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Umwelthilfe reicht Klage ein Nitrat im Trinkwasser: Der Kampf um die Gülle

Seit Jahren wird zu viel Gülle auf die Felder gekippt, was zu hohem Nitratgehalt im Trinkwasser führt. Im Süden sind besonders Franken und Niederbayern betroffen. Die Deutsche Umwelthilfe hat jetzt die Bundesregierung verklagt. Den Verbrauchern drohen steigende Preise für Lebensmittel und Wasser.

Von: Tobias Betz

Stand: 17.07.2018

Traktor fährt Gülle aus | Bild: Bayerischer Rundfunk 2018

Eigentlich ist Gülle keine schlechte Sache. Kot und Urin der Tiere kommen als rein organischer Dünger wieder auf Felder und Wiesen. Das liefert den Pflanzen wertvolle Nährstoffe. Es kommt allerdings auf das richtige Maß an, denn überschüssiges Nitrat reichert sich an, gelangt dann ins Grundwasser und von dort ins Trinkwasser.

Verschärfung des Düngerechts hat kaum etwas gebracht

Nitrat kann im Körper umgewandelt werden zu Nitrit, das vor allem für Säuglinge und Kleinkinder in großen Mengen gefährlich werden kann. Die Vorgaben für die Bauern sind da zu lasch, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. Die Verschärfung der Düngeverordnung im vergangenen Jahr sei wirkungslos. Die Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland sei unausweichlich gewesen, sagt Jürgen Resch.

Nur Malta hat mehr Nitrat im Grundwasser

Im Juni hatte der Europäische Gerichtshof Deutschland wegen der hohen Nitratbelastung im Grundwasser eine Verletzung von EU-Recht vorgeworfen. Bundesweit sind laut dem Bericht der Bundesregierung von 2016 die Nitratgrenzwerte an fast jeder dritten Messstation überschritten worden. In nur einem EU-Land habe dieser Wert höher gelegen. Auf Malta. Die Ursache: In Deutschland es der harte Preiskampf um billige Lebensmittel, sagt Resch. Das führe zu einer so intensiven Landwirtschaft.

"Das zeigt auch diese Fehlentwicklung auf. Wir haben in Deutschland im europäischen Vergleich die niedrigsten Lebensmittelpreise. Und das hat eine Auswirkung natürlich auf die Landschaft. Denn wir produzieren viel zu intensiv. Und einer der Leidtragenden ist eben das Grundwasser, das bei uns einfach rekordmäßig vergiftet ist." Jürgen Resch, deutsche Umwelthilfe

Vor allem Franken und Niederbayern belastet

Ohne entsprechende Maßnahmen würde - Prognosen zufolge - die Gewässerbelastung vor allem in Franken und Niederbayern auf Dauer zunehmen. Die Bundesregierung hofft hingegen, dass mit der seit 2017 geltenden verschärften Düngemittelverordnung die Grenzwerte künftig eingehalten werden können. So sieht es auch der Bayerische Bauernverband. Das zu überprüfen könnte sich aber einige Jahre hinziehen, kritisiert die Deutsche Umwelthilfe. Der Anwalt Remo Klinger vertritt die Klage. Das Ziel der Klage sei, Deutschland so schnell wie möglich zu Maßnahmen zu zwingen.

Lebensmittel oder Trinkwasser – für die Verbraucher könnte es teuer werden

Deutsche Umwelthilfe gegen die Bundesregierung: Das könnte teuer werden. Zu hohe Nitratwerte im Grundwasser verursachen bei den Wasserversorgern Kosten für die Reinigung, die den Kunden in Rechnung gestellt werden. Andererseits würden noch strengere Dünge-Regeln für die Bauern einen hohen Aufwand und eventuell geringere Erträge bedeuten, so dass die Lebensmittel aus heimischer Landwirtschaft mehr kosten müssten. Die Deutsche Umwelthilfe hält eine Gerichtsentscheidung in der zweiten Jahreshälfte 2019 für realistisch.


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Bürger, Mittwoch, 18.Juli, 08:16 Uhr

19. Fragen über Fragen

Warum muss hier in unserem kleinen Deutschland für die ganze Welt Schweinefleisch produziert werden ?
Wenn das so lukrativ ist, warum bauen dann nicht die Großmäster diese Ställe in den Länder, in dem sie das Fleisch verkaufen?
Warum wird nicht mit jedem exportierten Kilo Fleisch, gleich die Gülle literweise mitgeliefert?

Squareman, Mittwoch, 18.Juli, 07:22 Uhr

18. Der Verbraucher zahlt die Rechnung

Die Probleme sind seit Jahren bekannt und trotzdem hat sich nichts getan. Hauptgrund sind unsere lieben Landwirtschaftsminister die fest auf der Bremse sitzen und nichts unternehmen. Die Rechnung zahlt dann der Verbraucher. Hier wird das Verursacherprinzip ausser Kraft gesetzt. Aber man muß doch Verständnis haben, wo sollen die Agrarfabriken denn sonst ihre Guelle entsorgen. Das ganze System ist krank. Es werden auch weiterhin neue, noch größere Mastbetriebe genehmigt. Das ganze ist das Ergebnis einer seit Jahrzehnten falschen Politik. In Zukunft werden wir unser Wasser im Supermarkt kaufen müssen. Lebensmittelkonzerne haben sich schon darauf eingestellt.

Thomas L., Mittwoch, 18.Juli, 06:37 Uhr

17. Gülle und Gasanlage

Liebe Comunity, eine Frage:
Wurde nicht vor Jahren (Jahrzehnten) für das Gülleabfallproblem der landwirtschaftlichen Betriebe die bäuerliche Gasanlage (lassen wir mal Bio weg) propagiert und gefördert.
Oder liege ich mit dieser Erinnerung falsch?

Müssen in diese Gasanlagen wirklich qualitativ hochwerte Lebensmittel (Getreide, Mais, etc.) geschüttet werden?

Ich bitte um aufklärende Antworten und keine Beschimpfungen.

  • Antwort von FranzX, Mittwoch, 18.Juli, 08:04 Uhr

    @Thomas
    Ja das ist ein Problem. Ihr Grundgedanke ist richtig, aber leider ist die Energieausbeute, je nach Quelle, bei Gülle unter 20% und am höchsten bei Mais mit über 60%.
    Deshalb auch die Mais Monokulturen.
    Somit wird auch kaum mehr Gülle in den Biogasanlagen benutzt.

  • Antwort von Zwiesel, Mittwoch, 18.Juli, 08:51 Uhr

    @Thomas L.:
    Zu berücksichtigen ist auch, dass auch die Gärreste aus den "Bio"-Gasanlagen wieder als Dünger auf den Feldern ausgebracht werden.

Zwiesel, Mittwoch, 18.Juli, 06:30 Uhr

16. Jefta läßt grüßen

Gerade wurde Jefta zwischen Europa und Japan abgeschlossen. Europäische, vor allem auch deutsche Produzenten hoffen auf mehr Geschäft mit Japan. Eine Auswirkung, Japan braucht Fleisch. Die Fleischproduzenten freuen sich auf neue große Geschäfte. Werden uns die Japaner dann auch die Gülle abnehmen? Die Großbetriebe in Deutschland werden zunehmen bzw. weiter wachsen. Die Gewinne werden steigen. Die Sch... bleibt im Land und vergiftet unser Trinkwasser. Ach ja, die Aufbereitung des Trinkwassers könnte für die Kommunen zu teuer werden. Also folgt doch die Privatisierung des Trinkwassers? Jefta machts möglich. Ein Schelm wer Böses dabei denkt? Oder Alles doch nur eine Frage der Perspektive?

  • Antwort von H.E., Mittwoch, 18.Juli, 08:13 Uhr

    Ich habe gehört, daß auch die Niedelande und noch ein weiteres Land in Deutschland GÜLLE ausbringen! Stimmt das, es würde mich brennend interessieren. So ein Gerücht hält sich doch nicht umsonst.

  • Antwort von Zwiesel, Mittwoch, 18.Juli, 08:48 Uhr

    @H.E.:
    Gülle ist zu einem Handelsgut geworden. Auch wenn der Anteil holländischer Gülle am Gesamtaufkommen in Deutschland nur einen geringen Anteil hat, ist es Fakt, kein Gerücht, aber ein Gerüchle. Gleichzeitig wird aber auch versucht, Gülle aus Deutschland ins Ausland zu exportieren. Die entsprechenden Transportunternehmen sind an diesen Geschäften, "warum auch immer", durchaus interessiert.

Max Rothfischer, Mittwoch, 18.Juli, 00:05 Uhr

15. Es stinkt gewaltig

Ich wohne in einer niederbayerischen Kreisstadt am Ortsrand und damit im absoluten "Gülleduft". Alle Proteste gegen die intensive Geruchsbelästigung waren bisher vergebens. Dass dadurch auch noch das Grundwasser belastet wird, setzt dem Ganzen nur noch die "Krone" auf.

Landwirtschaft JA, Gülle NEiN - ich hoffe es gibt hierzu ökologische Alternativen.

  • Antwort von FranzX, Mittwoch, 18.Juli, 08:07 Uhr

    @Rothfischer
    Ich bin auch aus Niederbayern und mit dem Gülleproblem geplagt.
    Tiere kacken nun mal. Das Problem liegt bei der EU und den Landratsämtern. Die EU zahlt noch immer viel zu hohe Subventionen für den Bau eines neuen Viehstalls und natürlich auch pro Tier. Die Landratsämter vergeben die Baugenehmigungen wie es ihnen beliebt.

  • Antwort von Marianne, Mittwoch, 18.Juli, 10:04 Uhr

    @Rothfischer
    Die Gülle IST die Ökologische Alternative! Es mag zwar in den Ohren eines Nicht-Landwirts merkwürdig klingen, aber Gülle (alle tierischen Ausscheidungen gemischt) bzw. diese Ausscheidungen getrennt als Mist (= Stroh + Kot der Tiere) und Jauche sind meines Wissens nach die einzigen im Öko-Landbau erlaubten Düngemittel.