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Mangel wirkt sich auf gesamte Wirtschaft aus Lkw-Fahrer verzweifelt gesucht - immer mehr Lastwagen stehen still

"Wir kriegen einfach keine Fahrer mehr", sagt Sebastian Lechner, Präsidiumsmitglied des Bundesverbands der Speditionsunternehmen. Grund: kleine Löhne, Zeitdruck, Ärger an den Entladerampen. Wegen des Fahrermangels stehen rund 20 Prozent der Lkw still.

Von: Josef Lindner

Stand: 14.06.2018

Lkw-Fahrer Uwe Schreck | Bild: BR-Studio Mainfranken/Josef Lindner

Kaum einer in Deutschland will heute noch Berufskraftfahrer werden. Rund 2.000 Frauen und Männer schlossen im letzten Jahr ihre Ausbildung ab. Gleichzeitig gingen 30.000 Fahrinnen und Fahrer in Rente. Der Arbeitsmarkt ist leergefegt. Das spürt auch der Spediteur Rainer Michael. Er ist Geschäftsführer einer Spedition aus Dettelbach (Lkr. Kitzingen).

"Das bedeutet einen wahnsinnigen Engpass auf dem Markt. Die Kunden werden vertröstet. Wir schieben Aufträge vor uns her. Und müssen dem Kunden mehr oder weniger mitteilen, wann wir kommen, wann wir Aufträge übernehmen."

 Spediteur Rainer Michel

Uwe Schreck ist Lkw-Fahrer seit fast 30 Jahren. Der 51-Jährige liebt die Freiheit. Auf dem Truck ist er sein eigener Herr. Allerdings merkt er auch die Schattenseiten seiner Arbeit.

"Stress auf der Straße. Der komplette Auslandsverkehr hat schon massiv zugenommen. Wenn ich da zurückdenke an die Anfangszeiten, war man schon alleine auf der Straße in Gänsefüßchen."

Lkw-Fahrer Uwe Schreck

Ein Lkw wird beladen

Der Lkw-Fahrermangel ist auch auf den Baustellen zu spüren. Immer wieder kommt es vor, dass Speditionen aus Personalmangel den Termin nicht einhalten können. Wenn das Material auf den Baustellen knapp wird, dauern die Baustellen etwas länger. Allerdings trifft das Problem nicht nur die Baubranche, sondern die gesamte Wirtschaft.  Bis zu 20 Prozent der Lkw stehen in Speditionen, weil die Fahrer fehlen - bilanziert Sebastian Lechner vom Bundesverband der Speditionsunternehmen.

"Und wir alle kommen hier in eine Schieflage, in eine Zwickmühle. Weil die Kunden sitzen auf dem Trockenen, zum Teil, weil sie nicht mehr bedient werden. Und unsere Unternehmen kommen in Gewissensnöte, weil sie nur noch einen Teil der Kunden bedienen können."

Sebastian Lechner vom Bundesverband der Speditionsunternehmen

Spediteur Rainer Michel versucht möglichst viele Aufträge durch geschickte Disposition abzuarbeiten. Über soziale Medien spricht er junge Menschen an, will sie so für die Ausbildung als Berufskraftfahrer begeistern. Die unterfränkische Spedition sucht weltweit nach Fahrern. 

"Wir versuchen übers Ausland Fahrer zu rekrutieren. Haben Personal eingestellt, was sich um die Rekrutierung von Personal aus dem Ausland kümmert. Ja wir können sagen, ein Großteil unserer Aufgabe ist es nicht mehr den Kunden zu rekrutieren, sondern das Personal zu rekrutieren."

Spediteur Rainer Michel

Lkw-Fahrer wie Uwe Schreck können von dem Mangel profitieren. Auf den Rastplätzen werden mehrere Tausend Euro Prämien bezahlt, wenn Fahrer den Arbeitsplatz wechseln. Jeder zweite Lkw-Fahrer ist über 55 Jahre alt. Deshalb suchen die Spediteure händeringend Nachwuchs.


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Greite, Sonntag, 17.Juni, 09:20 Uhr

13. Arbeiten unter den HARZ4 satz

Ich betreibe mal etwas Aufklärung :Im Nahverkehr und zum Teil im Fernverkehr (jogy) zu 90 % üblich: dreimal die Woche 15 Stunden Schicht zweimal die Woche 13 Stunden Schicht. Das ergibt 14,4 Stunden täglich im Schnitt und auf 22 Arbeitstage im Monat hochgerechnet ergibt das sage und schreibe 316 Stunden! Diese 316 Stunden im Monat wird fast jeder LKW-Fahrer im Fernverkehr Nahverkehr immer mit Arbeit verbringen, auch wenn er natürlich auf Pause stellen !muss! was ja von den meisten Arbeitgebern im Fernverkehr verlangt wird.

Michael von Medwedeff, Samstag, 16.Juni, 22:56 Uhr

12. Lkw Fahrer fehlen

Planung richtiger Touren um Zeitdruck abzubauen, richtiges denken bei der Tour Planung. Den Fahrer als Mensch behandeln, egal wo.... Am wichtigsten als Mensch behandeln und entsprechend bezahlen für das was gemacht wird. Denn wenn mal eine Woche kein Lkw fährt, was dann. Diese Menschen sind das bindeglied zwischen Hersteller und Endverbraucher..... Einfach mal nachdenken, gutes Geld ergibt gute Mitarbeiter

Teletrucker, Samstag, 16.Juni, 22:45 Uhr

11.

Ja liebe Spediteure, wundert es euch? Jahrzehntelang habt ihr immer an den Fahrern gespart, immer mehr an der Schraube gedreht! Und jetzt? Heulen und Zähneklappern, zahlt andtändig, verlangt deckende Frachtraten und bringt euren Kunden bei: Geiz ist nicht geil! Dann können alle überleben. Aber von den zuletzt gezahlten Löhnen kann kein junger Fahrer leben.

Frank, Samstag, 16.Juni, 19:19 Uhr

10. Bericht

dann sollten die Speditionen mal einen richtigen Lohn bezahlen, dann gibt es auch wieder Fahrer ;-)

Uwe Fortnagel, Samstag, 16.Juni, 14:42 Uhr

9. LKW Fahrer

War selber im inern. Fernverkehr mit Chemietanker unterwegs. Aus gesundheitlichen Gründen durfte ich den Job nicht mehr ausüben, schade.
Es gibt da sicher viele Ansatzpunkte die es unattraktiv macht den BKF zu machen. Dazu gehören sicher Termin u. Verkehrsstress, Sicher auch das Problem der oftmals wochenlangen Trennung von Heim und Familie usw, aber und darüber sollten die Verantwortlichen (also verladende Firmen, Gewerkschaften und Spediteure) mal intensiv nachdenken, die Minilöhne die häufig gezahlt werden. Rechnet man nur 5 Tg/Woche, 10 Std/tägl. 10€ brutto wären es schon etwa 2200 €, bei 15 € bereits ca 3200 €, gezahlt wird aber häufig nicht mal 2000 brutto bei deutlich mehr Stunden.