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Kabinettsbeschluss Drei Milliarden Euro für zwei alte und eine neue Uni in Nürnberg und Erlangen

Das bayerische Kabinett will in den nächsten Jahren drei Milliarden Euro in die Hochschullandschaft von Nürnberg und Erlangen investieren.

Von: Stanislaus Kossakowski

Stand: 03.07.2018

Verwaltung der Uni in Erlangen | Bild: picture-alliance/dpa

Davon profitieren sollen die Friedrich-Alexander-Universität, die Technische Hochschule Nürnberg sowie die geplante neue Universität auf dem Gelände des ehemaligen Nürnberger Südbahnhofs. Die neue Technische Universität Nürnberg (TUN) soll nach Worten von Ministerpräsident Markus Söder bundesweiten Vorbildcharakter bekommen und eng mit der bayerischen Wirtschaft zusammenarbeiten. Der Kauf des Grundstücks auf dem ehemaligen Südbahnhof sei jetzt gesichert, sagte Söder.

Geisteswissenschaften ziehen in den "Himbeerpalast"

Der Vorsitzende der Konzeptkommission für die TUN, Wolfgang Herrmann von der TU München, erklärte, es solle mehr Digitalisierung in der Lehre geben, die anders als man vermuten mag zu mehr Nähe zwischen Lehrpersonal und Studenten führen werde. Die traditionsreiche Friedrich-Alexander-Universität Erlangen soll stärker in der Erlanger Innenstadt gebündelt werden und als Gegenpol zum Siemens-Campus einen Innenstadt-Campus bekommen. Die geisteswissenschaftlichen Fakultäten sollen ihre Zentrale in der einstigen Siemens-Zentrale, dem sogenannten Himbeerpalast, bekommen. Ministerpräsident Söder sagte zu, dass der Freistaat den "Himbeerpalast" für die Uni kaufen werde. FAU-Präsident Joachim Hornegger erklärte: „Wir haben den Anspruch, weltweit ganz vorne in der ingenieur-wissenschaftlichen Forschung mitzuspielen.“

Pferdestaffel für Nürnberger Polizei

Die in Nürnberg ansässige Lehrerbildung der FAU solle einen Neubau im Nürnberger Norden bekommen, sagte Hornegger. Man bemühe sich um einen Standort nahe der geplanten Stadtumlandbahn, die unter anderem Nürnberg und Erlangen verbinden soll. Innenminister Joachim Herrmann aus Erlangen nannte die anstehenden Veränderungen an der FAU „epochale, richtungsweisende Entscheidungen für die Zukunft dieser Universität“. Ein besonderer Vorteil sei, dass sie innerhalb der nächsten fünf Jahre realisierbar seien. Wissenschaftsministerin Marion Kiechle sprach mit Blick auf alle drei Universitäten von einer „Sternstunde für die Wissenschaft hier in Bayern“. Außerdem beschloss das Kabinett, die Polizei in Nürnberg mit Investitionen in Höhe von 190 Millionen Euro zu stärken. Unter anderem werde die Nürnberger Polizei eine Pferdestaffel bekommen. Nach Angaben von Innenminister Herrmann soll die berittene Polizei mit 45 Pferden ausgestattet werden.

Der Ministerrat bewilligte auch die Gründung eines „Kulturzentrums für die Deutschen aus Russland“ in Nürnberg. Die Stadt soll überdies ein „Bayerisches Zentrum für Gesundheit bekommen“.


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Kein-Nürnberger, Mittwoch, 04.Juli, 12:20 Uhr

3. Wieso DREI technische Hochschulen ???

Die TH soll zur TU werden, wie seinerzeit die THs in (beispielsweise) München, Aachen, usw.
Eine dritte Forschungs- und Ausbildungsstätte macht inhaltlich weniger Sinn (Redundanz, unnötige Konkurrenz).
Diese innerfränkische Konkurrenz (um Studierende, Drittmittel, Gelder) schwächt alle Beteiligten - insbesondere im nationalen und internationalen Kontext.
Eine weitere, neue (!) Universität braucht viele (!) Jahre, um sich strukturell und wissenschaftlich zu etablieren - da helfen alle naiven Versprechen der Politik nichts, das ist wissenschaftliche Realität. Bis dahin saugt das Vorhaben mehr Resourcen als es Nutzen liefert - auf Kosten bestehender, sehr guter (!) Strukturen.
Verrückt.

Markus, Mittwoch, 04.Juli, 11:50 Uhr

2. Da hat sich aber jemand gut informiert

Das meiste Geld geht in die TECHNISCHE Universität Nürnberg. Um genau die fehlenden Fachkräfte auszubilden.
Zudem gibt es in Deutschland Gott sei Dank freie Berufswahl. Deswegen müssen auch Philosphische Fakultäten bestehen. Da in diese der FAU jahrzehnte lang keinen Cent investiert wurde, fällt das Gebäude Wort wörtlich auseinander. Vor nicht all zu langer Zeit sind mehrere hundert Kilo Putz von der Decke gebrochen. Wie durch ein Wunder wurde niemand erschlagen.

Die EWF in Nürnberg fällt seit Jahren auseinander. Wo sollen denn die Lehrkräfte ausgebildet werden? Gleiches gilt für die WiSo.

Das nun so viel Geld auf einmal investiert werden muss liegt einfach daran, dass jahrzehnte davor NICHTS in Bildung investiert wurde. Das gleiche gilt für Schulgebäude. Wenn man jetzt nicht handelt, werden (und sind auch schon) viele dieser Gebäude geschlossen, wegen Gefahr für Leib und Leben.

Nürnberger, Dienstag, 03.Juli, 18:04 Uhr

1. realitätsfern

Es erstaunt immer wieder, wie realitätsfremd unsere Staatsführungen sind. Und da meine ich ausdrücklich nicht nur Bayern und die CSU, andere Bundesländer mit Regierungen, rekrutiert aus anderen Parteien oder der Bund selbst, sind keinen Deut besser.

Es werden Milliarden für die Uni´s ausgegeben und neue Studenten von irgendwo her in den Ballungsraum gelockt. Wo wohnen all die Jungs und Mädels? Wohnungen sind Mangelware, nicht mal die hiesige Bevölkerung ist ausreichend mit Wohnraum versorgt. Kleine und günstige Wohnungen: Fehlanzeige, gibt´s nicht. Eine Hochschule in einer anderen Stadt ist da die sinnvollere Lösung, aber als Politiker lebt man fernab der Realität.

Was wollen wir mit all den Soziologen, Politologen, Philosophen und was manche Fakultäten noch so "ausbilden"? Ach ja, im nächsten Schritt seitens der Politik bedauern, dass es zu wenig Facharbeiter gibt.