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Streit um Kundgebung "Ausgehetzt" eskaliert Münchner CSU und die Theater bekriegen sich

Vorhang auf für den nächsten Akt im Münchner Drama um die Flüchtlingsdemo "Ausgehetzt": Nun blieb der zweite Bürgermeister sogar der Vertragsverlängerung des Volkstheater-Intendanten fern. Sowohl Christian Stückl aus auch Kammerspiele-Intendant Matthias Lilienthal hatten zur Teilnahme an der Kundgebung aufgerufen, die sich auch gegen die Flüchtlingspolitik der CSU richtet.

Von: Petra Zimmermann

Stand: 18.07.2018

Pk von "Ausgehetzt" | Bild: BR / Tanja Gronde

Der Streit um die für kommenden Sonntag angesetzte Kundgebung "Ausgehetzt" eskaliert weiter: Die Münchner Stadtrats-CSU beharrt darauf, Kammerspielen und Volkstheater die Teilnahme an einer Demonstration gegen ihre Partei zu verbieten. Die Intendanten lässt dies bislang allerdings kalt. Im Gegenzug blieb der Zweite Bürgermeister Josef Schmid (CSU) nun der Vertragsverlängerung des Volkstheater-Intendanten Christian Stückl fern - und begründete dies schriftlich mit der Haltung Stückls.

CSU pocht auf politische Neutralität

Jeder könne als Privatperson seine Meinung frei äußern und dürfe an Demonstrationen teilnehmen - öffentliche Institutionen seien "allerdings aus gutem Grund dazu angehalten, sich politisch neutral zu verhalten, schrieb Schmid in einer SMS. Dieses Gebot der politischen Neutralität haben die Münchner Kammerspiele als Erstunterzeichner und das Münchner Volkstheater hinsichtlich der Demonstration gegen die CSU am kommenden Sonntag verletzt. Wie verhält sich die Landeshauptstadt München zukünftig, wenn zum Beispiel eine Werkleitung zu einer AfD-Demo gehen will? Kann die Stadt das in Zukunft dann noch untersagen?"

Kulturreferent bezieht sich auf kulturellen Auftrag

Aus der Kulturszene indessen gab es scharfe Kritik an der CSU-Forderung. "Position zu beziehen war und ist Teil unseres kulturellen Auftrags", sagte der Münchner Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD): "Wir werden uns all denen - auch Politikern - entgegenstellen, die sich in munterer Kaltblütigkeit, mit populistischer Stimmungsmache und voll eitler Selbstgerechtigkeit von demokratischen, kulturellen und moralischen Grundwerten unserer Gesellschaft verabschieden.".

Rückendeckung vom Residenztheater

Stückl und Lilienthal erhielten nun auch unverhofft Rückendeckung von kollegialer Seite: Auf Twitter erklärte das staatliche Residenztheater in München seine Solidarität mit den beiden Häusern. Es könne nicht sein, dass diesen nun dienstaufsichtsrechtliche Maßnahmen drohten, "weil sie eine Demonstration unterstützen, die die Werte unserer demokratischen Grundordnung stärken möchte". Die fragliche Demonstration richte sich "nicht pauschal gegen die CSU, sondern gegen eine verantwortungslose Politik der Spaltung". Kulturschaffende sollten sich ungestraft dazu verhalten dürfen.

Grüne sehen autoritätsfixierte Verhaltensmuster bei der CSU

Und auch die Grünen bezogen Position: Grünen-Fraktionschef Florian Roth rief die Münchner CSU dazu auf, ihren Feldzug gegen die freie Meinungsäußerung umgehend einzustellen und sich stattdessen um die Verrohung der Sprache in der eigenen Partei zu kümmern. Kulturschaffende könnten nicht einfach aus dem politischen Diskurs ausgegrenzt werden, weil ihr Gehalt aus dem städtischen Kulturetat kommt.

Gerade von Kunst und Kultur seien Einmischung in die Politik und politische Haltung zu erwarten. Wenn die Münchner CSU tatsächlich liberal sein wolle, müsse sie "auch Kritik aushalten können, ohne gleich in autoritätsfixierte Verhaltensmuster der Ära Strauß zurückzufallen".

Stückl: "Es ist unsere Pflicht, uns klar zu positionieren"

Auch Volkstheater-Intendant Christian Stückl verteidigte im Bayerischen Rundfunk seine Sicht der Dinge. Die Demonstration "Ausgehetzt"am Sonntag sei keine Veranstaltung gegen eine politische Partei, sondern eine "gegen die Verrohung der Sprache und gegen Hetze". Er glaube nicht, dass er politisch neutral sein müsse. Aber wenn es so sein sollte, "dann muss man mich rügen. Trotzdem stehe ich dahinter", so Stückl. An der Kundgebung nehme er als Privatperson teil.

Theater hätten sich zu allen Zeiten klar zu ihren Positionen bekannt, so Stückl. "Es ist unsere Pflicht, uns klar zu positionieren. Gegen Geschichten aufzustehen, die uns nicht gefallen. Und das müssen wir auch laut tun und dazu den Mut haben."

Theater bleiben bei der Teilnahme an "Ausgehetzt"

Kammerspiele und Volkstheater wollen an ihren Demonstrationsplänen festhalten. "Ich habe das Gefühl, dass die CSU anfängt, einen rechtsnationalen Kurs zu fahren", sagte Kammerspiel-Chef Lilienthal, der auf Betreiben der CSU-Fraktion seinen Posten 2020 räumen muss. "Ich habe die Nase voll. Bei mir ist der Geduldsfaden gerissen, als Seehofer sich über die Abschiebung von 69 Flüchtlingen an seinem Geburtstag gefreut hat."


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Realistin1, Montag, 23.Juli, 18:11 Uhr

13. Respekt und Anstand in diesem Land würde vielen gut tun.......

Gott sei Dank, bleibt die Mehrheit der Deutschen solchen selbst Inszenierten Spektakeln fern. Wir haben soviel Bürger in unserem Land und diese Linken oder Rechten Minderheiten machen jede Woche Stimmung. Es sind immer die selben, mit immer den gleichen Thema, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit usw. und es bei jeder sich bietenden Gelegenheit ausschlachten.
Wir leben in einem Land das Frieden hat, wie in ganz wenigen Ländern auf dieser Erde, und das bei 82,6 Millionen Menschen. Was bei so vielen Menschen natürlich auch Verbrechen und Gewalt hervor bringt, die Täter aber leider nicht gleich behandelt werden, was nicht richtig ist!.
Wenn man bedenkt wie bei uns das eigene Volk abwertet wird, indem man konstant nach Fachkräften aus dem Ausland sucht, Flüchtlinge als Geschenke, als die neuen Deutschen sieht, so etwas darf man nicht tun. Deutschland kann sich diese Zuwanderung nur leisten, weil die Menschen hier die Möglichkeiten dafür geschaffen haben. Mir fehlt der Respekt dafür...

  • Antwort von Sandman, Dienstag, 24.Juli, 14:48 Uhr

    @ Realistin1: Glauben Sie allen Ernstes, man betreibt Fachkräftesuche im Ausland, weil man "das eigene Volk abwerten" will? Warum wollte man das tun?
    Glauben Sie nicht, dass die Wirtschaft sich liebend gerne das Geld und die Zeit für aufwändige Anwerbung, Relocation, Sprachkurse und Aus-/Weiterbildung sparen würde, wenn es die Chance gäbe, einheimische Fachkräfte einzustellen oder auszubilden?

    Andere Frage: Welche Demonstration/Kundgebung/Versammlung/Petition ist aus Ihrer Sicht überhaupt legitim? Ich wüsste keine Veranstaltung in der Geschichte unsres Landes, zu der nicht die Mehrheit ferngeblieben wäre. Davon ausgenommen Wahlen, aber auch das nicht immer.

Sonja Rauscher, Montag, 23.Juli, 11:53 Uhr

12. Machtpolitisches Verhalten der CSU Oberen

Die leitenden Köpfe der CSU sind aus langj. Erfahrung heraus von ihrem Wahlvolk verwöhnt. Die unternehmensfreundliche Poltik Stoibers trug zu einer florierenden Wirtschaft bei. Ohne begleitende Sozialpolitik, blieben und bleiben aber viele Bürger, die aus den verschiedensten Gründen nicht mithalten können, gesellschaftlich zurück. Vernünftige humanitäre Politik, die versucht, alle Bürger im schnellen Takt des digitalen Fortschritts mitzunehmen, wird erst gar nicht angestrebt. Auch in Not geratene Flüchtlinge sitzen Jahre auf Kosten der Steuerzahler ohne Beschäftigung "rum", ansatt sie in Arbeit zu bringen. Stattdessen
spaltet die CSU mit markigen, vereinfachenden Sprüchen die Gesellschaft und schürt bewusst die Ängste vieler Bürger, die ihre Welt gerne wieder einfach und nicht global hätten (Teilt mir doch ein Nachbar allen Ernstes mit, dass er nichts gegen die Abschottung Bayerns vom übrigen Deutschland hätte.)

Wolfgang Lamprecht, Montag, 23.Juli, 11:30 Uhr

11. Verletzend

Ich als langjähriges CSU Mitglied fühle mich durch die Demonstranten und damit auch von den beiden Theatern verletzt. Wer an Kundgebungen auf denen Plakate wie Hurensöhne CSU, Fuck CSU... um nur einige beleidigende Plakate zu nennen, mitmacht, macht sich auch mitverantwortlich an dieser diskriminierenden Veranstaltung. Seit Jahrzehnten hat die CSU Politik für Bayern und die Bürger gemacht und wird nun in den Schmutz gezogen. Ich bin Teil dieser Partei und lass mich nicht als undemokratisch bezeichnen. Die Theaterleute und die beteiligten Personen sollten sich überlegen, welchen Spaltpilz sie in die Gesellschaft tragen. Die seit Jahrzehnten in Kommune, Land und Bund tätigen CSU-Mitglieder werden damit in eine nicht zu akezptierende Ecke gestellt. Was wäre wohl, wenn es umgekehrt wäre?

  • Antwort von ausgehetzt, Montag, 23.Juli, 11:39 Uhr

    Was sagen Sie dann zu dem Wortgebrauch und der momentanen menschenverachtenden
    CSU Politik ? Kein einziges Wort !
    Sie suchen sich Schilder bei der Demo, um zu kritisieren.
    Die Demo war überfällig.

  • Antwort von Wolfgang Lamprecht, Montag, 23.Juli, 13:11 Uhr

    Das, was auf den Schildern zu lesen war, war einzig und allein eine Verunglimpfung einer Partei. Der Zweck war durchschaubar. nämlich Wahlkampf gegen die CSU zu machen. Als Deckmantel wurde der Kampf gegen Rechts gewählt. Die Wortwahl in der Flüchtlingsdiskussion rechtfertigt in keiner Weise beleidigende Plakate gegen 180.000 CSU Mitglieder.

  • Antwort von ausgehetzt, Montag, 23.Juli, 13:30 Uhr

    Einen Deckmantel gegen rechts ?
    Wer heute noch einen Deckmantel gegen Rechts vorschiebt, hat den Ernst der Lage
    nicht begriffen. Wahlkampf gegen die CSU ? Ja ! Wenn man diese Partei an seine
    christlichen und sozialen Werte erinnern muss, die sie mit Füßen tritt.
    Sie haben sich noch immer nicht zu der momentanen CSU Politik geäussert.
    Haben wir doch die Richtigen angesprochen ?!
    Dann freut es mich.

  • Antwort von Realistin1, Mittwoch, 25.Juli, 08:28 Uhr

    @ ausgehetzt:
    An der aufgeheizten Stimmung bei uns im Land, haben auch viel dieser ständigen Demos Schuld die meinen einem ganzen Land ihre Meinung überstülpen zu wollen.
    Ihr demonstriert für Frieden, den ihr ständig in Gefahr bringt. Eigene Meinungen wollt ihr doch gar nicht hören und dann wird von euch vorgesagt wie es zu gehen hat...!!
    Das hatten wir alles schon mal, bei den Grünen in den achtziger Jahren...….!

  • Antwort von ausgehetzt, Mittwoch, 25.Juli, 11:43 Uhr

    @ Realistin
    Die Demos sind die Antwort auf die Stimmung im Land.
    In diesem Fall auf die Politik der CSU.
    Wenn Sie das Pferd von hinten aufzäumen, ja dann...

Bernhard, Montag, 23.Juli, 07:27 Uhr

10. CSU pocht auf politische Neutralität

Die dre,i inzwischen vier, CSU Oberen:
Seehofer, Söder, Dobrindt und nun auch Herr Blume werden Herrn Erdogan immer ähnlicher.

Susann, Sonntag, 22.Juli, 23:09 Uhr

9. #ausgehetzt

Zum Glück mischen sich heute alle ein,die sich betroffen fühlen.Zum Glück ist der Bürger heute informiert und selbstbewusst genug,um Wolfgang Borchert zu befolgen:Steh auf und sag NEIN!
Das eklige an der Seehofer-Aktion war die Art und Weise.Soviel Häme auf Kosten Schwächerer,soviel Schadenfreude u.a, der Kanzlerin gegenüber,soviel Zynismus und vorallem genüssliche Eigeninszenieruung und Koketterie auf dem Rücken von Menschen.Für mich war das menschenverachtend.
Steh auf und sag NEIN!
Wenn ich in Bayern leben würde hätte ich mit demonstriert.

  • Antwort von Hannah, Montag, 23.Juli, 18:28 Uhr

    Es ist schön dass wir nicht alle "ewigen Demonstranten" bei uns in Bayern haben.
    Innen Minister Seehofer ist in Ordnung, er hat das gesagt was in dieser Flüchtlingssache mal gesagt werden musste. Jeder sieht das anders und das ist gut so. Steh auf und sag Nein, ich würde zu den Demos Nein sagen und zu Seehofer Ja. Denn ich habe ein Ziel, eine Richtung und sehe die Dinge so wie sie sind und nicht so wie ich sie gerne hätte.....was leider viele "Weltretter" nicht sehen, vor lauter Hei dei dei und ihrer bunten Welt.
    Also Susann nicht so voreilig bei (Ab) Wertungen, oft kommt es anders als man denkt...