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Beratungen in Nürnberg Zentrum für Russlanddeutsche in Nürnberg wird konkreter

In Nürnberg soll ein Kulturzentrum für Russlanddeutsche entstehen. Das hat das Kabinett im Juli beschlossen – aber wie soll es aussehen? Darüber haben heute Experten in der Frankenmetropole beraten. Hier leben viele Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion.

Stand: 20.07.2018

Blick über den Stadtteil Langwasser in Nürnberg  | Bild: picture-alliance/dpa

Das Kulturzentrum für Deutschen aus Russland war heute Thema eines Treffens von Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) mit Russlanddeutsche im "Haus der Heimat" in Nürnberg. In einer nicht öffentlichen Gesprächsrunde haben Vertreter der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LmDR), auch aus Jugendorganisationen und Bürgerinnen und Bürger mit russlanddeutschen Wurzeln, ihre Anliegen der Ministerin vortragen können. Sie habe dabei viele Anregungen erhalten, die noch einmal überdacht werden müssten, sagte Ministerin Kerstin Schreyer im Anschluss an die Veranstaltung. 

"Mir ist wichtig, dass wir die vielen Anliegen jetzt gut prüfen und schauen: Wie können wir ein Konzept hinkriegen, dass möglichst viele Anliegen aufgreift?" Kerstin Schreyer (CSU), Bayerische Sozialministerin

Anlauf- und Begegnungsstätte für Russlanddeutsche

Das Bayerische Kabinett hatte die Gründung eines Kulturzentrums für Deutsche aus Russland am 3. Juli beschlossen. Dieses solle in Nürnberg entstehen. Deutsche aus Russland seien ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft, sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach der Kabinettssitzung Anfang Juli. Das Zentrum werde eine Anlauf- und Begegnungsstätte, die es bislang so nicht gab.

Im Vorfeld des Treffens hatte die Nürnberger Stadtratsfraktion der SPD betont, dass ein neues Kulturzentrum nicht in Konkurrenz zu bereits bestehenden Institutionen für Russlanddeutsche oder Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion gehen dürfe. Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer sprach in diesem Zusammenhang von einem zusätzlichen Angebot: "Wir werden Kooperationen bilden", so die Ministerin.

SPD: Integration in Deutschland wichtig

Wo dieses Zentrum stehen soll, ist bislang noch nicht bekannt. Das bayerische Sozialministerium bestägte aber, dass man aktuell auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück sei. Die Nürnberger Stadtratsfraktion der SPD hatte die Gründung einer solchen Einrichtung.

"Die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Deutschen aus Russland, deren Wanderungsprozessen, deren Identität und deren erfolgreichen Integration in Deutschland sind wichtig."
Erklärung der SPD Nürnberg

Austausch gewährleisten

Die meisten Teilnehmer zeigten sich erfreut über die Pläne, ein Kulturzentrum für Deutsche aus Russland einzurichten. Natalie Keller, Russlanddeutsche und Mitglied der Neuen Deutschen Medienmacher, hält eine solche Einrichtung, die von Russlanddeutschen selbst betrieben wird, für wichtig. Sie hält es für sinnvoll, dass Russlanddeutsche durch ein solches Zentrum sichtbar werden. Genauso wichtig sei es aber, dass man nicht als Gruppe unter sich bleibe, sondern auch in Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern komme: "Mir geht es darum, diesen Austausch zu gewährleisten", sagte die Nürnbergerin im Anschluss an die Diskussionsrunde.

Deutsche Kolonien - Terrorherrschaft - Perestroika

Als Russlanddeutsche oder Deutsche aus Russland bezeichnet man die Nachfahren deutscher Auswanderer, die sich im 18. und 19. Jahrhundert in Russland angesiedelt haben. Jahrhundertelang lebten sie etwa in der Ukraine oder im Wolgagebiet in deutschen Kolonien. Im 20. Jahrhundert haben die in Russland lebenden Deutschen unter der Terrorherrschaft Joseph Stalins und den Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges gelitten. In den 1990er Jahren durften sie im Zuge der Perestroika Deutschland einreisen. Da sie gleich die deutsche Staatsbürgerschaft erhielten, ist schwer zu ermitteln, wie viele Menschen hierzulande russlanddeutsche Wurzeln haben. Die Bundeszentrale für politische Bildung geht davon aus, dass in der Bundesrepublik 2,3 Millionen Deutsche aus Russland leben.


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