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Starkbieranstich Nockherberg 2018 - Die letzte Fastenpredigt der Luise Kinseher und der Wilde Westen Bayerns

Die Fastenpredigt der Luise Kinseher ließ kein Auge trocken. Und endete mit einem Paukenschlag: Nachdem sie als "Mama Bavaria" die bayerische Politprominenz noch einmal sauber derbleckte, verkündete sie ihren Abschied vom Nockherberg. Im neuen Singspiel rauchten dann im Western-Style die Colts. Und auch hier gab es am Ende eine Riesenüberraschung.

Stand: 01.03.2018

28.02.2018, Bayern, München: Andreas Steinfatt (l), Paulaner-Geschäftsführer, verabschiedet sich beim traditionellen "Politiker-Derblecken" am Münchner Nockherberg von der Schauspielerin Luise Kinseher. Mit dem Verspotten, dem "Derblecken" von Politikern am Münchner Nockherberg, wird traditionell die Starkbier-Saison in Bayern eröffnet. Foto: Matthias Balk/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Matthias Balk

Das Ende kam unerwartet. Ein Paukenschlag, aber auch ein emotionaler Moment: "Gute Eltern wissen, wann es Zeit ist, loszulassen", sagte Luise Kinseher. Acht Jahr lang habe sie als Mama Bavaria ermahnt, getröstet und geschimpft. Da bräuchte sie jetzt etwas Abstand.

So verabschiedete sich Mama Bavaria alias Luise Kinseher am Ende Ihrer Fastenpredigt völlig überraschend nach acht Jahren von ihren "Kindern" und dem Nockherberg. "Wir können ja mal telefonieren", sagt sie. Damit hat die Kabarettistin und Schauspielerin ihre letzte Rede beim Starkbieranstich gehalten.

Am Nockherberg geht eine Ära zu Ende

"Da steckt nur dahinter, dass ich alle überraschen wollte", sagte Kinseher später gegenüber dem BR. "Acht Jahre sind genug. Sedlmayr hat es neun Jahre lang gemacht, den wollte ich auf gar keinen Fall toppen." Und: "Wenn Seehofer aufhört als Ministerpräsident, dann ist das auch für mich auch eine gute Zeit", fuhr Kinseher fort. "Es ist eine Ära zu Ende, auch die Ära eines bestimmten Politikstils. Es müssen die Jungen her." einige Publikum hätten Tränen in den Augen.

Kinseher geht mit Seehofer

Seit 2011 las Luise Kinseher in der Rolle der Mama Bavaria den Politikern die Leviten. Auch dieses Jahr teilte die Kabarettistin und Schauspielerin kräftig aus. Die Besonderheit des Abends: Erstmals seit neun Jahren saß nicht nur der Ministerpräsident, sondern auch sein Nachfolger im Publikum: Horst Seehofer ist der scheidende, Markus Söder der zukünftige Landesvater. Dazu gab es durch die noch nicht amtierende große Koalition in Berlin gehörig Stoff für die "Mama Bavaria" Luise Kinseher und die Singspieldarsteller.

Milde mit Seehofer, aber strenger mit Söder

Recht milde sprang Mama Bavaria alias Luise Kinseher mit dem scheidenden Ministerpräsidenten Horst Seehofer um. Deutlich strenger war sie bei Markus Söder:

"Jetzt soll er vielleicht auch noch in Schwarzgeldgeschäfte mit den Russen verwickelt sein. Vielleicht. Ich bin Deine Mama. Ich trau's Dir zu."

Mama Bavaria

Ilse Aigner, im CSU-internen Machtkampf unterlegen, sie ist für Mama Bavaria ein Sorgenkind:

"In der CSU wirst Du als Frau nicht belästigt, zumindest nicht mit den höchsten politischen Ämtern."

Mama Bavaria

Strenge Mama: "Schlagen darf man sie ja nicht mehr"

Und über die Karriere von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer konnte sich die Mama nur wundern:

"Der wird jetzt auch Bundesminister, der Rotzlöffel? Der gschnapperte Krippe, der gschnapperte!"

Mama Bavaria

Am Schluss ihrer Rede sorgte Luise Kinseher dann für eine Überraschung in eigener Sache. Es war Kinsehers letzte Fastenpredigt:

"Ich hab Euch acht Jahre ermahnt, getröstet, geschimpft. Schlagen darf man sie ja nicht mehr."

Mama Baravia

Oft wurden Kinsehers Reden wechselweise als zu lasch und zu scharf kritisiert, nach ihrer letzten reagierte das Publikum begeistert, mit stehenden Ovationen.

Neues Singspiel mit Western-Kulisse

Showdown: Stephan Zinner als Markus Söder (l) und Christoph Zrenner als Horst Seehofer stehen während des Singspiels auf der Bühne.

Für das Singspiel war in diesem Jahr ein neues Autorenduo verantwortlich, bestehend aus dem Musiker Richard Oehmann aus Weilheim in Oberbayern und dem Schauspieler und Drehbuchautor Stefan Betz aus Landshut in Niederbayern. Unter dem Titel "Die glorreiche 7", als Anspielung auf den berühmten Filmklassiker, spielte es in einer Western-Kulisse.

Dabei gab es zwei Neubesetzungen auf der Nockherberg-Bühne zu bestaunen. Nikola Norgauer agierte erstmals als Bayern-SPD-Chefin Natascha Kohnen und Claus Steigenberger gab bei seiner Premiere einen Totengräber. Neben diesen beiden Figuren standen besonders Horst Seehofer und Markus Söder sowie die Doubles von Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter und dem Münchner OB Dieter Reiter im Mittelpunkt.

El Marco und die Muchachos

Eine Westernstadt wird von Indianern bedroht, die glorreiche Sieben finden sich zusammen, um die Stadt zu verteidigen: Cowboy Markus Söder, gespielt von Stefan Zinner in Hochform, mit seinen Jubel- Muchachos, Dieter Reiter, Anton Hofreiter, Ilse Aigner, Angela Merkel, Horst Seehofer und einer jodelnden SPD-Frau Natascha Kohnen:

"Ich sag's trotzdem besser nochmal. Ich bin die Natascha. Bald wird man mich auch unter dem Namen Calamity Kohnen kennen."

Rollentext der Kohnen-Figur im Singspiel

Uschi Glas als Apanatschi beim traditionellen "Politiker-Derblecken" am Münchner Nockherberg.

Das ist die glorreiche Sieben. Auch wenn Söder Seehofer am liebsten nicht dabei hätte. Der will aber nicht recht, wie im richtigen Leben. Als personifizierte AfD schleicht der Totengräber über die Bühne, der Markus Söder einflüstert. Der Angreifer, der Indianer, stellt sich als Münchner Ureinwohner heraus, der die Welt nicht mehr versteht. Bald wird er zurückkommen, mit Apanatschi, gespielt von Uschi Glas, einer Immobilienheuschrecke, die die Westernstadt einfach gekauft hat. Söder wird als Maulheld enttarnt und muss als künftig als Einzelkämpfer ran. Der Titel des Singspiels lautet nämlich nicht "Die glorreichen Sieben", sondern: "Die Glorreiche Sieben". Und die, die ihn eben noch bejubelt haben, jagen Söder jetzt über die Bühne.

Und auch Seehofer hat's gefallen

Horst Seehofer fand für Fastenpredigt und Singspiel nur Lob, aus einem ganz bestimmten Grund:

"Mir hat gefallen, dass Seehofer zwar mehrfach den Anlauf gemacht hat, zu verschwinden, aber immer wieder zurückkam mit guten Argumenten."

Horst Seehofer

Der CSU-interne Machtkampf war das bestimmende Thema in Fastenpredigt und Singspiel. Am Montag will Horst Seehofer einen Zeitplan vorstellen, wann genau er den Weg für Markus Söder frei machen will. Erst dann ist der Machtkampf in der CSU auch formal beendet. Vorerst.


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