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Flüchtlingshelfer kritisieren Zu wenig Sicherheit für Frauen und Kinder in Bamberg

Asylbewerber und Flüchtlingshelfer kritisieren erneut die Zustände in der Aufnahmeeinrichtung in Bamberg. Insbesondere für Frauen und Kinder sei die Situation unzumutbar, so Elif Shahin vom Internationalen Frauencafé in Nürnberg.

Von: Karin Goeckel

Stand: 26.01.2018

Aufnahmeeinrichtung Oberfranken in Bamberg | Bild: picture-alliance/dpa

"Es wird in Bamberg nicht genug für die Sicherheit von Frauen und ihren Kindern getan", sagte Shahin auf einer Pressekonferenz des Frauencafés und des Bündnisses "Fluchtursachen bekämpfen". Frauen seien zwar in einem extra Gebäude auf dem Gelände der Aufnahmeeinrichtung untergebracht. Aber Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes könnten jederzeit und ohne Vorwarnung die Zimmer der Frauen betreten, selbst in der Nacht.

Vorwurf: schlechte medizinische Betreuung

Auch die Kinder leiden nach Angaben von Shahin unter den Gegebenheiten. "Es gibt keinen richtigen Spielplatz für Kinder, es gibt keine richtige Kinderbetreuung und keine richtige Schule", berichtete die Aktivistin. Auch die medizinische Betreuung der Kinder sei unzureichend – so komme nur einmal in der Woche ein Kinderarzt für drei Stunden ins Lager.

"Frauen und Kinder sind besonders schutzbedürftig, und deshalb sollen Frauen und Kinder raus aus dem Lager. Das ist kein Ort, an dem Frauen und Kinder leben können."

Elif Shahin vom Internationalen Frauencafé in Nürnberg

Ihre Aussagen wurden von mehreren Frauen bestätigt. Eine Frau aus Ghana etwa berichtete, dass sie nach ihrer Ablehnung keinen Cent mehr bekomme und sich ihre Kleidung aus dem Müll zusammensuchen müsse. Chris Marberg vom Bündnis "Fluchtursachen bekämpfen" befürchtet, dass die Aufnahmeeinrichtung in Bamberg als Modell für Flüchtlingsunterkünfte in ganz Deutschland dienen soll.

"Die Unterbringung dort ist geeignet, um Menschen psychisch zu brechen."

Chris Marberg, Bündnis 'Fluchtursachen bekämpfen'

Rechtsanwältin Anna Schäfer, die viele Bewohner der Aufnahmeeinrichtung in Bamberg juristisch betreut, kritisierte vor allem die hohe Geschwindigkeit der Asylverfahren. "Schnelligkeit bedeutet nicht Gründlichkeit. In Bamberg werden Entscheidungen wie in einer Fabrik getroffen", so die Juristin. Dabei spielten die spezifischen Fluchtursachen des Einzelnen keine Rolle mehr. So seien beispielsweise ein herzkrankes Kind und seine Mutter kurz nach einer Operation abgeschoben worden, obwohl das Kind noch mehr Genesungszeit gebraucht hätte.


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