NSU-Prozess


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282. Verhandlungstag, 11.5.2016 Verhandlungstag im Schnelldurchlauf

Das Gericht will sich im NSU-Prozess offenbar nicht mehr lange aufhalten lassen. Im Stakkato schmetterte es am 282. Verhandlungstag einen Beweisantrag nach dem anderen ab.

Von: Oliver Bendixen

Stand: 11.05.2016 | Archiv

Oliver Bendixen | Bild: Bayerischer Rundfunk

11 Mai

Mittwoch, 11. Mai 2016

Beate Zschäpe beim Bettenmachen im Wohnmobil, Uwe Mundlos startet einen Bootsmotor und Uwe Böhnhardt testet einen Liegestuhl. Eine halbe Stunde lang betrachtete das Gericht unter der nicht gerade überwältigenden Anteilnahme von zwölf Journalisten und sechs Zuschauern Urlaubsphotos des NSU-Trios. Der Erkenntnisgewinn aus dem, was die Polizei auf einem Datenspeicher gefunden hatte und was heute an die Wand des Münchener Gerichtssaals projeziert wurde, hielt sich eher in Grenzen: drei junge Leute machen Campingurlaub an der Ostsee.

Beweisanträge reihenweise abgeschmettert

Dass die drei inkognito auf der Insel Fehmarn waren, konnte man auf den Schnappschüssen nicht erkennen. Ohnehin beschlich einen am 282. Tag des NSU-Verfahrens das Gefühl, dass der Vorsitzende Richter Manfred Götzl und seine vier Beisitzer bereits genug Informationen haben, um die Beweisaufnahme nach nunmehr über drei Jahren Verfahrensdauer abschließen zu können. Im Stakkato schmetterten sie am Nachmittag einen Beweisantrag nach dem anderen ab, bei denen es um die Befragung weiterer Zeugen oder Einblicke in noch nicht gelesene Akten ging. Das alles, was da von den Anwälten beantragt worden war, sei zur weiteren Sachaufklärung nicht notwendig - und auch nicht zur Wahrheitsfindung in diesem Verfahren.

Und so wird morgen weiter an der Wahrheitsfindung in Sachen NSU gearbeitet. Am 283. Tag will die Hauptangeklagte Beate Zschäpe ihren Anwalt Mathias Grasel Anworten auf Fragen des Gerichts vortragen lassen. Bereits heute suchten Prozessbeobachter in ihren Unterlagen, um sich zu erinnern, was das Gericht vor vier Wochen eigentlich von Beate Zschäpe wissen wollte.


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