NSU-Prozess


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Urteil am 11. Juli NSU-Prozess: Zschäpe distanziert sich in Schlusswort von rechter Szene

Im NSU-Prozess hat die Hauptangeklagte Beate Zschäpe in ihrem Schlusswort erklärt, dass für sie heute "rechtes Gedankengut" keine Rolle mehr spiele. Das Urteil in dem Mammutprozess soll am 11. Juli fallen.

Von: Ernst Eisenbichler

Stand: 03.07.2018

Beate Zschäpe | Bild: Reuters (RNSP)

Beim 437. - und wohl vorletzten - Sitzungstermin im NSU-Prozess war der Gerichtssaal A101 nach langer Zeit wieder einmal bis auf den letzten Platz gefüllt. Schließlich standen die Schlussworte der Angeklagten auf der Tagesordnung. Auch Korrespondenten türkischer Tageszeitungen hatten sich eingefunden.

Zschäpe: "Die Angehörigen haben mein Mitgefühl"

Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe erschien in schwarzem Hosenanzug, mit streng zurückgekämmtem Haar und geflochtenem Zopf. Wer nun erwartete, dass sie diese letzte Gelegenheit nutzen würde, um Substanzielles oder gar Bahnbrechendes auszusagen, wurde enttäuscht.

Zschäpe sprach mit fester Stimme selbst. Sie entschuldige sich "für das Leid, das ich verursacht habe. Die Angehörigen haben mein aufrichtiges Mitgefühl“, so Zschäpe. Sie bereue, dass sie sich "nicht von Uwe Böhnhardt getrennt habe". Wie schon in einer Erklärung zuvor behauptete Zschäpe erneut, nichts davon gewusst zu haben, warum und wie Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos ihre Mordopfer ausgewählt hatten.

"Mit diesem Kapitel abgeschlossen"

Zschäpe distanzierte sich von der rechten Szene, sie habe "mit diesem Kapitel abgeschlossen". "Rechtes Gedankengut" habe keine Bedeutung mehr für sie. Ihre knapp fünfminütige Erklärung beendete Zschäpe mit dem Satz: "Bitte verurteilen Sie mich nicht stellvertretend für etwas, das ich nicht gewollt oder getan habe."

Die Bundesanwaltschaft hatte für die heute 43-Jährige eine lebenslängliche Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung gefordert. Sie soll Mittäterin bei zehn Morden und zwei Sprenstoffanschlägen gewesen sein. Ihr wird außerdem Brandstiftung im Fall der letzten gemeinsamen Wohnung des NSU-Trios in Zwickau vorgeworfen. Zschäpes zwei Verteidigerteams halten sie dagegen für die Morde und Anschläge für unschuldig. Unterschiedlich sehen die Verteidiger Zschäpes Schuld an den anderen Straftaten: Ihre drei ursprünglichen Pflichtverteidiger halten lediglich eine Strafe für einfache Brandstiftung für angebracht, ihre beiden Wunschverteidiger höchstens zehn Jahre Gefängnis wegen Beihilfe bei zahlreichen Überfällen.

André E. bleibt weiter stumm

Der Angeklagte André E. sagte als einziger - wie erwartet - nichts. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu zwölf Jahren. Er soll den NSU logistisch unterstützt haben.

Sehr kurze Erklärungen von Wohlleben, Holger G. und Carsten S.

Der Angeklagte Ralf Wohlleben fasste sich sehr kurz. Er gab an, er habe "alles was es aus meiner Sicht zu sagen gab", bereits vorgetragen. Er schließe sich den Ausführungen seiner Verteidiger an. Wohlleben wird von der Bundesanwaltschaft vorgeworfen, sozusagen das "Mastermind" der NSU-Unterstützer gewesen zu sein. Die Anklagebehörde forderte für Wohlleben ebenfalls eine Haftstrafe von zwölf Jahren.

Holger G. und Carsten S. entschuldigten sich. "Ich muss mit meinem Fehler leben. Ich kann die Schuld nicht abtragen", sagte ein sichtlich bewegter Carsten S. Holger G. drohen fünf Jahre Haft, Carsten S. drei Jahre Jugendhaftstrafe. Auch sie sollen den NSU unterstützt haben.

Urteil am 11. Juli

Nach dem kurzen Verhandlungstag verkündete der Vorsitzende Richter Manfred Götzl, der nächste Termin sei der 11. Juli. Dann wird nach über fünf Jahren Prozess das Urteil gesprochen.

Zschäpe bildete laut Anklage zusammen mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos das sogenannte NSU-Trio. Den Ermittlungen zufolge hatten Mundlos und Böhnhardt während der fast 14 Jahre, in denen das Trio im Untergrund lebte, zehn Menschen erschossen und zwei Sprengstoffanschläge verübt. Das Motiv war in fast allen Fällen Fremdenhass. Ein Mordopfer war eine Polizistin in Heilbronn.


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