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Urteil vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth Bandidos-Spitzel: Urteil gegen sechs LKA-Beamte in V-Mann-Affäre erwartet

Sie sollen einen V-Mann bei den "Bandidos" zu einer Straftat angestiftet haben: Heute will das Landgericht Nürnberg-Fürth sein Urteil gegen die sechs angeklagten LKA-Beamten sprechen. Damit geht ein Mammutprozess zu Ende.

Von: Tina Wenzel

Stand: 27.07.2018

Angeklagte im Saal 600 | Bild: BR

Am Landgericht Nürnberg-Fürth wird heute das Urteil im Prozess um sechs LKA-Beamte erwartet. Die Polizisten sollen 2009 einen V-Mann bei der Rockergruppe "Bandidos" in Regensburg platziert haben und ihm dann bei kriminellen Machenschaften geholfen oder diese später verschleiert haben.

Bandidos-Spitzel wurde auf Diebestour geschnappt

Im Kern geht es um ein Wochenende im September 2011. Der V-Mann soll mit anderen Regensburger Bandidos in Dänemark auf Diebestour gewesen sein. Der Spitzel des LKA wurde dann geschnappt, als er einen Lkw mit gestohlenen Mini-Baggern fuhr.

LKA-Beamte sollen Dokumente gefälscht haben, um Spitzel zu decken

Laut Anklage sollen einige der LKA-Beamten von der Diebestour gewusst haben, den V-Mann gar auf Diebestour geschickt haben, so behauptet es der Spitzel, der in dem Prozess als Zeuge auftritt. Damit dies nicht auffällt, sollen die Beamten die Akten verändert haben, damit möglicherweise der V-Mann nicht enttarnt wird.

Staatsanwaltschaft fordert Haft- und Geldstrafen

Die Staatsanwaltschaft erhebt deswegen folgende Vorwürfe: Diebstahl in mittelbarer Täterschaft, Strafvereitelung im Amt, Betrug, uneidliche Falschaussage und versuchte Freiheitsberaubung. Die Staatsanwaltschaft fordert für den 53-jährigen Hauptangeklagten, der der Kontaktmann des Spitzels war, zweieinhalb Jahre Haft, für vier weitere Polizisten Bewährungsstrafen zwischen zwölf und 21 Monaten. Ein Beamter soll, geht es nach der Staatsanwaltschaft, eine Geldstrafe erhalten. Folgt das Gericht den Forderungen der Staatsanwaltschaft, hätte dies weitreichende Konsequenzen für fünf der Polizisten. Sie würden ihren Beamtenstatus verlieren und damit ihre berufliche Existenz.

Verteidigung fordert Freispruch für LKA-Beamte

Die Verteidigung forderte in ihrem Plädoyer dagegen den Hauptangeklagten freizusprechen, da die Beweislage für eine Verurteilung nicht ausreiche.

Der Mammutprozess, der seit November 2017 läuft, wird mit großer Spannung verfolgt, weil es um einen Kernbereich in der Zusammenarbeit zwischen Polizei und V-Leuten geht.


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