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Älteste Glashütte Deutschlands 450 Jahre Glasmanufaktur von Poschinger

Im 20. Jahrhundert wurde die maschinelle Fertigung von Glas erfunden. Viele Glashütten im Bayerischen Wald, in denen Glas geblasen und von Hand hergestellt wurde, mussten zusperren. Zu den wenigen, die überlebt haben, gehört die älteste Glasmanufaktur Deutschlands: von Poschinger in Frauenau (Lkr. Regen). Sie feiert in diesem Jahr ihr 450-jähriges Bestehen.

Von: Renate Roßberger

Stand: 27.04.2018

Die Glasmanufaktur von Poschinger in Frauenau gibt es seit 450 Jahren. Der erste Poschinger, damals noch ohne Adelstitel und Pfleger des Landesherrn, übernahm 1568 eine Glashütte mit Waldbesitz. Vor 16 Jahren ist die Hütte aus dem weltweiten Preiskampf um das billigste Trinkglas und aus der Konkurrenz mit dem Ausland ausgestiegen. Trinkgläser werden heutzutage fast nur noch maschinell gefertigt, kaum mehr von Glasmachern. Poschinger lebt heute von Sonderanfertigungen: In der Musterkammer stehen einige davon, zum Beispiel ein grün-rosa-farbenes Weinglas, das einer Rose nachempfunden ist, der Spezialwunsch eines Privatkunden.

Glas aus Frauenau im Opernhaus Bayreuth

Benedikt von Poschinger

Geld spielt manchmal die geringste Rolle bei den Aufträgen, ob das zum Beispiel Tischbeine aus farbigem Glas sind, wie sie eine Firma für Inneneinrichtungen regelmäßig bestellt, oder Lampenentwürfe von Lichtdesignern oder das, was Museen oder der Denkmalschutz brauchen, zum Beispiel für das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth: "Im Foyer hängen alte Lampe, wie Glasglocken, die in ein Metallgestell eingelassen sind. Da waren etliche kaputt, die wir jetzt nachfertigen durften", erzählt Inhaber Benedikt von Poschinger.

Schwere Arbeit am 1.200 Grad heißen Ofen

Sechs Glasmacher haben in der imposanten Glashütte mit ihrem mächtigen dunklen Dachgebälk gut zu tun. Sie schwitzen bei der Arbeit am 1.200 Grad heißen Ofen. Immer wieder holen sie mit der Glasmacherpfeife, einem langen Metallstab, orangeglühendes flüssiges Glas heraus. "Das ist Schwerstarbeit. Die Jungs haben zum Teil bis zu 18 Kilo an der Pfeife", erzählt Betriebsleiter Josef Beer. Trotzdem lieben sie ihren Beruf, sagt Markus Krafuss. Der 22-Jährige hat sich für eine Lehre als Glasmacher entschieden, obwohl das auch im Bayerischen Wald, wo die Glasherstellung Tradition hat, kaum noch junge Leute tun:

"Man kann mit Glas alles machen: es ziehen, pressen. Es ist eine Herausforderung, die mich fasziniert. Den Beruf machen nicht viele, ich fühle mich speziell, wenn ich zu den Glasmachern dazugehöre."

Glasmacher Markus Krafuss

Glasherr in der 15. Generation

Benedikt von Poschinger hat in seinem Büro schwere alte Möbel stehen und Ölgemälde an den Wänden hängen. Der gelernte Forstwirt ist Glashüttenherr in der 15. Generation. Würde er sich überhaupt trauen, die Hütte zu schließen? "Es ist ein Kulturgut, das ich erhalten will. Aber es muss sich natürlich auch rechnen", sagt er. Die 2.400 Hektar Privatwaldbesitz der Familie hätten über schwierige Zeiten hinweggeholfen.

Der Ofen läuft immer

Der Wald lieferte aber auch den entscheidenden Rohstoff: die für die Glasherstellung so wichtige Pottasche. Außerdem schluckten die Glasöfen Unmengen Brennholz. Bis 1860 die Eisenbahn kam, die die Kohle als neuen Brennstoff hertransportierte. Heute heizt Benedikt von Poschinger mit Erdgas. Aber geblieben ist, dass man den großen Glasofen nie abstellen kann. Er läuft 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag:

"Man hat immer eine Temperatur deutlich über 1.000 Grad, die gehalten werden muss, weil es etwa 14 Tage dauert, den Ofen abzukühlen und genauso lange, ihn auch wieder auf Temperatur zu bringen. Man würde auch das Mauerwerk schädigen, wenn man ihn abstellen würde."

Inhaber Benedikt von Poschinger


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