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Urteil am Landgericht Deggendorf Kindesmissbrauch: Ex-Priester wird zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt

Die Richter am Landgericht Deggendorf haben einen ehemaligen Priester wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu einer Haftstrafe von acht Jahren und sechs Monaten verurteilt. Er wird in der Psychiatrie untergebracht.

Von: Harald Mitterer

Stand: 22.02.2018

22.02.2018, Bayern, Deggendorf: Der angeklagte ehemalige Priester (l) sitzt im Gerichtssaal des Landgerichts in Deggendorf neben seinem Verteidiger Bruno Fuhs. Im Prozess gegen den ehemaligen Priester wegen des sexuellen Missbrauchs von fünf Jungen soll vor dem Landgericht das Urteil fallen. Foto: Armin Weigel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Armin Weigel

Der ehemalige Priester wurde zu achteinhalb Jahren Haft für schweren sexuellen Missbrauch in 45 Fällen und sexuellen Missbrauch in 63 Fällen verurteilt. Außerdem soll er in der Psychiatrie untergebracht werden.

Die von der Staatsanwaltschaft geforderte anschließende Sicherungsverwahrung zum Schutz der Allgemeinheit verhängte das Gericht noch nicht. Es ordnete aber die "vorbehaltene Sicherungswahrung" an. Das heißt, dass vor Ablauf der Haftstrafe noch einmal entschieden werden muss, ob der Verurteilte in Sicherungsverwahrung kommt oder nicht. Die Behandlung werde viele Jahre dauern und ein Erfolg sei zweifelhaft, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Trautwein.

Der Richter sprach von einem "entsetzlichen Unheil", das der Angeklagte durch das "Zerstören von Kinderseelen" angerichtet habe. Für die Opfer ende die Schädigung auch mit dem Ende des Prozesses nicht, die Aufarbeitung erstrecke sich über Jahrzehnte. Der Angeklagte verfolgte die Urteilsverkündung äußerlich regungslos. Positiv rechnete die Jugendkammer dem Angeklagten an, dass er die Taten vollumfänglich eingeräumt habe - wenn auch spät und erst unter dem Eindruck der Aussage eines der Opfer.

"Offenkundig sieht er das Unrecht seiner Taten jetzt ein, unter Umständen zum ersten Mal in seinem Leben."

Richter Thomas Trautwein

Fünf Buben sexuell missbraucht

Der aus Wuppertal stammende Mann missbrauchte seit Mitte der 90er-Jahre fünf Buben bei insgesamt etwa 100 Gelegenheiten schwer. Außerdem versuchte er, eine 18-Jährige zu vergewaltigen. Verurteilt wurde er zudem wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Urkundenfälschung und Besitzes von jugendpornografischen Materials. Die Taten sollen vor allem im Raum Mainz und im Landkreis Deggendorf geschehen sein.

Der Mann sei immer wieder nach der Methode des sogenannten Groomings vorgegangen, sagte der Richter. Er habe Kontakt zu strenggläubigen, frömmelnden Familien gesucht, bei denen die Vaterfigur fehlte oder schwach war und die Mutter überfordert war. Dort habe sich der Mann eingenistet, die Erzieherrolle übernommen und bei den Kindern im Zimmer schlafen dürfen. Das habe es dem ehemalige Priester ermöglicht, die Straftaten überhaupt zu begehen, und den Opfern sei es praktisch unmöglich gewesen, sich ihm zu entziehen. "Das waren grauenvolle Zustände für die Kinder."

Der Mann saß schon einmal im Gefängnis

Der Mann hatte von 2003 bis 2009 nach einem Urteil des Landgerichtes Karlsruhe wegen Sexualstraftaten schon einmal für fünfeinhalb Jahre im Gefängnis gesessen. 2008 war er nach einem kirchengerichtlichen Urteil in Freiburg aus dem Priesterstand entlassen worden.

(mit dpa-Informationen)


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