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Umweltverschmutzung Löschschaum mit giftigem PFC belastet Böden und Grundwasser in Manching

Es geht um per- und polyfluorierte Chemikalien - kurz PFC. Die Wissenschaft schließt nicht aus, dass die Stoffe dem Menschen schaden. PFC sind in Löschmitteln zu finden. Die Bundeswehr hat sie auf ihren Flugplätzen eingesetzt - auch im oberbayerischen Manching. Der Boden ist deshalb belastet und die Anwohner fragen: Wie will die Bundeswehr das Problem lösen?

Von: Thomas Kießling, Alexander Loos

Stand: 24.01.2018

Jahrzehntelang verwendete die Feuerwehr des Manchinger Flugplatzes Löschschaum mit giftigen polyfluorierte Chemikalien, den sogenannten PFC-Stoffen. Über das Grundwasser hat sich das Gift in der Umgebung ausgebreitet - mit erheblichen Konsequenzen für die Anwohner.

Landwirt Christoph Kloiber steht auf seinem Feld in Westenhausen, nahe Ingolstadt. In ein paar Wochen muss er es wieder bewässern, um die neue Saat vorzubereiten. "Wir haben Wasser in ausreichender Menge, aber wir dürfen es nicht mehr nehmen", so der Bauer. Das Problem: Das Wasser ist mit den giftigen PFC-Stoffen verseucht.

PFC-belastetes Erdreich in der Nähe des Manchinger Flugplatzes

Ein paar Hundert Meter weiter, im Westenhausener Ortskern, hat auch Grundstücksbesitzer Robert Zimmermann Probleme mit Gift im Boden. Er würde auf seinem Grund gerne ein Haus mit Keller bauen. Aber durch den verunreinigten Erdaushub muss er mit enormen Mehrausgaben rechnen: "Die Zusatzkosten wären einmal für die Wasserentsorgung mit Aktivkohlefilter 30.000 Euro und um das Erdreich zu entsorgen 40.000 Euro." Kosten, die er nicht tragen kann.

Jahrzehntelange Verschmutzung durch Löschschaum-Einsatz

Der Ursprung der Verschmutzung liegt in Sichtweite der Westenhausener Bürger: Der nahegelegene Manchinger Flugplatz, ein Militärflughafen, der von der Bundeswehr betrieben wird. Seit den 70er Jahren hat die Feuerwehr dort PFC-haltigen Löschschaum in Übungen und Einsätzen verwendet. Seit 2011 ist PFC zwar nicht mehr in Löschschäumen enthalten. Das Gift hat sich in der Vergangenheit aber über das Grundwasser verteilt, bedroht angrenzende Felder und Dörfer.

Verdacht: PFC ist krebserregend

PFC steht für per- und polyflourierten Chemikalien. PFC-Stoffe sind stark wasserabweisend und finden sich in regenfester Kleidung und Teflonpfannen. Die Chemikalien stehen in Verdacht gesundheitsschädigend zu sein. Derzeit laufen dazu noch großangelegte Studien. Wissenschaftler wie Jörg Drewes, der Leiter des Lehrstuhls für Siedlungswasserwirtschaft an der TU München, warnt bereits jetzt vor diesen Stoffen: "In medizinisch-klinischen Versuchen hat man gesehen, dass diese Stoffe auch krebserregend sind. Da ist es häufig dann nicht so, dass wir eine klare Schwellenkonzentration haben, sondern kleinste Konzentrationen sind theoretisch in der Lage, Krebs auszulösen."

Landwirte wegen der PFC-Belastung besorgt

Für die Landwirte in Westenhausen bedeutet dies, dass sie Gefahr laufen ihre Pflanzen mit den Chemikalien zu verseuchen, wenn sie sie mit PFC-belastetem Wasser bewässern. Bisher sind die Früchte auf den Äckern rund um den Ort noch nicht betroffen. Landwirt Peter Plank fürchtet vor allem einen heißen Sommer: "Wenn wir nicht beregnen dürfen, haben wir eine Ertragsschwankung von bis zu 100 Prozent, bei der Zuckerrübe zum Beispiel." Um sich mit ihrem Problem Gehör zu verschaffen, haben die Westenhausener Landwirte nun eine Interessensgemeinschaft gegründet.

"Keine Gefahr für Leib und Leben"

Auch der Pfaffenhofener Landrat Martin Wolf (CSU) versucht den betroffenen Bürgern und Landwirten zu helfen: "Wir haben uns bereits vor einem Jahr an das zuständige Verteidigungsministerium gewandt und haben bis jetzt keine Antwort." Auf BR-Anfrage teilt die Bundeswehr, die den Manchinger Flugplatz betreibt, mit, dass nach Bewertung der zuständigen Behörden keine Gefahr für Leib und Leben ausgehe. Derzeit werde der Sachverhalt noch geprüft. Das kann aber noch dauern. So lange bleiben die Betroffenen auf ihren Mehrkosten sitzen, etwa wenn Bauern sauberes Wasser mit Tankwägen heranschaffen oder Bauherren ihren Erdaushub teuer entsorgen müssen.

Rund 20 PFC-Fälle in Bayern

Das Problem mit PFC-belasteten Böden besteht in Bayern an mehreren Orten. Laut Bayerischem Landesamt für Umwelt (LfU) gibt es im Freistaat derzeit rund 20 Verdachtsfälle, die untersucht werden. Dabei handelt es sich um Flächen rund um Flughäfen, zum Beispiel in Nürnberg oder München. Aber auch Privatgelände sind betroffen, wie etwa der Industriepark in Münchsmünster. Dort wurden bei einem Brand im Jahr 2005 große Mengen Löschschaum eingesetzt.

Das LfU veröffentlicht nicht alle PFC-belasteten Standorte. Es handle sich teilweise nur im Verdachtsfälle, weshalb man einen Imageschaden für eventuell Betroffene vermeiden wolle, so ein LfU-Sprecher auf Anfrage des BR.


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Maria Kloiber , Donnerstag, 25.Januar 2018, 10:47 Uhr

5. "Keine Gefahr für Leib und Leben"

Das verseuchte Erdreich am bundeswehrgelände entsorgen (siehe münchsmünster) wäre ein seit Jahren absolut notwendiger Schritt.
Kostet leider ein paar Euro.
Also lieber (seit 2011) darauf pochen, dass "keine Gefahr für Leib und Leben" bestünde.
Und das pfc sickert weiter ins Grundwasser, mit jedem Regenschauer spült die Bundeswehr IHR Gift (Verursacherprinzip!) in UNSER Grundwasser.
Ein teures Gut, das der Allgemeinheit gehört. Mit welchem Recht darf die Bundeswehr das tun?

Chiemgau - Michi, Mittwoch, 24.Januar 2018, 20:53 Uhr

4. Ich verordne . . .

6 x täglich morgens auf nüchternen Magen 1 Glas PFC belastetes Wasser für alle Verantwortlichen . Was glaubt ihr wie schnell das Problem in Angriff genommen wird.

Politi, Mittwoch, 24.Januar 2018, 19:09 Uhr

3. Machts doch wie in Altötting

... da hat man das vergiftete Grundwasser einfach verdünnt - sprich die Leute trinken das Gift nur in einer Dosis wie sie das Wasseramt gerade noch bezahlen will....

Das heisst dann verantwortliche Politik!

Heidemarie Schubert-Kluge, Mittwoch, 24.Januar 2018, 17:09 Uhr

2. Gefahr von PFC

Wenn, wie in ihrem Artikel erwähnt, auch in Teflonpfannen PFC enthalten ist und dieses krebserregend sein soll, dann wundert es mich, dass Teflonpfannen nicht schon lange verboten wurden.

  • Antwort von Maria Kloiber , Mittwoch, 24.Januar, 21:57 Uhr

    Das frag ich mich - ehrlich gesagt - auch. Seit 2011 ist bekannt, dass PFC nicht gerade gesundheitsfördernd sind, daher verboten.
    Vielleicht erobern auch gerade deshalb Edelstahl- und Emaillepfannen wieder die Küchen?!
    Nur mal zum nachdenken - weniger Fett, dafür aber PFC in der Teflonpfanne...

Squareman, Mittwoch, 24.Januar 2018, 13:28 Uhr

1. Manching ist überall, ...

...zum Beispiel auch in Altoetting. Da wird jahrzehntelang die Umwelt vergiftet und keinet unternimmt was dagegen. Jetzt ist dad Kind in den Brunnen gefallen und giter Rat ist teuet, im wahrsten Sinne des Wortes. Bezahlen darf das ganze dann der Seuerzahler mit Millionen und die Anwohner mit ihrer Gesundheit. Schuld an der Misere ist doch der Jahrzehnte alte CSU Filz, aber trotzdem wird im Herbst die CSU wieder die Regierung stellen, notfalls mit der AfD.

  • Antwort von Woidtruderinger, Mittwoch, 24.Januar, 17:26 Uhr

    @Squaremann
    <CSU Regierung zusammen mit der AfD>

    Gott bewahre,"beliebte" Kollegen könnten nachfolgend ernsthafte physische-sowie psychische Beeinträchtigungen erleiden:-)

  • Antwort von Hamster, Mittwoch, 24.Januar, 19:08 Uhr

    Das hat doch nichts mit Politik zu tun .....PFC soll nicht nur in Feuerlöschschäumen vorhanden sein sondern auch in Regen- und Outdoorkleidung, Teppiche, Polstermöbel, Tischdecken, antihaftbeschichtes Kochgeschirr wie Pfannen, wasser- und fettabweisendes Papier und Pappe (Backpapier, Pappbecher), Lebensmittelverpackungen wie fettabweisende Fast-Food-Behälter und Pizzaschachteln, Baustoffe, Wetterschutzfarben- und -lacke, usw. ...usw .
    Zur Umweltbelastung mit PFC tragen doch viele Bürger Mitschuld....

  • Antwort von Danke FDP , Mittwoch, 24.Januar, 21:51 Uhr

    @Squareman
    Ich hoffe das die CSU wieder die Regierung stellt.
    Alles ist besser als die Grünen oder eine SPD die ständig irgendwen befragen muss weil die Führungsmannschaft nichts, aber auch gar nichts, auf die Reihe bekommt.
    Daher „CSU aus Mangel an Alternativen wiedergewählt“. Klingt komisch, ist aber so.

  • Antwort von Maria Kloiber, Mittwoch, 24.Januar, 22:08 Uhr

    Also - bleiben wir doch bei den Fakten.
    Seit 2011 ist die Verwendung von pfc in Löschschäumen verboten. Vorher wusste man nicht, dass die Stoffe nicht nur gut zum löschen von Bränden sind, sondern auch gesundheitsgefährdend.
    Nun, da man es (seit inzwischen 7 Jahren!) weiß, wäre es ein wichtiger erster schritt, die "Quelle" zu beseitigen, also den pfc-verseuchten Boden zu entsorgen, damit nicht immer noch mehr pfc ins Grundwasser sickert. Und da ist klar die Bundeswehr in der Pflicht - aus Verantwortung gegenüber den Menschen, den kommenden Generationen und der Umwelt.
    Wir warten darauf!
    Seit Jahren...