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Atlas der Arbeit 2018 des DGB Niedriglohn, Überstunden, Digitalisierung: So hat sich die Arbeitswelt gewandelt

Die Arbeitswelt wandelt sich - in Deutschland und weltweit. Wie die Gewerkschaften die Entwicklung sehen und wie sie darauf reagieren wollen, das haben sie in ihrem "Atlas der Arbeit 2018" zusammengestellt. Heute wird er vorgelegt.

Von: Günter Mayr-Eisinger

Stand: 07.05.2018

Roboter halten die Ziffern "4" und "0" | Bild: picture-alliance/dpa

Der DGB und die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung analysieren in ihrem "Atlas der Arbeit 2018" die Entwicklung der Arbeitswelt in Deutschland und im internationalen Vergleich. Dabei geht es auch um die soziale Folgen: Arbeit bedeutet soziale Teilhabe und gesellschaftliche Integration, so die These des DGB. Für Deutschland stellen sie fest: Die Einkommen entwickeln sich nach wie vor ungleich, Kapitaleinkommen wachsen deutlich schneller als Arbeitseinkommen.

Folgen der Deregulierung: Wachsender Niedriglohnsektor

Einer der möglichen Gründe: Seit gut zwei Jahrzehnten landen immer mehr Arbeitnehmer in Mini- oder Teilzeitjobs. Sie werden als Leiharbeiter beschäftigt - und oft schlechter bezahlt - und haben nur Zeitverträge. Hier sieht der DGB die Politik in der Verantwortung: Die habe durch die Deregulierung des Arbeitsmarktes solche Entwicklungen erst möglich gemacht.

So kam es auch dazu, dass der Niedriglohnsektor in Deutschland stark gewachsen ist. Mittlerweile, so heißt es im "Atlas der Arbeit", ist er einer der größten in Europa. Und Langzeitarbeitslose profitieren nach wie vor zu wenig von der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt.

Vollzeitbeschäftigte arbeiten immer länger

Diejenigen aber, die Arbeit haben, leiden immer stärker unter Überlastung: Jeder elfte Vollzeitbeschäftigte arbeitet mehr als 48 Stunden wöchentlich. Die Zahl der nicht bezahlten Überstunden ist mittlerweile höher als die der bezahlten.

Erleichtert werden solche Entwicklungen durch die Digitalisierung der Arbeitswelt: "Arbeiten 4.0", das bedeutet für viele, dass die Grenzen zwischen Job und Freizeit verschwimmen. Flexibilität ist gefragt. Für jeden vierten bedeutet das mittlerweile Samstagsarbeit. Und jeder siebte muss auch sonntags ran.

Duale Ausbildung muss sich der Digitalisierung stellen

Den Nachschub an Arbeitskräften bilden in Deutschland - anders als in anderen Ländern - oft die Betriebe aus. Doch die duale Ausbildung in Berufsschule und Betrieb ist nach Einschätzung der Studienautoren nicht genügend auf die Digitalisierung vorbereitet. Fraglich also, ob die hohe Qualität der Ausbildung gehalten werden kann.

Immerhin aber stellen auch DGB und Hans-Böckler-Stiftung fest: Deutsche, skandinavische und niederländische Jugendliche haben gute Chancen auf Arbeit. Südeuropäische dagegen stehen immer noch oft vor Arbeitslosigkeit und prekären Lebensverhältnissen.

Die künftige Rolle der Gewerkschaften

DGB und Hans-Böckler-Stiftung sehen die Arbeitswelt im Wandel. Was fehlt, sind nach ihrer Einschätzung Regeln und Gesetze, die zu den neuen Bedingungen passen. Arbeitszeiten, internationales Crowdworking, Dienstleistungsplattformen, Datenschutz - all das hat die Hans-Böckler-Stiftung unter die Lupe genommen. Vor allem mit Blick darauf, welche Rolle die Gewerkschaften da künftig spielen können.


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Endlosschleife , Dienstag, 08.Mai, 12:04 Uhr

12. Werden die Arbeitsuchenden Flüchtlinge die Löhne nach unten drücken? Nein.

Flüchtlinge nehmen uns keine Jobs weg, deswegen haben die Gewerkschaften nichts gegen eine unqualifizierte Einwanderung. Warum sollte ein Flüchtling einen unangenehmen schlecht bezahlten Job annehmen, wenn er für seine große Familie viel mehr vom Amt bekommen kann? Deswegen ist der Familiennachzug für Flüchtlinge so wichtig. Flüchtlinge haben meistens keine Ausbildung aber sie haben einen gesunden Menschenverstand, den viele studierte Deutsche leider nicht haben.

Heidi S., Dienstag, 08.Mai, 11:56 Uhr

11. Immer mehr Befristungen, Niedriglöhner, Minijobber, Wohnungsuchender, Migranten.

Die aktuell veröffentlichte Arbeitslosenzahl von inzwischen weniger als 2,5 Millionen mag zunächst gut klingen. Doch mit der Statistik ist es so eine Sache. Nicht dazu zählt, wer sich in einer Qualifizierungsmaßnahme befindet, einen Ein-Euro-Job ausübt, vorübergehend krank oder älter als 58 Jahre ist. Die Zahl der so wegdefinierten Erwerbslosen liegt bei rund einer Million. Hinzu kommen nicht gezählte Menschen, die weder einen Job noch Anspruch auf Hartz IV haben, etwa weil das Einkommen des Partners zu hoch ist. Rund neun Millionen Menschen arbeiten aktuell für weniger als zehn Euro pro Stunde, acht Millionen sind auf eine Grundsicherungsleistung angewiesen. Viele davon sind erwerbstätig. Im März 2018 suchten mehr als 3,4 Millionen Teilzeitbeschäftigte eine Arbeit mit mehr Stunden und entsprechend höherem Lohn. Von rund 44 Millionen besetzten Arbeitsstellen sind nur 32 Millionen sozialversicherungspflichtig. Unterbeschäftigte und Erwerbslose ergeben zusammen fast 14 Prozent.

Angestellte Gudrun, Dienstag, 08.Mai, 11:49 Uhr

10. Automatisierung. Wir werden Jobs verlieren. Migranten werden keinen Job finden.

Jobverluste durch Automatisierung und Zusammenbruch der sozialen Versorgungssysteme? Je mehr Aufgaben Computer in der Lage sind, zu erledigen, umso mehr Jobs, die bislang Menschen machen, werden künftig von Robotern erledigt. Vom elektronischen Regalauffüller über den nicht-menschlichen Burgerbrater bis zum selbstfahrenden Auto und der Künstlichen Intelligenz könnten die neuen Entwicklungen weltweit bis zu 800 Millionen Jobs ersetzbar oder überflüssig machen. Das McKinsey Global Institute geht davon aus, dass weltweit ein Fünftel aller Beschäftigten betroffen sein wird, in den USA sollen bis 2030 zwischen 39 und 73 Millionen Jobs wegfallen, wobei immerhin 20 Millionen leicht in andere Tätigkeitsfelder integriert werden könnten. Wenn wenn wir mit 150 Millionen Menschen enden, die dauerhaft staatliche Unterstützung beziehen und keine Hoffnung auf eine dramatische Änderung ihrer Lage haben, dann wird das keinen gesunden Effekt auf die Gesellschaft haben. Abgesehen von Verbrechen,

Arbeiter , Dienstag, 08.Mai, 11:41 Uhr

9. Die künftige Rolle der Gewerkschaften? Wer ist schon in der Gewerkschaft?

Die künftige Rolle der Gewerkschaften? Wer ist schon in der Gewerkschaft? Die wenigsten.
Ich sehe die Metaller nur zusammen mit der Antifa bei Demos gegen rechts und gegen AfD.

Franz L. , Dienstag, 08.Mai, 11:36 Uhr

8. Was passiert, wenn Roboter immer mehr Aufgaben übernehmen?

Was passiert, wenn Roboter immer mehr Aufgaben übernehmen, wenn sie immer mehr lernen? Was macht das mit unserer Arbeitswelt? Was werden die Arbeitnehmer machen, die nicht genug qualifiziert sind, um diese Roboter zu programmieren und um zu reparieren? Wovon werden die Kriegs-, Klima- und Armuts-Flüchtlinge aus Afrika leben, die leider allzu oft Analphabeten sind? Wie lange werden sie für eine Umschulung vom Analphabeten zu einem Roboter-Reparateur oder Roboter-Programmierer brauchen?