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Malteser-Mitgliederwerbung Abzocke bei Senioren

Große Wohlfahrtsorganisationen wie die Malteser brauchen Spenden und Mitgliedsbeiträge, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Doch mit welchen Methoden wird dieses Geld eingesammelt? Kontrovers und das NDR-Politik-Magazin Panorama 3 decken auf, dass bei den Maltesern moralische Grenzen überschritten werden.

Stand: 29.11.2017

Schon lange setzen Hilfsorganisationen professionelle Werber zum Spendensammeln ein. Bei den Maltesern hat man sich jetzt etwas anderes einfallen lassen: Wer einen Termin mit einem "Seniorenberater" der Malteser vereinbart, soll auch als Fördermitglied geworben werden.

Vom Seniorenberater zum Spendeneintreiber für Malteser

Kontrovers und das Polit-Magazin Panorama 3 haben einen Senioren als Lockvogel eingesetzt. Der gibt vor, Interesse an einem Hausnotruf zu haben und vereinbart einen Termin mit einem "Seniorenberater" der Malteser. Der Termin beginnt mit einer ausführlichen Beratung über den Hausnotruf. Doch dann kommt der Malteser zur Sache: "In Deutschland versuchen wir, den Menschen, die sterben, zu helfen. Kindern, Jugendliche und Senioren. Das ist uns eine Herzensangelegenheit.“ Jedoch habe man die Sorge, nicht alle Helfer ausbilden zu können. "Deswegen bitte ich sie, die Malteser zu unterstützen. Als Fördermitglied", erzählt er unserem Lockvogel. Und das, obwohl der eigentlich nur Interesse an einem Hausnotruf hatte. Auch bei einem zweiten Versuch will ein anderer Seniorenberater uns als zahlendes Fördermitglied gewinnen.

Malteser sehen kein Problem

Douglas Graf von Saurma, Geschäftsführer der Malteser

Mit dem Vorwurf konfrontiert, sehen die Malteser kein Problem bei der Vermischung von Dienstleistung und Spendenwerbung. "Die Malteser sind auf Spenden und Fördermitgliedschaften angewiesen. Wir versuchen, wenn wir mit Menschen in Kontakt kommen, darüber zu sprechen und sie einzuladen, uns dabei zu helfen", erklärt Douglas Graf von Saurma, Geschäftsführer der Malteser. In der Vermischung von Beratung und Fördermitgliedschaften sieht er kein Problem.

Doch auch bei Seniorenberatern führt diese Praxis offenbar zu Unmut. Das legt ein Malteser-Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, gegenüber Kontrovers und Panorama 3 offen. Eigentlich macht er seinen Job gerne. Doch die Werbung von Fördermitgliedern hält er für unseriös:

"Es handelt sich hierbei wirklich um Menschen, die einfach krank, alt, dement und hilfsbedürftig sind. Die gar nicht mehr wissen, was ich von ihnen will. Und ich soll diese Menschen über den Tisch ziehen, nur um an  die Fördermitgliedschaft zu kommen"

Anonymer Malterser-Mitarbeiter

Seniorenberater unter Druck: Wer nicht wirbt, dem droht die Entlassung

Er fühle sich unter Druck gesetzt, berichtet der Malteser-Mitarbeiter, als er sich uns anvertraut. Denn jeden Monat muss er eine bestimmte Summe mit den Fördermitgliedschaften erreichen: 1.250 Euro. Tut er das nicht, droht ihm die Entlassung. Eine Praxis, die man bei den Maltesern ganz offen einräumt: "Für uns gehört es zu unserem Selbstverständnis als christliche Organisation, dass wir mit einer so genannten Zielklarheit führen. Wir wollen einfach den Mitarbeitern sagen, wir haben eine gewisse Erwartung. Und das musst du auch erfüllen", so der Geschäftsführer. Und deshalb werde sich auch nichts ändern, sagt Douglas Graf von Saurma.  "Seniorenberater" der Malteser sind wohl weiter als Spendensammler unterwegs


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