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Reaktionen auf den Rücktritt Merkel schätzt Özil, AfD kritisiert ihn, Grüne attackieren den DFB

Mit seinem Rücktritt aus der Fußball-Nationalmannschaft hat Mesut Özil eine gesellschaftspolitische Diskussion entfacht. Wie sieht es mit der Integration in Deutschland aus, wo schlägt Bürgern mit Migrationshintergrund Rassismus entgegen?

Von: Birgit Schmeitzner

Stand: 23.07.2018

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist im Urlaub. Doch der politische Alltag in Berlin geht weiter, die Regierungssprecher stellten sich wie gewohnt den Fragen der Hauptstadt-Korrespondenten. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer war denn auch gewappnet, als die Frage nach Mesut Özil kam. Die Kanzlerin, sagte Demmer, schätze Özil. Er sei ein toller Fußballer, der viel geleistet habe und seine Entscheidung sei zu akzeptieren.

Zurückhaltung in Richtung DFB

Auf Fragen nach der Rassismus-Debatte und der Rolle des DFB antwortete Demmer dann aber ausweichend. Zum Deutschen Fußballbund nur so viel: Er „handelt autonom“. Deutschland sei ein weltoffenes Land, Menschen mit Migrationshintergrund seien herzlich willkommen und für die Integration spiele der Sport eine wichtige Rolle. Im für Sport und Integration zuständigen Bundesinnenministerium hieß es, Ressortchef Horst Seehofer (CSU) wolle sich in solche internen Angelegenheiten nicht einmischen.

„Die Wahrheit liegt auf dem Platz“

Auch Außenminister Heiko Maas (SPD) wurde zu der Diskussion rund um den Fußballprofi gefragt – und zwar am Rande eines Treffens mit seinem britischen Kollegen Jeremy Hunt, bei dem es um den Brexit ging. Maas sagte, der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs sage doch wenig aus über die Integrationsfähigkeit in Deutschland. Im Übrigen liege die Wahrheit auf dem Platz:

"Dass die Deutschen so früh ausgeschieden sind, hat wenig damit zu tun, dass Herr Özil sich mit Herrn Erdogan hat fotografieren lassen."

Heiko Maas, SPD, Außenminister

Maas rief dazu auf, es sollten doch jetzt alle in sich gehen. Er sehe wenige, die sich in diesem Fall einigermaßen richtig verhalten hätten.

Worte wägen

Auch die Beauftragte der Bundesregierung für Integration, Annette Widman-Mauz, mahnt zu Augenmaß – und vor allem dazu, verantwortlich mit Sprache umzugehen. Die CDU-Politikerin hätte sich mehr Kritikfähigkeit von Özil gewünscht nach dem gemeinsamen Foto mit dem türkischen Präsidenten. Aber, so fügte sie hinzu, es sei nicht der richtige Weg, jetzt einen Sündenbock zu suchen für das Ausscheiden aus der WM.

AfD kritisiert Özil, die Grünen Özil und den DFB

Von der AfD ist zu hören, Özil verdanke Deutschland seine Karriere. Der stellvertretende Parteichef Georg Pazderski sagte, solange Özil gefeiert und bewundert wurde, habe er ja schließlich auch keinen Rassismus erkennen können. Bei den Grünen wird Özils Bildtermin mit Erdogan als Fehler bezeichnet. Die DFB-Spitze aber habe sich skandalös verhalten und das werfe die Nachwuchsarbeit im Fußball zurück.


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