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Kreuze in Bayerns Behörden Marx und Bedford-Strohm: Kritik an Kreuzpflicht von beiden großen Kirchen

Neben Kardinal Marx hat sich nun auch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in die Debatte eingeschaltet. Einer Emnid-Umfrage zufolge lehnt die Mehrheit der Deutschen die Kreuzpflicht ab.

Von: Agnes Popp

Stand: 29.04.2018

Heinrich Bedford-Strohm (r), Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, und Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising und Präsident der Deutschen Bischofskonferenz | Bild: pa/dpa

"Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen wird, hat man es nicht verstanden."

Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising

Der Vorsitzender der katholischen Deutsche Bischofskonferenz betonte: "Dann würde das Kreuz im Namen des Staates enteignet." Es stehe dem Staat nicht zu, zu erklären, was das Kreuz bedeute. Das Kreuz könne man nicht haben ohne den Mann, der daran gehangen hat, sagte Marx. "Es ist ein Zeichen des Widerspruchs gegen Gewalt, Ungerechtigkeit, Sünde und Tod, aber kein Zeichen gegen andere Menschen."

Ein Kreuz aufzuhängen bedeute, dass man sich an den Worten dessen orientieren will, der am Kreuz für die ganze Welt gestorben sei. "Das ist eine Provokation, für jeden Christen, für die Kirche, aber auch für den Staat, der sich auf dieses Zeichen beziehen will", sagte der Kardinal weiter.

Debatte über das Kreuz sei wichtig

Die gesellschaftliche Debatte über das Kreuz hält Marx für wichtig. Dafür müsse man aber alle einbeziehen: Christen, Muslime, Juden und jene, die gar nicht gläubig sind. Die bayerische Staatsregierung hatte in ihrer Kabinettssitzung am vergangenen Dienstag die allgemeine Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaats geändert.

Demnach muss ab 1. Juni im Eingangsbereich aller staatlichen Dienstgebäude als Ausdruck der "geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns" deutlich wahrnehmbar ein Kreuz als sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung angebracht werden. Diese Anordnung der Staatsregierung hat für teils scharfe Kritik von verschiedenen Juristen, Parteien und Kirchenvertretern gesorgt - es gab vereinzelt aber auch Zustimmung für den Beschluss.

Kritik auch vom Landesbischof der Evangelischen Kirche

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), äußerte sich zuletzt auf Facebook. Sein Kommentar fiel zurückhaltender aus: Er wolle die Debatte nicht personalisiert führen, "sondern hart an der Sache".

"Dass wir als Christen alles tun, um die Inhalte, für die das Kreuz steht, in die Herzen der Menschen zu bringen und unsere eigenen Herzen immer wieder darauf auszurichten, ist hoffentlich eine Selbstverständlichkeit."

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Das dürfe aber nie für irgendwelche Zwecke instrumentalisiert werden.

Mehrheit der Deutschen laut Emnid-Umfrage gegen Kreuzpflicht

Einer Umfrage von Emnid zufolge, die von der Bild am Sonntag in Auftrag gegeben wurde, lehnten 64 Prozent der Befragten eine Kreuzpflicht für Behörden ab. 29 Prozent waren dafür. 38 Prozent der katholischen Befragten würden eine Kreuz-Pflicht befürworten. Unter Protestanten sind 62 Prozent dagegen und 34 Prozent dafür.

Wissenschaftsministerin Kiechle ändert ihre Meinung

Bayerns Wissenschaftsministerin Marion Kiechle (CSU) sorgte für Unruhe: Zunächst bezeichnete sie in einer Talkshow den Erlass als "keine besonders kluge Idee". Später teilte sie dagegen in einer Erklärung der Staatsregierung mit, sie stehe klar zum einstimmigen Beschluss des bayerischen Kabinetts, (...) weil das Kreuz für die christliche Tradition Bayerns stehe.

Ministerpräsident Söder verteidigt Erlass

Söder selbst und andere CSU-Politiker verteidigten den Erlass.

"Natürlich ist das Kreuz in erster Linie ein religiöses Symbol. Aber im Symbol des Kreuzes bündelt sich auch die Grundidee eines säkularen Staates."

Ministerpräsident Markus Söder

Die Frage, ob sich die CSU bei christlichen Wählern anbiedern wolle, beantwortete er mit "Nein".

Kritik an Söder von den Grünen

Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) warf Söder vor, nicht nur Religion zu instrumentalisieren, sondern auch Millionen Menschen auszugrenzen - Muslime, Atheisten und Juden: Söder missbrauche das Kreuz für seinen Wahlkampf und vermische bewusst Religion und Politik.

Würzburger Jura-Professor Hilgendorf: "Monopolanspruch"

Der Würzburger Jura-Professor Erik Hilgendorf hat sich ebenfalls in die Diskussion eingeschaltet: Es könne der Eindruck entstehen, dass das Kreuz sozusagen einen "Monopolanspruch auf Menschenrechte, auf Menschenwürde, auf Aufklärung" erhebe. Das sei historisch völlig falsch.

"Das Christentum musste durch die Aufklärung erst gezwungen werden, sich in Richtung Menschenrechte zu entwickeln. Offenheit für Menschenrechte und Menschenwürde finden sich durchaus auch im Judentum und durchaus auch im Islam."

Würzburger Jura-Professor Erik Hilgendorf

Designierter Würzburger Bischof übt Kritik an Söder

Der designierte Würzburger Bischof Franz Jung hat sich in der Kreuz-Debatte zu Wort gemeldet und Söders Vorgehen kritisiert.

"Der bayerische Ministerpräsident und die CSU sehen im Kreuz in erster Linie ein kulturelles Symbol. Ich halte diese Grundaussage für falsch. Das Kreuz ist ein genuin religiöses Zeichen und darf nicht auf bayerische Folklore und heimatliches Brauchtum reduziert werden. Es ist auch klar: Wer das Kreuz als christliches Symbol aufhängt, muss sich in seinem Handeln am Kreuz und seiner Botschaft messen lassen."

Franz Jung, ernannter Bischof von Würzburg


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Claudi , Montag, 30.April, 10:02 Uhr

24. Kritik an Kreuzpflicht, Relligion und Politik trennen.

Wäre der Vorschlag zur der Kreuz-Pflicht von der rechtspopulären AfD gekommen, dann wäre das Geschrei dagegen noch viel viel lauter. Aber in diesem Fall will man mit dem Kreuz der AfD einige christliche Wähler abjagen.

  • Antwort von Truderinger, Montag, 30.April, 10:12 Uhr

    Christen haben in einer rechtsextremen Partei eh nichts verloren. Wer AfD wählt, muss aus der Kirche austreten!

Dieter, Montag, 30.April, 10:02 Uhr

23. Kreuz

Ich verstehe den Aufschrei nicht.
Kreuze hingen Jahrhunderte lang in deutsche Stuben. Und nur weil einige heute ihre "Weltoffenheitsbesoffenheit " zeigen wollen wird gegen Kreuze protestiert. Das zeigt aber eher Engstirnigkeit als Weltoffenheit!
M.f.G.

  • Antwort von Realistin1, Montag, 30.April, 10:33 Uhr

    "Weltoffenheitsbesoffenheit" ist der richtige Ausdruck für den Zustand einiger (immer mehr) Menschen. Wenn man sieht dass mit immer mehr Ablehnung der christlichen Symbole, Glauben, Kirche, die anderen Religionen stärker werden, kann man sehen in welche Richtung unser Land geht.
    Vor allen würden diese Menschen nie draufdrängen einen anderen Glauben, oder deren sichtbare Symbole bei uns abzuschaffen.

Realistin1, Montag, 30.April, 09:59 Uhr

22. Ein Land ohne Kultur und Glauben ist ein Land ohne Herz......

Als 1995 die Kreuze in Schulen, Krankenhäuser usw. abgenommen wurden und die Deutschen sich dagegen gewehrt haben, hat es trotzdem in unseren Kirchen kein umdenken gegeben. Die Kirchen werden immer leerer, immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus, es ist ein sichtbares abwenden von Kirche und Glauben in Deutschland sichtbar. Ich bin mit dem Kreuz aufgewachsen und es hat mir in keiner weiße geschadet, nur die heutigen Dummköpfe stört es, die nur an das glauben was Heidi Klum, diverse Schauspieler /innen, Narzissten von sich geben, die alles andere gut finden nur das eigene nicht .
Wie Sophia Thomala die sich leicht bekleidet als Jesus für eine Werbung ans Kreuz nageln ließ.
Marx und Bedfort-Strohm zeigen mit ihren Aussagen dass sie sich schon Meilenweit von ihren Gläubigen entfernt haben und vergessen, wer ihren Lohn bezahlt. Ein Gott wäre für viele Menschen in unserem Land ein moralisches Hindernis in ihrer großzügigen Offenheit in jeglicher Hinsicht.

  • Antwort von Aton, Montag, 30.April, 10:14 Uhr

    Fehlender kath. oder protest. Glaube heißt noch nicht Gottlosigkeit.
    Vielen gefällt halt nur der "Verein" nicht".

Zeitungsleserin, Montag, 30.April, 09:56 Uhr

21. unsere beiden bekennenden Kreuzverstecker -

da täuschen sie sich mal gewaltig, wenn sie glauben, zum Thema Kreuz hier noch etwas sagen zu können. Ich denke, dass nur die Höflichkeit viele Katholiken (und auch Protestanten) in Bayern noch zurückhalten ob solchen Kommentaren von der obersten Kirchenführung. Jetzt haben die beiden es g'nau beinand! Was um Gottes Willen muß über ein Kreuz in Behörden, Schulen und öffentlichen Gebäuden DISKUTIERT werden? Es gehört zu Bayern/Deutschland wie die Kreuze auf den Kirchen, Gipfeln und in den Herrgottswinkeln. Vorauseilende Unterwürfigkeit und schmierige Toleranz macht sich überall breit. Wenn es die Zugreisten stört, es hindert sie niemand, wieder heimzukehren. Ich habe jedenfalls noch von keinem jüdischen Freund gehört, dass ihn das Kreuz IRGENDWO gestört hätte.

  • Antwort von Truderinger, Montag, 30.April, 10:09 Uhr

    Ja eben, wo kämen wir denn hin, wenn die Kirche jetzt auch noch was zum Thema Kreuz zu sagen hätte! Das Kreuz gehört den rechtsverpeilten Marktschreiern, den Islamhassern, den Kirchenhetzern! Das Kreuz muss endlich wieder Symbol für Kreuzzüge werden, denn die heißen ja nicht umsonst so!

  • Antwort von Leo Bronstein, Montag, 30.April, 10:28 Uhr

    @ Truderinger
    >Ja eben, wo kämen wir denn hin, wenn die Kirche jetzt auch noch was zum Thema Kreuz zu sagen hätte!<

    .
    Ist die Kirche, medial vertreten von 2 Personen, unfehlbar?

Werner, Montag, 30.April, 09:54 Uhr

20. Marx und Beford-Strohm

Die beiden vorgenannten Herren haben trotz Ihrer Amtskleidung das Kreuz in Israel Nov. 2017 abgenommen. Warum? Dann hätten sie die komplette Amtskleidung nicht tragen dürfen. Auf Kirchenkosten in Israel? Daheim 50 Ct für die Kirchenorgel spenden lassen? Sauber!

Es ist doch sehr verwunderlich, dass diese beiden Herren gegen das Aufhängen von Kreuzen sprechen.

Freilich können die Herren das Aufhängen der Kreuze theologisch besser formulieren, aber das Kreuz sagt auch aus, dass Menschen in Behörden christlich behandelt werden sollen. Wenn ich ein Gebäude betrete, in dem ich ein Kreuz sehe, fühle ich mich besser.

Warum geht es in Bayern uns so gut? Weil christliche Werte dafür stehen.

Wenn sich die o.g. Herren für das Kreuz schämen sollen sie zurück treten und die Bezüge nicht mehr annehmen.

Bin von denen echt enttäuscht.

  • Antwort von Truderinger, Montag, 30.April, 10:13 Uhr

    Wieder einer, der nichts kapieren will! Es geht nicht gegen das Kreuz, sondern gegen seine Vereinnahmung für politische Zwecke. Ist das denn so schwer so verstehen???

  • Antwort von ck, Montag, 30.April, 10:31 Uhr

    > Es ist doch sehr verwunderlich, dass diese beiden Herren gegen das Aufhängen von Kreuzen sprechen.

    Die beiden Herren sprechen gegen das im Wahlkampf VERORDNETE Aufhängen des Kreuzes, weil es ihrer Meinung nach für ein Bekenntnis zu Idealen steht. Für die beiden Herren ist das Aufhängen eines Kreuzes nicht gleichbedeutend mit dem Aufhängen eines "Mia san mia"-Plakates oder dem Aufstellen einer Franz-Josef-Strauss-Büste im Foyer. Für die ist das tatsächlich etwas Ernsthaftes. Aber das sind ja auch Christen.

    Ist denn das echt so schwer zu verstehen?

  • Antwort von Leo Bronstein, Montag, 30.April, 10:32 Uhr

    @ Truderinger
    >Wieder einer, der nichts kapieren will! Es geht nicht gegen das Kreuz, sondern gegen seine Vereinnahmung für politische Zwecke. Ist das denn so schwer so verstehen???<

    .
    Dann steht für Sie das Kreuz also nicht für christlich Religion, christlichen Glauben und auch christliche Tradition, sondern ausschließlich für eine Partei?
    Und dürfte dann überhaupt irgendeine Partei sich dafür einsetzen, dass Kreuze wieder aufgehängt werden, ohne dass Sie den Vorwurf der politischen Instrumentalisierung erheben?