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Fleisch-Label Tierwohl: Neues im Dschungel der Verbrauchersiegel

Schon wieder ein neues Verbrauchersiegel. Seit heute findet sich auf den Fleischprodukten des Discounters Lidl eine spezielle Haltungskennzeichnung. Derweil plädiert Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner für ein eigenes staatliches Tierlabel.

Von: Birgit Harprath, Mathias Flasskamp

Stand: 03.04.2018

Schwein im Stall | Bild: BR

Julia Klöckner, Bundeslandwirtschaftsministerin, hat sich noch einmal für ein staatliches Tierlabel stark gemacht. "Tiere sind nicht einfach abgepackte Ware, sondern ich nenn es Mitgeschöpfe. Sie sind keine Maschinen. Und damit respektvoll umzugehen bedarf es auch, dass der Verbraucher weiß, was er kauft und er selbst entscheidet mit seinem Geldschein am Ende auch mit, was dauerhaft Bestand hat". Das sagte die CDU-Politikerin im Interview mit der radioWelt auf Bayern 2.

Klöckner will mehrstufiges Label

Die Bundeslandwirtschaftsministerin will ein mehrstufiges Label durchsetzen. "Also auch Premiumklassen. Die werden dann auch mehr kosten. Es wird ja nicht so gehen, dass der Verbraucher auf der einen Seite sagt, ich will den höchsten Tierschutzstandard, aber dafür nichts bezahlen." Jeder müsse sich fragen, was Tierwohl wert ist. "Aber auf der anderen Seite müssen wir auch die Bürger und Verbraucher im Blick haben , die einen kleinen Geldbeutel haben. Fleisch muss auch für eine Familie, die ein ganz kleines oder mittleres Einkommen hat, auch erschwinglich sein, aber es darf nicht unter Mindeststandards fallen".

Verbraucher wollen gesetzliche Standards

Viele Verbraucher setzen laut Klöckner auf den Staat. "Wir werden für gesetzliche Standards, das heißt eine gesetzliche Grundlage sorgen, also welche Eckdaten gelten. Und dann brauchen wir natürlich klare Zertifizierungsstellen, die das dann überprüfen".

Discounter startet eigenes Siegel

Seit heute hat einer der größten Discounter Deutschlands ein neues Tierlabel eingeführt. Am so genannten Haltungskompass von Lidl sollen Verbraucher möglichst einfach erkennen können, wie ihr Fleisch produziert, sprich wie das Tier gehalten wurde.

Der Haltungskompass ist vierstufig. Stufe 1 bedeutet konventionelle Stallhaltung. Stufe 2: Stallhaltung Plus: Ewas mehr Platz und Beschäftigungsangebote. Bei Stufe 3  leben die Tiere auf Stroh statt auf Spaltenböden und  haben  Zugang zu einem Außenbereich.

Haltungskompass von Lidl

Die Premiumstufe 4 erfüllt die Biostandards. Für die Tiere bedeutet das: Etwa doppelt so viel Platz wie in Stufe 1 und gentechnikfreies Futter. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes begrüßt das neue Label: "Diese Initiative ist ein wichtiger Schritt, endlich mehr Transparenz für den Verbraucher am Fleischregal zu schaffen." Grundsätzlich plädieren die Tierschützer für weniger Fleischkonsum, stehen aber dem neuen Discounter-Siegel durchaus positiv gegenüber.

Ungenügend findet Schröder das geplante staatliche Tierwohl-Label: "Das schafft nicht die nötige Transparenz und Klarheit." Klöckner wäre gut beraten, allen Beteiligten im Markt zuzuhören, wie man ein staatliches Tierwohl-Label organisiere, so Schröder im Bayern2-Interview.

Siegel-Dschungel Deutschland

In Deutschland gibt es hunderte Verbraucher-Siegel. Wer im Internet unterwegs ist, kann Label und Siegel von Lebensmitteln auch auf der Internetseite der "Verbraucher-Initiative" unter label-online.de abfragen.


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