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Auferstanden aus der Flut Fischerdorf und das Jahrhunderthochwasser

Als bei Deggendorf im Juni 2013 nach tagelangem Regen der Isardamm bricht, ist die Katastrophe nicht mehr zu verhindern: Der Ortsteil Fischerdorf geht buchstäblich unter. Fünf Jahre später zeigt sich, wie die Jahrhundertflut den Ort und seine Menschen verändert hat.

Stand: 25.05.2018

Fischerdorf: fünf Jahre nach der Flut | Bild: pa/dpa/Armin Weigel

Hochwasser und Schlamm sind längst weg. Die Spuren der Jahrhundertflut in Deggendorf scheinen beseitigt. Und doch erinnert im Ortsteil Fischerdorf alles an die Tage im Juni 2013, als der Damm an der Isar brach und das durch tagelangen Regen aufgestaute Wasser freien Lauf hatte. Es flutete Straßen, Häuser und die Autobahn - bis zu vier Meter hoch. Eine gewaltige Katastrophe, bei der es auf wundersame Weise keine Toten gab.

Fünf Jahre später gibt es in dem Ort Neubauten anstelle zerstörter Häuser. Stehengebliebene Gebäude sind frisch gestrichen, Straßen weitgehend repariert, Spiel- und Fußballplatz erneuert. Fischerdorf ist auferstanden - der gleiche Ort und dennoch ein anderer.

Das Öl machte die Häuser unbewohnbar

Joseph Straßer blättert neben seiner Frau Rosalie in einem Fotobuch mit Bildern von ihrem von der Flut 2013 zerstörten Haus.

Eines der neuen Häuser gehört Rosalie und Joseph Straßer. Modern und hell ist es. Ein Jahr nach der Flut sind die Straßers eingezogen. Mit Heizöl verschmutztes Hochwasser hatte das alte Haus unbewohnbar gemacht. Es wurde abgerissen. Auf ihrem Grundstück durften sie wegen der Nähe zur Isar nicht neu bauen und bekamen von der Stadt ein Ausgleichsgrundstück etwas weiter im Ortsinneren. Ob sie sich hier heimisch fühlen? Nun, in dem alten Haus sei er 1951 geboren worden, sagt Straßer. Er sei dort aufgewachsen und habe immer dort gelebt. Etwas abgelegen sei es gewesen. "Idyllisch." Trotz der Autobahn, die nebenan gebaut wurde und trotz des Lärms, den diese mit sich brachte. Rund um das neue Grundstück ist inzwischen viel gebaut worden. Spielplatz, Moschee, Kindergarten - ständiger Trubel. "Da hinten hatten wir unsere Ruhe", sagt er und deutet in Richtung Isar. Ein noch so schönes neues Haus ist eben nicht gleich ein Zuhause - zumal wenn Erinnerungsstücke fehlen. Das ist spürbar, wenn die Straßers erzählen. "Wir sind ja zufrieden hier", sagt die 65-Jährige. Aber: "Es ist eben nicht die Heimat." Sie schluckt.

Nur noch Zeitungsartikel erinnern an die Katastrophe

Rosemarie und Dietmar Seidler vor ihrem neuen Haus

Auch das Haus von Rosemarie und Dietmar Seidel war in der Flut untergegangen. In einem Ordner haben sie Zeitungsartikel darüber gesammelt, eine Luftaufnahme ihres überschwemmten Grundstückes ging um die Welt. Das Haus ließen sie wieder so aufbauen, wie es vorher war. Beim Rundgang durch den Garten zeigen sie, wie hoch das Wasser stand. An der Hecke sind noch Schäden sichtbar. Geblieben ist dem Paar so gut wie nichts. Das ölige Wasser hat alles zerstört. Lediglich die Fotos, die im Obergeschoss an der Wand hingen, konnten die Seidels retten. Den Straßers geht es ähnlich. Die alten Alben mit den schönen Erinnerungsfotos sind kaputt. Stattdessen zeigen sie ein Album mit Bildern ihres verwüsteten Zuhauses.

Josef Straßer hat als Feuerwehrkommandant immer wieder Hochwasser erlebt. "Wie oft haben wir Dammwache geschoben", sagt er. Fischerdorf liegt zwischen Donau und Isar. Die Menschen waren an Überschwemmungen gewöhnt. Aber dass es einmal so dramatisch kommen würde, das habe sich niemand vorstellen können.

Evakuierung am 4. Juni

Franz Heigl, ehemaliger Vorsitzender des Reitclubs in Fischerdorf, zeigt in der Reithalle, wie hoch das Wasser nach der Flut 2013 stand.

Die Anwohner seien an jenem 4. Juni aufgefordert worden, ihre Häuser zu verlassen, erinnern sich die Straßers. Die heute 65-Jährige trug wichtige Dokumente in den ersten Stock und legte sie auf einen Tisch - nicht ahnend, dass sogar der noch untergehen würde. Sie verließ Fischerdorf, während ihr Mann noch das Haus abzudichten versuchte. Dann kam das Wasser. "Ich habe es gerade noch ins Auto geschafft", sagt er. "Ich wusste: Hier kann ich nichts mehr tun."

Und heute? "Verdrängen kann man das nicht", sagt Straßer. "Das war einfach zu viel." Der Ort habe sich verändert, ergänzt seine Frau. Neid habe es gegeben angesichts der Versicherungszahlungen und Spenden. Die Leute hätten sich beäugt, wer wie groß baut. "Das war ein bissl ein Konkurrenzkampf." Das berichten auch andere Anwohner.

Angst vor einer neuen Flut scheinen die wenigsten Fischerdorfer zu haben. Der Ortsteil boomt. Gut 170 Hausbesitzer hatten einen Antrag auf Neubau nach Abbruch ihres alten Hauses gestellt, berichtet eine Sprecherin der Stadt. Von den Hochwasseropfern zogen nur wenige weg und einige Neu-Fischerdorfer kamen dazu.

70 Millionen für den Hochwasserschutz

So sieht Fischerdorf heute aus

Die Erweiterung des Hochwasserschutzes soll im kommenden Jahr weitgehend abgeschlossen sein, wie Michael Kühberger, der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, mitteilt. Rund 70 Millionen Euro seien in dem Gebiet dafür ausgegeben worden. Der Damm wurde erhöht und soll nun einem hundertjährlichen Hochwasser standhalten.

Fünf Jahre nach der Flut sei auch der Wiederaufbau von Fischerdorf weitgehend beendet, sagt Oberbürgermeister Christian Moser (CSU). Einige Straßen müssten noch saniert werden. Gerade bei Familien sei das Interesse an Bauplätzen groß: "Momentan können wir dort keine Baugrundstücke anbieten." Dass es Neid unter Nachbarn gab, ist auch dem Rathaus-Chef nicht verborgen geblieben. Für ihn steht aber der Zusammenhalt im Fokus, wie sich die Menschen damals gegenseitig geholfen haben. Und auch, wie sich der Ort entwickelt hat. So hätten sich Vereine in einem neuen gemeinsamen Vereinsheim zusammengetan. Fischerdorf hat sich erneuert, ist moderner und städtischer geworden. Rosalie Straßer bilanziert: "Vorher war das hier ein Dorf. Jetzt ist es ein Stadtteil." Und das kann man gut oder schlecht finden.


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Isabell Speidel, Dienstag, 29.Mai, 11:20 Uhr

3. Naturschützer behinderten den Dammbau

Von den Naturschützern hört man nichts mehr, die vorher jahrelang einen neuen Dammbau neben der Isar wegen dem Biber verhinderten. Dieses Jahrhunderthochwasser geht auf die Kappe der Naturschützer. Wenn man in der Region unterwegs ist, wird diese Meinung auch öffentlich kundgetan.
Schade, dass der BR diese Seite nicht beleuchtet und nur einzig allein auf einen Dauerregen aufbaut um wieder in den Chor der "Klimakatastrophe" einstimmen zu können.

Selim, Freitag, 25.Mai, 12:00 Uhr

2. Kein Mut vorhanden

Mutig wäre - und den Anforderungen des Klimawandels entsprechen würden folgende Maßnahmen:

- Entsprechend den versiegelten Flächen müssen Thermen zur Aufnahme des Regenwassers angelegt werden.
- Anstatt Stellplätzen für Autos muss pro Wohneinheit ein Baum (Strauch) gepflanzt werden, der essbare Früchte bringt.
- Vom Staat eingestellte Baumsachverständige müssen den bestehenden Baumbestand laufend kontrollieren - die Haftung für Schäden durch stürzende Bäume soll danach entfallen, weil Bäume zugunsten der Wohlfahrt aller Menschen hier sind (Autos nicht).

- Bauen in gefährdeten Bereichen verbieten: Ich war mal dort, im Mündungsbereich der Isar. Dort sah ich alte Häuser, deren Türrahmen aus Granit waren. Warum wohl?

KON, Freitag, 25.Mai, 08:56 Uhr

1. Jahrhunderthochwasser

Leider haben die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft aus dieser Klimakatastrophe nichts gelernt. Weiter wird auf Wirtschaftswachstum mit den ensprechenden Infrastrukturmaßnahmen (z.B.: sechs- bzw. achtspurgiger Ausbau von Autobahnen).gesetzt. Statt wirklich etwas gegen den Klimawandel zu tun, wird eine Menge Geld in die Hand genommen, um sich gegen die Folgen des Klimawandels zu schützen. Bald werden alle Orte an Bächen und Flüssen hinter hohen Schutz-Dämmen verschwunden sein. Denn auch diese Maßnahmen tragen zum Wirtschaftswachstum bei und steigern rechnerisch das Nettosozialprodukt..