NSU-Prozess


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272. Verhandlungstag, 17.3.2016 Zeugen über Zeugen - wie lange noch?

Viele Zeugen im NSU-Prozess reisen viele Stunden nach München zum Prozess, um dann nur wenige Minuten befragt zu werden. So ging es auch einem Mann, der einen Überfall der NSU-Terroristen beobachtet hatte.

Von: Eckhart Querner

Stand: 17.03.2016 | Archiv

Eckhart Querner | Bild: Julia Meuller

17 März

Donnerstag, 17. März 2016

Der Zeuge B. konnte sich nach 15 Jahren an viele Dinge nicht mehr erinnern. Im Zeugenstand des NSU-Prozesses in München berichtete er: "Aus Richtung Max-Planck-Straße kam jemand gerannt. Irgendjemand anderer rief: Überfall! Da war der andere schon verschwunden." An jenem Tag ging alles sehr schnell, und die meisten Erinnerungen B.‘s sind längst verblasst.

Vier Stunden Anreise für neun Minuten

Auch die heutige Befragung des Zeugen B. ging sehr schnell. Nach neun Minuten hatte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl keine Fragen mehr, die anderen Prozessbeteiligten auch nicht. B. durfte wieder nach Hause fahren. Vier Stunden Anreise für neun Minuten, in denen der 67-jährige Rede und Antwort stand: Das ist schon vielen Zeugen im NSU-Prozess passiert. Die wichtigsten Fragen zu den zehn Morden des NSU sind inzwischen aufgearbeitet, die wichtigsten Zeugen wurden gehört. Derzeit befindet sich das Verfahren vor dem Münchner Oberlandesgericht in der Endphase der Beweisaufnahme, es geht um die Aufarbeitung der weiteren Straftaten des NSU, also die zahlreichen Raubüberfälle von Mundlos und Böhnhardt auf Bank- und Postfilialen.

Zeuge B. hatte bereits einen Tag nach dem Überfall auf die Postfiliale in Eisenach bei der Polizei eine Aussage gemacht. Doch um diese in die Hauptverhandlung, also das derzeit laufende Strafverfahren gegen Beate Zschäpe und vier weitere Angeklagte einzuführen, muss B. - wie die anderen Zeugen auch - seine Aussage vor Gericht wiederholen.

"Wann endlich?"

Beobachter fragen sich, wann im NSU-Prozess die Beweisaufnahme beendet sein wird. Und es schwingt oft ein "wann endlich" mit, angesichts von bald 300 Verhandlungstagen. Was kommt danach? Die Plädoyers der Bundesanwaltschaft, der Verteidiger, der Nebenkläger. Darin geht es um die jeweilige Bewertung von Schuld und Strafe.

Verhandlungstage bis Januar 2017

Und wann fällt das Urteil im NSU-Prozess? Vor der Sommerpause? Wohl kaum! Im Herbst? Vielleicht. Ein Indiz, das aber nichts heißen muss, sind die weiteren Verhandlungstage. Sie wurden festgelegt bis Ende Januar 2017! Das Mammutverfahren hätte dann fast vier Jahre gedauert. Neun Minuten sind nichts dagegen.


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