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Kreuz-Erlass Nürnberger Pater bläst zum Angriff auf die CSU

Der Nürnberger Jesuitenpater Jörg Alt hat heute mit zahlreichen Unterstützern einen offenen Brief an die CSU veröffentlicht. Er wendet sich gegen die Kreuzpflicht in Ämtern und Behörden.

Von: Ulrike Lefherz

Stand: 28.05.2018

Jörg Alt | Bild: Jörg Alt

Der Brief richtet sich ausdrücklich auch an die Wählerinnen und Wähler in Bayern, und darf daher als Beitrag zum Wahlkampf verstanden werden. Nach Angaben der Jesuitenmission haben die Thesen des offenen Briefes bereits über 100 prominente Personen und zumeist kirchliche Organisationen unterzeichnet, die Zahl der Unterzeichner steige täglich.

Kruzifix-Pflicht sorgt für Diskussion

Anlass für die Wortmeldung ist der Erlass des Bayerischen Ministerpräsidenten, im Eingangsbereich staatlicher Gebäude ab dem 1. Juni Kreuze aufhängen. Die Kreuze sollen Ausdruck geschichtlicher und kultureller Prägung Bayern sein, heißt es dort. Außerdem versteht die CSU öffentlich aufgehängte Kreuze als Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern.

Unterstützung von kirchlichen Amtsträgern

Wie vor diesem Hintergrund die bayerische Politik zu bewerten sei, fragt sich Pater Jörg Alt. Die Initiatoren um Pater Alt wollen in dem offenen Brief darlegen, wie sie christliche und soziale Politik verstehen. Unterstützt wird Alt von der Tochter des früheren Bundespräsidenten, Beatrice von Weizsäcker, die im Präsidium des evangelischen Kirchentags sitzt, sowie dem katholischen Hochschulseelsorger aus Würzburg, Burkhard Hose.

"Der Brief soll Kennzeichen christlicher und sozialer Politik erläutern und er gibt sieben beispielhafte Politikfelder und –beispiele, wo gegen diese Prinzipien verstoßen wird, bzw. wo erheblicher Nachbesserungsbedarf oder die Möglichkeit zur Nachbesserung besteht."

Jörg Alt, Jesuitenpater

In dem Brief lehnen die Unterzeichner "eine verkürzende Symbolpolitik" ab und fordern Politik "im Namen gesellschaftlicher Solidarität und sozialen Zusammenhalts". Einer Partei mit dem C im Namen dürfe es nicht egal sein, wenn Arme ärmer und Reiche reicher würden, erklärte die Juristin und Publizistin von Weizsäcker. Die unveräußerliche Menschenwürde gelte nicht nur für Deutsche, Gesunde, Reiche, Starke und Deutsche. Es widerspreche der Menschenwürde, in Krisengebiete abzuschieben und Flüchtlingen zu verwehren, ihre Familien nachzuholen.

Der Sozialwissenschaftler Jörg Alt hat viel Erfahrung mit politischen Kampagnen. Er initiierte Mitte der 90er-Jahre die Kampagne für ein Verbot von Landminen und brachte mit der Kampagne "Steuer gegen Armut" die Finanztransaktionssteuer international ins Gespräch.


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Paula Baronin v. Füstenberg, Montag, 11.Juni, 11:39 Uhr

45. KREUZE in staatlichen Gebäuden

Da ich bereits 81 Jahre alt bin und die Hitler-Zeit nur noch als kleines Kind mit erlebt habe, erinnere ich mich daran, dass "der Führer" damals schon einmal VERBOTEN HATTE, Kreuze in Schulen und staatlichen Gebäuden auf zu hängen.
Wer heute aber glaubt, das dieses Verbot auch heute noch eingehalten werden MUSS, der sollte sich schämen! Ich war glücklich zu hören d.Kreuze wieder erlaubt sind. Ministerpräsident endlich dieses Verbot wieder aufgehoben hat und sogar angeordnet hat, wieder Kreuze aufzuhängen. Wer sich durch ein Kreuz "angegriffen" fühlt, der weis nicht, dass hier in Deutschland immer noch "Religions-Freiheit" besteht. - Nicht mal die Worte seiner Excelenz Bischof Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, scheint es vergessen zu haben, dass d. Kreuz Jesu uns daran erinnert, dass wir uns immer und überall an Gott "festhalten dürfen und können. Obwohl Staat und Religion bei und getrennt sind, sollte dies nur auf dem Papier gelten; Es gibt die 10 Gebote Gottes!

  • Antwort von Ha-Jo Göhler, Dienstag, 26.Juni, 11:18 Uhr

    Wenn sich die Unchristlich Asoziale Union an diese 10 Gebote halten würde, wäre schon vielen geholfen. Dieser Kruzifix-Erlass ist reiner Populismus von Herrn S. aus N. da sonst nichts vorzuweisen hat, außer dass er erste Schritte, Bayern zum Polizeistaat zu machen eingeleitet hat.

    Rckhtig, wir haben Religionsfreiheit, deshalb ist der Erlass zumindest zweifelhaft, da er die Grenze der Trennung von Staat und Kirche verwischt.

    Besser wäre wohl, wie Volker Pispers ganz richtig sagt: "Wir haben Religionsfreiheit, mir wäre esa lieber, wenn wir frei von Relogionen wären."

Hannah, Mittwoch, 30.Mai, 09:19 Uhr

44.

SEHR AUFSCHLUSSREICH, DANKE!

kastner Manfred, Dienstag, 29.Mai, 17:30 Uhr

43. Kreuzerlass

Hallo mein lieber Herr Pater, in meinem Hotel verkehren sehr viele Nationalitäten. In Jedem Zimmer ist ein kleines Holzkreuz, nachdem diese immer wieder aus de Zimmern verschwanden habe ich welche angeschraubt. Die Löcher in der Wand zeigen von Gewalt.

Bisher war ich auch der Meinung, dass es gut ist die Bibel ins Zimmer zu legen. Nach Ihren Ausführungen komme ich zu einer anderen Überzeugung.
Jetzt meine ich sagar, wenn das Verfassungsrechtlich abgelehnt wird, dann sollten auch die Betriebe Kreuze entfernen, die Wegekreuze usw. um den oberen der Kirche zu entsprechen.

Also Bibel raus Teppiche raus wir bleiben neutral!!! Kein Vater Unser bei Hauseinweihung, Nichts von meiner Lohnsteuer an Vertreter der Kirche. Glocken nur noch in Klöstern, Wallfahrten sind Demos

Für Kirchenleute, die sich zur Politik äußern, Zensur!!

Manfred Kastner

  • Antwort von Karl, Mittwoch, 30.Mai, 00:30 Uhr

    Herr Kastner, kleiner tipp: nun lassen sie mal die kirche im dor fund denken mal ganz gründlich neu nach. okay? ;-)

  • Antwort von Jörg Alt, Mittwoch, 30.Mai, 14:39 Uhr

    Lieber Herr Kastner,

    ein Hotel ist keine Behörde. Selbstverständlich können dort Kreuze hängen und Bibeln ausliegen. Der Kunde hat ja die Wahl, ob er bei Nichtgefallen das Hotel wechselt. Das ist anders bei Behörden, wo es keine Alternative zum Dienstweg gibt.

    Mit freudlichem Gruß, JA

Manuel Grosch, Dienstag, 29.Mai, 15:48 Uhr

42. Kreuz-Erlass

Markus Söders Kreuzaktion war und bleibt eine billige, anbiedernde, abgehobene Wahlkampffinte nach dem Motto "wir gegen die anderen". In seiner einleitenden Erklärung wollte er das Kreuz ja ausdrücklich nicht als religiöses Symbol, sondern als Symbol BAIERISCHEN Brauchtums verstanden wissen. (Christus hat m. W. nicht Weißwurst und Bier in seinen Leib und sein Blut gewandelt um sie dann am Kreuz zu opfern)
Als dem religionsfernen MP führende Theologen nicht folgen wollten, ist er auch schon zurückgerudert, während er noch zeitgleich seinen Generalsekretär Markus Blume Kardinal Reinhard Marx als kirchenfern verunglimpfen ließ.
Ein echter Fehlstart eines nicht katholischen, unbaierischen, fränkischen Volkstribuns. Seinen völlig überflüssigen und lächerlichen Kreuzzug hat der Ministerpräsident ja wohl mittlerweile eingestellt.

Am eigentlichen Ziel, die scheinbare "Gottlosigkeit" der "linken", "kirchenfernen" Nicht-CSU-Wähler zum Skandal aufzublasen, ist er kläglich gescheitert.

Hans-Dieter, Dienstag, 29.Mai, 14:54 Uhr

41. Kreuzpflicht

Die Unterzeichner des offenen Briefes unterstellen Herrn Söder mit der Kreuzpflicht Wählerstimmen einzuwerben. Ein großer Irrtum, wird doch eher das Gegenteil der Fall sein. Warum lehnen die Unterzeichner des Briefes nicht die Abschaffung der christliche Feiertage wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten … ab, insbesondere die Abschaffung der beiden zusätzlichen christlichen katholischen Feiertage in Bayern? Verquickung Kirche und Staat? Unglaublich, was da abgeht, zumal die Unterzeichner mit dem Verfasser zu 90% aus der katholischen Ecke kommen. Wird hier Politik gemacht? Ich glaube es gibt wichtigeres zu sagen, zu diskutieren, anzupacken als eine Kreuzpflicht im Eingangsbereich von öffentlichen Ämtern und Gebäuden anzuprangern. Herr Markus Söder hat meine Unterstützung und er ist mein Kandidat!!