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Streit um Massentierhaltung Muss Fleisch teurer werden?

Möglichst billiges Grillfleisch, aber zu guten Bedingungen für die Tiere. Wie ist diese Forderung der Verbraucher mit der Realität in der Landwirtschaft zu vereinen? Das diskutierten Bürger und Politiker bei "jetzt red i".

Von: Christine Memminger

Stand: 06.06.2018

"Jetzt red i" - aus Pfarrkirchen | Bild: picture-alliance/dpa

Schluss mit Romantik. "Ich muss davon leben", sagte Kreisbäuerin Paula Hochholzer gleich zu Beginn der Sendung "jetzt red i" in Pfarrkirchen am Mittwochabend. Tierwohl sei sehr wichtig und wer sich ihren Stall anschauen möchte, sei gerne willkommen. Allerdings appellierte sie an die Vernunft der Verbraucher und der Politik: "Wir können das nicht alles selber bezahlen." Ihr Landkreis Rottal-Inn ist beispielhaft für eine bayernweite Entwicklung: Vor allem kleine Bauernhöfe mussten in den letzten Jahren aufgeben. Denn Fleisch wird zu Billigpreisen verkauft, für ein Kilo Schweinefleisch bekommen Bauern aktuell gerade mal 1,50 Euro. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, werden Höfe und Stallanlagen daher immer größer.

Immer größere Stallanlagen

CSU-Politiker Max Straubinger sagte in der Sendung, dass sich durch diese Modernisierung der Landwirtschaft die Bedingungen der Tierhaltung in den letzten Jahren verbessert haben. "Moderne Ställe sind ein Tierwohl-Label", so der Bundestagsabgeordnete. Diese Ställe gingen zwar meist mit der Haltung von mehr Tieren einher, würden aber zum Beispiel die Gabe von Antibiotika verringern: "Dass man die Antibiotika-Gabe nicht völlig vermeiden kann, liegt eben auch am Tierschutz. Wenn es Krankheiten gibt, dann muss ich auch nach dem Tierschutz-Gesetz entsprechend handeln. Moderne Ställe leisten einen erheblichen Beitrag zum Tierschutz und zum Tierwohl und damit zur Verringerung der Krankheiten in den Ställen."

Angst vor Antibiotika und Nitrat im Grundwasser

Mehrere Bürgerinnen und Bürger meldeten sich in der Sendung mit Bedenken. Vor allem die Behandlung von Tieren mit Antibiotika und die Angst vor multiresistenten Keimen, sowie die Anreicherung von Nitrat im Grundwasser machen ihnen Sorgen. Die Vorsitzende der Bayerischen Grünen, Sigi Hagl, fordert daher eine Rückkehr zur kleinbäuerlichen Landwirtschaft in Bayern. Allerdings sei diese nicht durch eine generelle Höchstgrenze pro Betrieb zu erreichen. Sie sagte bei "jetzt red i": "Wir müssen zurückkommen zu einer flächengebundenen Landwirtschaft. Dann hätten wir das ganze Problem gar nicht mehr, weil diese Ställe gar nicht mehr möglich wären in dieser Form." Dabei müssten die Bauern einen Großteil der Futtermittel für ihre Tiere selbst anbauen, so die bayerische Grünen-Chefin. Diese kleinbäuerliche Struktur müsse von der Politik entsprechend gefördert werden.

Verbraucher bleiben weiterhin im Label-Dschungel

Während CSU-Politiker Straubinger darauf hinwies, dass Nitrataustrag und Antibiotikamenge in den letzten Jahren bereits reduziert wurden, hielt Grünen-Politikern Hagl dagegen, dass die Grenzwerte immer noch nicht eingehalten würden. Verbraucher fühlen sich angesichts der verschiedenen Siegel und Labels zudem eher verwirrt, als aufgeklärt. Das von der Bundesregierung geplante staatliche Tierwohl-Label soll laut Straubinger für mehr Klarheit sorgen. Allerdings ließ er offen, welche Kriterien für das Label gelten werden. Verbraucherschützerin Daniela Krehl forderte daher am Ende der Sendung "jetzt red i": "Das Ziel ist, dass ich als Verbraucher eine ganz klare Kennzeichnung bekomme, wie bei den Eiern."


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harrer, Donnerstag, 07.Juni, 09:43 Uhr

11.

Sojaimporte aus Brasilien, USA, etc. stoppen, bzw. stark einschränken. Dann löst sich das Problem von ganz allein. Wir nutzen viel zu viel ausländische Futterflächen, die den Leuten dort abgehen. Der Sojaimport ist das eigentliche Problem, den ohne ihn wäre eine Flächenunabhängige Tiermast nicht möglich!

  • Antwort von Sachsendreier, Donnerstag, 07.Juni, 21:05 Uhr

    Aber Soja wird doch auch von allen Vegetariern und Veganern gebraucht! Denn deren Ersatzessen wird doch aus dieser eigengeschmacksfreien Pampe hergestellt. Gutes Fleisch ist übrigens teuer genug! Das müssten bereits alle die Bewussten wissen, die uns mit solchen Beiträgen und anderen Informationen versorgen. Ich kaufe schon seit Jahren bei der Privatfleischerei mit eigener Schlachtung in der Nähe ein. Da muss man sich wirklich gut überlegen, welchen Braten man zum Wochenende macht und auch darüber, wie viel Wurst überhaupt nötig ist, denn sonst geht es ordentlich ins Geld. Über die Woche gibt es, wie früher, vorwiegend nur Gemüse- und Kartoffelgerichte. Aber es schmeckt beinah toller, weil man halt seit der Wende ein überaus reichliches Angebot an regionalem Gemüse und anderen frischen Zutaten nutzen kann. Und dann noch die vielen Früchte - ein wahres Schlemmerparadies hat sich für uns aufgetan! Ich denke, große Fleischverbraucher sind eher die Städter, darunter viele Migranten.

focus, Donnerstag, 07.Juni, 09:37 Uhr

10. 80 Millionen Verbraucher

Der Verbraucher hat es in der Hand
Frage einfach in den Raum gestellt: Was würde eigentlich passieren, wenn die wenigen großen Lebensmittel-Ketten die Preise für Fleisch von heute auf morgen verdoppeln und den Mehrerlös an die Erzeuger weitergeben würden?

CS, Donnerstag, 07.Juni, 09:21 Uhr

9. Muss Fleisch teurer werden?

Ja!
1. Mehr Tierschutz
2. weniger Massentierhaltung
3. mehr Unterstützung für kleine Betriebe - alles muß auch nach unserer Regierung immer größer werden
4. EINE POSITIVERE EINSTELLUNG DER VERBRAUCHER ZU TIERISCHEN LEBENSMITTELN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! - WIR SIND LEIDER EINE WEGWERFGESELLSCHAFT GEWRORDEN

  • Antwort von cs, Donnerstag, 07.Juni, 10:22 Uhr

    habe 5. vergessen

    5. weniger Antibiotika in den Lebensmitteln, welches vllt auch dazu beitragen kann, die Resistenz zu verringern

Holzer, Donnerstag, 07.Juni, 09:20 Uhr

8. Träume

Wundervolle Träume der Frau Hagl ! Die ersten die sich bei Umsetzung darüber freuen dürften, sind die kolchosengroßen ehemaligen LPG-Betribe in den fünf teuren Ländern, dort wurde die Kleinbäuerei ja von Walter Ulbricht und Nachfolgern sehr erfolgreich zu Grunde gerichtet.

Francesco, Donnerstag, 07.Juni, 09:10 Uhr

7. Nachdem sich die Politik....

... nicht zu einer Verbrauchergesundheit orientierten Politik entscheiden kann, kann nur der einzelne Verbraucher durch sein Kaufverhalten "das Heft in die Hand nehmen". Andererseits bin ich fest davon überzeugt, dass die beängstigend fortschreitende Verseuchung unseres Grundwassers, die Antibiotikaresistenz, dreckige Luft, etc., zum Handeln zwingen. Ich frage mich immer, was denn die Politiker sich eigentlich dabei denken, wenn sie bei Amtsantritt schwören, u.a. Schaden vom Volk fern zu halten... ?