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Erinnerung mit Verspätung

Von: Ernst Eisenbichler / Grafik: Christian Sonnberger

Stand: 30.04.2015 | Archiv

NS-Dokumentationszentrum München | Bild: Stefan Müller

Man stelle sich vor, nach der Reichsgründung von 1871 hätte es noch Jahrzehnte gedauert, bis das erste Denkmal für den "Gründerhelden" Bismarck aufgestellt worden wäre. In der Tat - undenkbar. Tatsache dagegen ist, dass die Stadt München, von der schließlich die NS-Bewegung ausgegangen war, erst fast 60 Jahre nach Hitlers Ende beschloss, ein Dokumentationszentrum einzurichten.

Am Ort des "Braunen Hauses", der ehemaligen NSDAP-Zentrale, ist es entstanden. Eröffnet wurde es am 30. April 2015 - genau 70 Jahre nach dem US-Einmarsch in München - und mehr als 90 nach der Gründung der NSDAP in der "Hauptstadt der Bewegung". Eine zentrale Frage der Daueraustellung ist, wie ausgerechnet München zur Wiege der NS-Bewegung wurde.

Erster Einblick in die braune Vergangenheit:

Noch mit den Steinplatten der NS-Zeit: Münchner Königsplatz in den 1950er-Jahren | Bild: SZ Photo / Alfred Strobel zum Artikel Chronik Der lange Weg zum Zentrum

Erste Überlegungen zu einem NS-Dokumentationszentrum gab es bereits 1946, dann passierte sehr lange gar nichts. 42 Jahre später ließ die Stadt München erst buchstäblich Gras über die Sache wachsen, 2007 war es dann so weit: die Finanzierung stand. [mehr]

Blick auf das "Braune Haus", die Parteizentrale der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in München  | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Geschichte Das Braune Haus

Die Nationalsozialisten waren noch gar nicht an der Macht, da leisteten sie sich eine altehrwürdige Münchner Stadtresidenz als neues Parteiheim: Ab 1931 wurden die Geschicke der NSDAP vom Palais Barlow aus gelenkt. [mehr]

NS-Dokumentationszentrum München und ehemaliger "Führerbau" (links) | Bild: Stefan Müller zum Artikel Architektur Kontrapunkt zu Hitlers Bauten

Die ewige Streitfrage bei Museumskultur im Zusammenhang mit NS-Grauen: Soll bereits die Architektur kommentieren oder provozieren? In München entschied man sich für die sachliche Variante, angelehnt an den Bauhaus-Stil. [mehr]

Wo einst die Gestapo residierte: Gedenktafel an der Zentrale der BayernLB in München | Bild: BR zum Artikel Voller Lücken Münchens Erinnerungskultur

Der Ort der ehemaligen Gestapo-Zentrale oder der Todesurteile gegen die Mitglieder der "Weißen Rose" - München tat sich schwer, daran frühzeitig und mit gut sichtbaren Gedenktafeln oder Denkmälern zu erinnern. [mehr]


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