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Der Landgang der "MS Utting" Ein Schiff zieht auf eine Eisenbahnbrücke

Sie ist 37 Meter lang, 7,5 Meter breit und 144 Tonnen schwer: die "MS Utting", ein ausgemustertes Ausflugsschiff vom Ammersee. Nun wird sie in einer spektakulären Aktion nach München transportiert und soll dort zu einem Kulturtreffpunkt werden - auf einer stillgelegten Eisenbahnbrücke.

Von: Christine Gaupp

Stand: 22.02.2017

Ein Schiff geht an Land - Letzte Fahrt der MS Utting | Bild: BR/Christine Gaupp

In Stegen ist das Oberdeck von dem 120 Tonnen schweren und 37 Meter langen Dampfer abgetrennt worden - mit einem horizontalen Schnitt quer durch das Boot. Dann wurde das Oberdeck mit zwei großen Autokränen auf einen Schwerlaster gehoben:

Dies musste laut Initiator Daniel Hahn, der das Schiff vor dem Verschrotten gerettet hat, sehr vorsichtig geschehen, damit sich das Oberdeck nicht verzieht. Anschließend halfen sieben ehrenamtliche Taucher von der Wasserwacht Buch am Ammersee, Hebegurte am Rumpf des Schiffes anzubringen. Sie haben sich dafür extra einen Tag Urlaub genommen. Wind und Regen beinträchtigten die Arbeiten. Aber die vielen Freiwilligen ließen sich davon nicht abschrecken. Der Rumpf wurde dann auf einen zweiten Schwertransporter gehievt.

Lange, umständliche Reise auf die Eisenbahnbrücke

Oberdeck und Rumpf lagen am Nachmittag dann jeweils auf einem fast 40 Meter langen Tieflader (24 Achsen). Dann ging es an den Abbau der großen Kräne, die für den Aufbau des Schiffes auf dem "Trockendock" in München gebraucht werden.

Münchner Candid-Tunnel wird gegen ein Uhr nachts komplett gesperrt

Am Dienstagabend hat sich der Schwertransport auf den Weg gemacht - vom Ammersee, über die A96- A99 - A995 - B2R - Schäftlarnstraße - Lagerhausstraße. Eskortiert wird der Schwertransport von bis zu acht Polizeiautos. Gegen Mitternacht soll die Stadtgrenze erreicht werden, nach einem Check der Münchner Polizei wird der Candid-Tunnel dann gegen 1 Uhr total gesperrt - gegen 1.30 Uhr die Brudermühlbrücke. Dort muss auch eine Ampel ausgegraben werden.

Wie in dieser Fotomontage schaut's bald aus, wenn die MS Utting ihren letzten Liegeplatz erreicht hat - auf einer stillgelegten Eisenbahnbrücke

Knifflig wird dann das Einbiegen in die Schäftlarnstraße. Dafür wird der Schwerlasttransporter zunächst auf die gesamte Brücke gefahren, dann wird die Zugmaschine von vorne ans Ende versetzt und kann so um die Kurve biegen. Gegen 3 Uhr soll der Transport die Lagerhausstraße erreichen. Am Mittwoch früh dann soll ab etwa 7 Uhr der 68 Jahre alte Dampfer auf die sogenannte Lagerhausbrücke gehoben werden - eine seit vielen Jahren stillgelegte, einspurige Eisenbahnbrücke neben der Großmarkthalle.

Cafe mit Literatur-Lesungen

Die Initiatoren wollen dann ab Sommer dort wie auf einem Ausflugsdampfer Kaffee auf dem Oberdeck servieren. Von dort hat aus man einen Blick über Sendling und darüber hinaus. Auch Kulturveranstaltungen wie Lesungen sollen abgehalten werden.

Anderswo werden ausgemusterte Schiffe verschrottet


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Wolfgang Neubauer, Mittwoch, 22.Februar 2017, 19:30 Uhr

5. Schiff Utting/Sendling

Ich persönlich finde die Idee gut, aber man kann halt nicht jeden alles recht machen.
Gruß an Bayern1

Angi, Mittwoch, 22.Februar 2017, 18:49 Uhr

4. Schiff

Eine super Idee und das nächste Schiff dann bitte an die Isar. Ich finde das toll, bin 62 Jahre alt und keine von den ewig gestrigen die an allem nur rummeckern.

Heinz, Mittwoch, 22.Februar 2017, 18:40 Uhr

3.

Super Idee. Mal,was anderes. Ich wünsche den Betreibern viel Erfolg. Warum eigentlich nicht auch mal ein Schiff in der Isar an die Leine legen, und für Veranstaltungen und Treffpunkt für alle Altersklassen nutzen.

Jörg Zenker, Dienstag, 21.Februar 2017, 20:55 Uhr

2. Schlachthof

Super Idee,
Noch mehr Schrott zum Schlachthof, leider bemüht man sich immer mehr das Viertel zu einem Ghetto verkommen zu lassen, lieber wäre es mir, man würde es endlich zu einem Erholungs-oder- Grün-Viertel gestalten.
Benennen wir es einfach Kultur, schon gibts eine Genehmigung für solchen " Müll".

Benny, Dienstag, 21.Februar 2017, 17:11 Uhr

1. Was soll der Unsinn?

Es wäre sinnvoller, stillgelegte Eisenbahnstrecken wieder zu aktivieren. Denn statt einem Schiff auf einer Brücke braucht München ganz dringend einen massiven Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, um die Stadt vor dem totalen Verkehrsinfarkt zu bewahren.

  • Antwort von Simon, Mittwoch, 22.Februar, 02:44 Uhr

    Mit ein Argument bezüglich dem Ausbau des ÖPNV hier bei diesem Thema zu kommen finde ich irgendwie unsinnig. Für diese Brücke kann ich mir beim besten Willen keinen Nutzen für den ÖPNV vorstellen. Die U3 deckt die Anbindung Richtung Süden ganz gut ab in diesem Bereich, ausserdem ist die Brücke an einen Rangierbahnhof angeschlossen und mündet in ein Werksgelände, hinter dem ein Wohngebiet kommt, wie soll man das sinnvoll anschliessen?

    Ich find die Idee lustig, und im Weg stehts da ja auch nicht.... Bin gespannt, was daraus wird.

  • Antwort von Harald, Mittwoch, 22.Februar, 07:59 Uhr

    Naja, immerhin bleibt die Brücke dadurch einige Jahre länger erhalten und kann zu einem späteren Zeitpunkt reaktiviert werden. Zumindest wird so vermieden, dass die Brücke "entsorgt" wird.
    Das Schiff kann dann anderweitig untergebracht werden.