36

Neues Arbeitszeitmodell Straubinger Firma bietet Mitarbeitern Sechs-Stunden-Tag bei gleichem Gehalt

Weniger Arbeit für denselben Lohn: Im Straubinger Unternehmen "Jobroller" ist das der Fall. Bei der Online-Stellenbörse arbeiten die Beschäftigten nur noch sechs Stunden am Tag - bei voller Bezahlung.

Von: Sarah Beham

Stand: 24.04.2018

Eines Tasse des Unternehmens Jobroller aus Straubing.  | Bild: BR/Sarah Beham

Work-Life-Balance mittels Zeitregelungen. Seit Oktober 2017 schenkt Geschäftsführer Günter Dillig von der Straubinger Online-Stellenbörse "Jobroller" seinen Mitarbeitern zwei Stunden Freizeit. Dillig gehe es dabei vor allem um eines: die Motivation des Personals.

"Die ist gegeben, wenn sie genügend Freizeit haben. Nicht immer geht es allein ums Geld. Nur, wenn das Personal glücklich und zufrieden ist, kann es Leistung bringen."

Günter Dillig

Weniger Krankheitstage im Team

Jobroller-Geschäftsführer Günter Dillig (rechts) mit Mitarbeitern.

Seit Günter Dillig den Sechs-Stunden-Tag eingeführt hat, sind die Krankheitstage und Fehler bei seinen etwa zehn Angestellten nach seinen Angaben zurückgegangen. Das Team sei viel konzentrierter bei der Sache. Und der Umsatz habe nicht gelitten.

Konzentration auf die Arbeit

Ganz geschenkt bekommen die Leute bei "Jobroller" den verkürzten Arbeitstag aber nicht: Es gibt keine Mittagspause, nur kurze Auszeiten für Zigarette oder Kaffee. Außerdem sind Handy und Facebook tabu, damit während der sechs Stunden wirklich konzentriert gearbeitet wird. Bei der Entwicklung seines Sechs-Stunden-Modells hat sich Günter Dillig an die Zeit erinnert, als er selber noch Arbeitnehmer war:

"Wenn du acht Stunden am Stück arbeitest, dann bist du tot, dann bist du ausgelaugt, Fehler schleichen sich ein - geschweige denn bei neun und zehn Stunden!"

Günter Dillig

Mediziner fordert sinnvolle Nutzung der Freizeit

Der Regensburger Arbeitsmediziner Michael Kolbeck bestätigt das im Prinzip: Kürzere Arbeitszeiten können förderlich für die persönliche Ausgeglichenheit sein. Allerdings sollte die gewonnene Freizeit auch sinnvoll genutzt werden:

"Gewinnbringend auch im Sinne von Entspannung zum Beispiel. Oder wenn ich mich um Dinge wie regelmäßigen Sport kümmere, der sonst zu kurz kommen würde."

Michael Kolbeck

Zwei-Schichten-Modell als Basis

Für Günter Dillig ist der Sechs-Stunden-Tag ein Erfolgsmodell. Andere Unternehmen würden sich schlicht nicht trauen und hätten Angst, mehr Personal einstellen zu müssen. Bei Dillig war das nicht der Fall. Statt mehr Personal hat er zwei Schichten eingeführt. Die eine geht von acht bis 14 Uhr, die andere von elf bis 17 Uhr. Seiner Meinung nach wäre ein Sechs-Stunden-Tag gerade für Unternehmen, die Schwierigkeiten haben, geeignete Fachkräfte zu finden, ein überzeugendes Argument bei der Mitarbeiter-Akquise.


36

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Selim, Mittwoch, 25.April, 11:22 Uhr

10. sinnvolle Freizeitnutzung

bringen Sie Sinn in Ihre Freizeit!
Frei Zeit ohne Sinn?
Das macht keinen Sinn.
Wer macht Sinn?
der Macher macht Sinn.
Wir leben bekanntlich im Macherland.

Andreas Reichl, Dienstag, 24.April, 17:50 Uhr

9. Super Artikel...

Extrem interessantes Thema, sollten mehr Arbeitgeber so umsetzen.

AGKV , Dienstag, 24.April, 16:38 Uhr

8. Warum das Erstaunen?

Derartige Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich sind in der Automobilindustrie gang und gäbe. Und der dumme Käufer in Deutschland bezahlt das Ganze und wird dafür auch noch betrogen. Dabei sind die Arbeiter am Band nur hoch bezahlte Hilfsarbeiter.

  • Antwort von Mittechziger, Mittwoch, 25.April, 13:32 Uhr

    Und die Autos wurden seit dem Euro immer teurer! Ich erinnere mich als Ex-Ossi noch ganz genau an die Autopreise Mitte der 90er. Da konnte man mit viel Glück einen kleinen Neuwagen unter 15000 DM kaufen. Da kriegt man jetzt nicht mal für 15000 Euro einen vergleichbaren Pkw. Der Irrsinn nimmt kein Ende in der Autoindustrie! Anstatt in sich zu gehen nach den ganzen Skandalen, hält man dort starrsinnig an der Überteuerung fest und auch an der Überzahlung der Beschäftigten. Absurdistan, wie es leibt und lebt!

  • Antwort von Handwerker, Mittwoch, 25.April, 19:59 Uhr

    An Mittechziger,

    du musst nur um gewissen Automobil Herstellern einen Bogen machen und schon fühlst du dich zurück versetzt in die 90 er, eigentlich ganz einfach.

Clemens W., Dienstag, 24.April, 16:11 Uhr

7. Ist der Chef eventuell der Ururururenkel von Karl Marx?

Ein makabrer Vorschlag. Wenn man bedenkt, dass die Regel nun mal 8 Stunden ist für volles Gehalt, dann sind die wieder die Dummen, die im normalen Arbeitsmodell schaffen müssen. Eben wieder die, die in unserem Land das System am Laufen halten.

  • Antwort von Werner B., Donnerstag, 26.April, 22:03 Uhr

    Die Regel ist, das (regelmäßig) maximal 8 h am Tag anfallen. Der Unternehmer entscheidet im gesetzlichen Rahmen selbst, wieviel er zahlt für eine bestimmte Anzahl an Arbeitsstunden. Das Unternehmen arbeitet dabei genauso wirtschaftlich wie vorher. Die Mitarbeiter halten das System auch "am laufen". Außerdem ist der letzte Satz einfach (mehrfach) nur unklug, zeugt von wenig Bildungsanspruch und einem neidhaften Charakter oder Frust - Sorry Bro'. Das System wird derzeit ursächlich allein durch das Streben nach Profit "am Laufen gehalten", mit allen seinen kausalen Folgen. Dabei sollte man Geld als Medium begreifen und nicht als Selbst- oder Lebenszweck. Grundsätzlich geht es doch um die Befriedigung der Grundbedürfnisse und um die Möglichkeit der Selbstverwirklichung. Leider muß man bei den heutigen Möglichkeiten einen unnütz hohen Aufwand an (Arbeits-)Zeit, Geld , Energie (auch mentale) erbringen, weil einige wenige den Hals nicht vollkriegen.

Moni, Dienstag, 24.April, 16:03 Uhr

6. Zeitalter der Digitalisierung

Im Zeitalter der Digitalisierung braucht es ohnehin neue Arbeitszeitmodelle.
Auch frage ich mich, warum wir bis zum 67. Lebensjahr arbeiten sollen, wenn man mit 50 bereits auf dem Arbeitsmarkt abgeschrieben ist, da zu alt und zu teuer. Auch hier braucht es dringend ein Umdenken.