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Nach der Wahl in Italien Luigi Di Maio – Italiens neuer Premierminister?

Die politische Konkurrenz verspottete ihn als Frischling. Doch nach der Wahl führt Luigi di Maio, Spitzenkandidat der "Fünf-Sterne-Bewegung", die stärkste Partei an. Ob er auch Regierungschef wird, ist ungewiss, doch viele Italiener setzen auf einen neuen politischen Führungsstil.

Stand: 07.03.2018

Luigi di Maio; SPITZENKANDIDAT FÜNF-STERNE-BEWEGUNG | Bild: Bayerischer Rundfunk 2018

Silvio Berlusconi hat sein Urteil schon lange gefällt. Von Luigi di Maio hält er nichts, aber auch gar nichts:

"Di Maio ist ein Junge, dem die Regierung eines Landes anvertraut werden soll. Er hat nie gearbeitet und hat nicht einmal sein Studium abgeschlossen."

Silvio Berlusconi

Das war vor der italienischen Parlamentswahl – danach steht fest: der 81 jährige Berlusconi wurde von den Wählern abgestraft, spielt im Mitte-Rechts-Lager nur noch die zweite Geige. Matteo Renzi, bisher Führungsfigur des Mitte-Links-Bündnisses, hat seinen Rückzug angekündigt. Und der 31-jährige Luigi di Maio ist der Mann der Stunde. Die Fünf-Sterne-Bewegung, die er im Wahlkampf geführt hat, ist die stärkste Partei im neugewählten Parlament.

Black Box "Cinque Stelle"

Di Maio könnte also Italiens neuer Ministerpräsident werden – und gibt sich schon entsprechend staatsmännisch in der Analyse der Wahl:

"Das ist ein postideologisches Ergebnis. Jenseits aller Schemata von rechts und links. Bei dem Ergebnis geht es um die großen, ungelösten Themen des Landes. Das müssen wir immer präsent haben: beim Ergebnis der Wahl vom 4. März geht es um  Themen nicht um Ideologien. Deshalb sind wir uns bewusst, dass die Bürger das Programm der Fünf Sterne gewählt haben."

Luigi Di Maio

Dabei ist das Programm der Fünf Sterne in vielen wichtigen Bereichen noch recht nebulös. Doch Di Maio vertrat es, stets recht bieder gekleidet, mit einem jungenhaften Lächeln im Gesicht, auch als er sein Schattenkabinett vorstellte, das nicht etwas aus Politikern, sondern aus Experten besteht.

"Ich will den besten Leuten, die etwas verändern wollen, sagen: wenn ihr dieses Land verändern wollt, dann ist die Fünf Sterne-Bewegung offen. Natürlich muss man mit den Werten, den Prinzipien einverstanden sein, einige Regeln respektieren."

Luigi Di Maio

Lieber unerfahren als unehrlich

Die Regeln der Fünf-Sterne haben ihn an die Spitze katapultiert: 189 online abgegebene Stimmen hatten ausgereicht, damit er zur Parlamentswahl 2013 aufgestellt wurde. Zum Spitzenkandidaten machten ihn etwas mehr als 30.000 Wähler in einer weiteren Online-Abstimmung im letzten Herbst. Im Abgeordnetenhaus wurde er mit 26 der jüngste Parlamentsvizepräsident aller Zeiten. Als er, während er mit seiner Fraktion für Tumulte sorgte, von Parlamentspräsidentin Laura Boldrini an sein Amt erinnert wurde, bügelte er die Rüge mit der Bemerkung ab, dass die Präsidentin dem Parlament vorsitze und nicht er.

Beppe Grillo und Luigi di Maio im Wahlkampf

Di Maio wuchs in Pomigliano auf, einer Industriestadt im Nordosten von Neapel. Sein Vater, der eine Baufirma hat, hängt den Postfaschisten an, seine Mutter ist Lehrerin. Er selbst hat zwei Studiengänge abgebrochen, versuchte sich als Webmaster, war Ordner im Stadion und Kellner, aber einen festen Job hatte er, wie viele junge Italiener, noch nie.

Vielleicht gilt er gerade deshalb als glaubwürdig – auch weil er, anders als Fünf-Sterne-Gründer Beppe Grillo, nicht sich selbst sehr in den Vordergrund stellt, sondern „la squadra“, die Mannschaft betont.

Di Maios Motto: Die Mannschaft ist der Star

Das ist für das Italien der letzten Jahre, wo in den meisten Parteien die so genannten „Leader“ den Ton angeben, durchaus ein Novum, sagt die Politikwissenschaftlerin Vera Capperucci:

"Meiner Meinung nach ist Di Maio kein Leader, er hat nicht die Eigenschaften einer Führungsperson. Di Maio ist ein Streber, einer der Verantwortungssinn hat für das, was er tut. Und er gibt sich irgendwie institutionell. Vielleicht spricht seine mangelnde Erfahrung gegen ihn. Aber auf Unerfahrenheit haben die Fünf Sterne ihren Wahlerfolg gegründet, nach dem Motto: besser die, die nicht qualifiziert sind, als die uns beklauen."

  Vera Capperucci

Gewählt wurden Luigi di Maio und seine Mannschaft nicht nur aus Protest, sagen Wahlforscher, sondern von vielen, die immer noch daran glauben, dass Politik Probleme lösen kann. Das wird der 31-Jährige jetzt unter Beweis stellen müssen. Zuerst beim Finden einer Regierungsmehrheit – und dann möglicherweise als Italiens neuer Premierminister.


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NoRechtspopulisten, Mittwoch, 07.März, 09:36 Uhr

1. Ein EU-Staat nach dem anderen driftet nach rechts.

Asylchaos ohne Obergrenze puscht die Rechtspulisten und EU-Kritiker in die Regierungen. Das destabilisiert die EU.
Ein Staatsbankrott Italiens gefährdet den EUR. Deutschland kann Italien nicht so wie das kleinere Griechenland retten.
Asylchaos gefährdet alles was wir aufgebaut haben, die Demokratie, die EU, den EUR und die Sozialsysteme.

  • Antwort von forist, Mittwoch, 07.März, 10:01 Uhr

    >>Deutschland kann Italien nicht so wie das kleinere Griechenland retten<<

    Italien u.Staatsbankrott.
    Bei den geringsten Anzeichen eines Staatsbankrotts sehe Ich im Geiste die alte u.neue Weltretterin mit dem Geldkoffer im Gepäck Richtung It.eilen.

    Deutschland ist soooooo reich,"wir schaffen das":-)

  • Antwort von Wolf, Mittwoch, 07.März, 18:14 Uhr

    Die teuersten Flüchtlinge sind Steuerflüchtlinge,zahlt alle eure Steuern und Europa hat kein Problem. Gilt im besonderen für Italien und Griechenland....kein einziger griechischer Reeder zahlt auch nur einen Euro in griechischeKassen. Und wer einen vorbestraften Steuerhinterzieher und schmutzigen alten Mann wählt hat eh nichts besseres verdient.

  • Antwort von Endlosschleife , Mittwoch, 07.März, 23:35 Uhr

    @Wolf
    Kommen Sie aus der Asylindustrie oder sind Sie von der linksextremen Antifa?

  • Antwort von Kats, Donnerstag, 08.März, 10:57 Uhr

    @ Endlosschleife
    (Anm. d. Redaktion: Ihr Kommentar wurde entfernt. Die Online-Redaktion möchte im Kommentarbereich Raum für den Austausch von Argumenten und eine sachliche Diskussion bieten. Wir bitten deshalb auf Kommentare zu verzichten, die lediglich der Diskreditierung von Personen dienen. Die Online-Redaktion) Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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