen Weg sind, Kathrein ingesamt zukunftsfähig zu erhalten."

Stellungnahme Kathrein

Im November holte sich die Geschäftsleitung einen Experten für Restrukturierung ins Haus. Er soll die Kostensituation der Kathrein-Gruppe verbessern. Perspektivisch denkbar sei eine Umwandlung der KG in eine Europäische Aktiengesellschaft. Aktuell sei aber keine Umwandlung der Geschäftsform geplant.

Firma argumentiert mit Restrukturierung

Als Begründung für die jetzige Werksschließung gibt Kathrein aktuell an, dass man im Rahmen der Restrukturierung die Lieferkette anpasse und straffe. Deshalb müssten Fertigungsstandorte geschlossen werden.

"Um unsere Wettbewerbsposition zu stärken, müssen wir die Wünsche unserer Kunden noch besser erfüllen und noch schneller liefern. Daher organisieren wir unsere Lieferkette neu."

Jürgen Walter, Chief Operating Officer der Kathrein Gruppe

Die Fertigung von Mobilfunkantennen übernehmen künftig allein die Werke in Timișoara (Rumänien) und Tetla (Mexiko). Der Produktionsstandort in Shenzhen (China) spezialisiert sich auf die Fertigung von Antenna Line Devices und Antennenfiltern.


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Peter Egner, Montag, 05.März, 18:22 Uhr

6. Neuanfang

Hallo Zusammen, tja was soll man dazu sagen. Alles Schimpfen und Wettern hilft ja nichts.
Ich biete 3 gelernten Elektromeister/Elektrikern der betroffenen Belegschaft einen sicheren und unbefristeten Arbeitsplatz..
Wir sind ein kleines Elektrounternehmen in Kolbermoor. Könnte sich aus der Belegschaft einen Wechsel vorstellen?
Möglicherweise gibt die Redaktion je nach Reaktion die Kontaktdaten frei. Es würde mich freuen.

Wolfgang, Mittwoch, 21.Februar, 19:33 Uhr

5. Zölle wieder einführen, Zölle in Höhe des Sozialdumpingvorteils.

Wenn z.B. eine Bruttlohnarbeitsstunde hier mit ca. 14% plus Pflege- und Unfallverscierung belastet ist, dafürhaben wir auch ein recht gutes Sozialsystem.

Zusammen sind das bei Metallöhnen von Brutto 15 € ca. 2,5€ je Arbeitstunde.

Die grottenschlechte Medizinstruktur in Rumänien sollten wir nicht mit Billigimporten auf Kosten der Menschen dort ausnutzen, also je Arbeitstunde auf die Produkte 2,5€ Einfuhrzoll.

Je besser dort die Medizin wird, umso weiter den Zoll dann senken.

konsument, Mittwoch, 21.Februar, 19:17 Uhr

4. Kathrein

Es ist eine ausgemachte Sauerei, zuerst Förderungen kassieren und dann einfach den Schwanz einziehen und abhauen. Jeder sollte sich genau überlegen welche Firmen er beim täglichen Einkauf unterstützt. Es geht nur Regional statt Global. Kathrein sen. würde sich im Grab umdrehen wenn er wüsste wie unfähig sein Sohn und Nachfolger ist. Wie unfähig muss man sein dass man von außen einen Berater braucht der sein Unternehmen aufräumt? Viel Spaß wenn die Rosenheimer Werke auch dicht machen. Ist nur eine Frage der Zeit.

tschnorchl, Mittwoch, 21.Februar, 19:09 Uhr

3. Marktdruck als Vorwand für jahrelange Fehlentscheidungen im Top Management

Es ist durchaus eine sehr spannende Argumentation für die Schließung der beiden Werke (by the way nicht die ersten in den letzten Jahren die bei Kathrein geschlossen werden) jetzt die „Märkte“ verantwortlich zu machen. Die „Märkte“, um bei dieser Argumentation zu bleiben, funktionieren nach dem marktwirtschaftlichen Prinzip von Angebot und Nachfrage. Wenn über Jahre hinweg im Top-Management von Unternehmen wie bei Kathrein falsche Entscheidungen und falsches setzten von Prioritäten bei Projekten dazu führen, dass Produkte nicht mehr zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten werden können, ist die Schuld wohl nicht bei den Märkten zu suchen, sondern es wäre Zeit erst einmal vor der eigenen Haustüre zu kehren. Eine Presssemitteilung mit dem Inhalt, Werk in Niederndorf und Bela wird geschlossen wegen Inkompetenz im Management, würde zwar der Wahrheit entsprechen, liest sich nur nicht so schön.........

vonprost, Mittwoch, 21.Februar, 10:41 Uhr

2. good bye germany

Ein Land in Narrenhand !