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Europäische Kulturhauptstadt 2025 Nürnberger Stadtrat billigt Kulturstrategie

Zur Bewerbung für die Europäische Kulturhauptsadt 2025 gehört auch eine Kulturstrategie. Im Nürnberger Stadtrat hat die Kulturstrategie nun Grünes Licht bekommen.

Von: Corinna Mielke

Stand: 31.01.2018

Blaue Nacht in Nürnberg 2017 | Bild: BR/ Tina Wenzel und Katja Ortlauf

Nachdem der Stadtrat die für die Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 nötige Kulturstrategie sowie den angekündigten Maßnahmenkatalog abgesegnet hat, ist der nächste Schritt im Bewerbungs-Hürdenlauf getan. Um die Strategie zu erstellen, wurde sechs Monate lang professionell der Bestand bewertet. Nun listet der Abschlussbericht klar die Stärken der Kulturstadt Nürnberg auf und deren "Herausforderungen".

Erkenntnisse für den Bewerbungskatalog

Als Fazit rät das Strategiepapier zur Behandlung einiger vorangiger Problemfelder. Knapp gesagt: zu mehr Diskurs in der Stadt, zu einer Digitalisierungsstrategie für die Kultur, zu mehr  Raum für Kreative jenseits der etablierten Einrichtungen und zur Einbeziehung sämtlicher neuen und alten Milieus der Stadtgesellschaft ins kulturelle Leben. Zudem schlägt das Papier einen Koordinator vor, der die neuen Entwicklungen in den verschiedenen kulturuellen und soziokulturellen Bereichen zusammenführen soll. Auch diesem Vorschlag stimmte der Stadtrat zu.

Auf diesen Erkenntnissen soll nun ein erster Bewerbungskatalog, das sogenannte Bid Book, erarbeitet werden. Dies ist die Aufgabe von Hans-Joachim Wagner, seit vier Wochen Bürger von Nürnberg und neuer Leiter des Bewerbungsbüros. Eine Erkenntnis des Kölner Professor betrifft die freie Kulturszene der Stadt.

"Die sogenannte freie Szene in Nürnberg ist im Moment nicht wirklich im öffentlichen Bewusstsein. Und mein Ziel wäre es, gute Produktionsbedingungen zu schaffen, und darüber hinaus auch gute Präsentationsbedingungen. Kunst muss sichtbar werden, und dafür gilt es eben, Räume zu schaffen."

Hans-Joachim Wagner, Leiter des Nürnberger Bewerbungsbüros

Nach Wagners Meinung ist es auch eine zentrale Aufgabe für die Bewerbung, die alte Arbeiterstadt Nürnberg neu zu erzählen. Was macht die Stadt heute aus? Welche Erzählstränge können das abbilden?

"Das Neue wird sein die Diversität, die Unterschiedlichkeit, die  Buntheit der Stadtgesellschaft. das ist eine zentrale Aufgabe des Bewerbungsbüros und des Kulturhauptstadtprozesses, genau das ins Bewusstsein zu rücken."

Hans-Joachim Wagner, Leiter des Nürnberger Bewerbungsbüros

Ob das Nürnberg vor anderen Bewerberstädten auszeichnet, wäre die Frage, aber die steht erst am Ende der Bewerbung. Am Anfang steht, sich ernsthaft auf den Weg zu machen - auch wenn der Chef des Bewerbungsbüros sagt: "Vielleicht sollte ich es zusammenfassen: Kunst muss weh tun!"

Für die Franken ist das eine echte Drohung.


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Martin-Josef Blättner, Sonntag, 04.Februar, 11:21 Uhr

3. Slogan für die europäische Kulturhauptstadt Nürnberg

Bislang gibt es noch keinen Slogan. Um sich von den anderen Städten abzugrenzen, die sich ebenfalls beworben haben, sollte Nürnberg nun in die Offensive gehen und Bescheidenheit hinter sich lassen. Mein Vorschlag als Slogan: "Für das Menschenrecht in einem freien Europa." Wir wissen alle, dass die Menschenrechte auch in Europa gefährdet sind. Was also liegt es für Nürnberg näher, auf die in Nürnberg geschaffene "Strasse der Menschenrechte" zu verweisen. Dorthin könnte man auch Donald Trump, Erdogan, Putin oder andere zu einem Spaziergang einladen. Also Schluß mit dem Kleinklein, etwas Großes wagen! Vor ein paar Tagen hat mich eine amerikanische Künstlerin darauf angesprochen, dass die "Human Rights" doch genau die Vorlage für einen solchen Slogan sein müssten. Erinnern wir uns auch an die Friedenstafel nach dem 30-jährigen Krieg, den man kürzlich mit der Barbarei vom IS verglichen hat. Also Mut zu dieser Entscheidung! Erkämpft das Menschenrecht. Brecht eine Lanze für die Menschlichkeit

Martin Blättner, Freitag, 02.Februar, 10:53 Uhr

2. Kommentar zu den Erkenntnissen von Hans-Jochim Wagner

Insgesamt sind die Erkenntnisse von Hans-Joachim Wagner und seine Schlussfolgerungen positiv zu bewerten: Vor allem, dass die Kunstszene Räume zur Präsentation braucht! Sehr richtig! Schwieriger wird es, die sog".Hochkultur" mit "Soziokultur" in Einklang zu bringen, weil diese Begriff sehr schwammig ist . Unter "Soziokultur" wird in Nürnberg offenbar hauptsächlich die gesellschaftliche Betreuung in Kulturläden verstanden. Entsprechend bedeutet die Digitalisierung wohl auch das Aufrüsten mit Laptops in diesen Einrichtungen. Was das Geschichtenerzählen von der Arbeit in dieser Stadt betrifft,so ist zu fragen, inwieweit diese aktuell noch mit der klassischen Arbeiterschaft zu tun hat. Oder inwieweit die Liberalisierung des Arbeitsmarkts seit Gerhard Schröder die Stadt verändert hat. Aktuell könnte man noch den Stellenabbau von Siemens-Chef Käser ins Spiel bringen. Doch ist es wirklich so gut, den Blick auf den Stellenabbau zu werfen? Nicht jede leere Fabrik bringt auch Kunst und Kultur!

Blättner, Donnerstag, 01.Februar, 19:48 Uhr

1. Kulturhauptstadt-Strategie

Hoffentlich darf ich künftig noch Lebkuchen-Bruch bei Schöller kaufen, nachdem der Begriff "Stadt der Brüche" aus dem Sortiment der Slogans gestrichen wurde.