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Probleme mit neuem Datensystem Lidl setzt 500 Millionen Euro mit Software von SAP in den Sand

Weil die Einführung eines neuen Datensystems nicht geklappt hat, musste die Deutsche Post vor einigen Jahren bereits einen hohen Verlust verbuchen. Das Gleiche ist nun auch Lidl passiert. Nach sieben Jahren und Kosten von mehr als einer halben Milliarde Euro läuft das geplante System noch immer nicht reibungslos. Jetzt hat der Discounter die Reißleine gezogen.

Von: Ralf Schmidberger

Stand: 16.07.2018

Das Markenschild von Lidl an einer Filiale. | Bild: BR/Herbert Ebner

Seit Jahren ist Lidl auf Expansionskurs. In fast allen Ländern in Europa hat der Discounter aus Neckarsulm mittlerweile Filialen und wächst nun auch in den USA. Ein neues Warenwirtschaftssystem sollte her, um bei den immer komplexeren Geschäftsgängen leicht den Überblick zu haben und die Filialen, den Einkauf und die Logistik zu steuern. So die Entscheidung im Jahr 2011.

System von SAP taugt nicht für umsatzstarke Länder

Eine Software des Walldorfer Betriebssoftware-Konzerns SAP sollte auf die Bedürfnisse von Lidl angepasst werden. Bislang wurde das neue System aber nur in den kleinen Vertretungen in Österreich, Nordirland und den USA eingeführt. Dabei hat sich wohl gezeigt, dass die von über hundert IT-Spezialisten entwickelte SAP-Version für umsatzstarke Länder nicht taugt. Nun hat Lidl das Projekt gestoppt.

Eine halbe Milliarde Euro für kostspielige IT-Berater und SAP-Lizenzen

In einem der Zeitung "Heilbronner Stimme" vorliegenden Schreiben an die Mitarbeiter heißt es, die eigentlichen "Ziele"“ seien "nicht mit vertretbarem Aufwand" erreichbar. Bis jetzt hat das Projekt nach Expertenmeinung schon mehr als eine halbe Milliarde Euro verschlungen – etwa für kostspielige IT-Berater und SAP-Lizenzen. Nun will Lidl nach eigenen Angaben sein altes Warenwirtschaftssystem weiterentwickeln.


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Zack, Montag, 16.Juli, 17:23 Uhr

9. Schlechte Werbung für SAP

Auch bei anderen Unternehmen ging das schon schief. Liegt es an der Vertragsgrundlage?
Der BER wird ja wohl auch nur deshalb nie fertig, weil sich die Unternehmen nach Herzenslust pro Stunde bezahlen lassen. Sind unsere Vertragsjuristen zu doof?
Die Schweizer oder Niederländer können das.

Markus Oelhaf, Montag, 16.Juli, 17:09 Uhr

8. Unglaublich


Da bekomme ich den Eindruck, dass die Leute die da am Werke waren nicht allzuviel Ahnung hatten was der Kunde benötigt. Im schwäbischen würde man Fachsimpel sagen.
SAP soll sich mal von Lidl das alte Warenwirtschafssystem zeigen lassen.

Das Leihschwein , Montag, 16.Juli, 16:57 Uhr

7. Da hat sich Lidl von SAP an der Nase herumführen lassen.

kann mir nicht vorstellen das man sieben Jahre benötigt um festzustellen das eine bestimmte Software für ihre Bedürfnisse nicht passt. Aber so ist es bei Führungskräfte in den Konzernen, die haften für nichts und niemanden, egal wie hoch der Schaden ist. Auf jeden Fall konnten sich SAP/IT Berater über den langen lukrativen Auftrag freuen ohne ein Ergebnis zu liefern.

MW, Montag, 16.Juli, 16:44 Uhr

6. Wundert mich nicht

IT-Spezialisten: Neusprech für "Absolventen einer Universität/FH ohne nennenswerten Praxisbezug"

Ich hab hier (als Admin) ständig mit solchen Heinis zu tun. Kosten ein Schweinegeld, haben meist keinen Funken Ahnung vom Thema, erzählen dir als Praktiker aber, wie das zu laufen hat. Hardware für 100k? Kein Problem. Wie, die ist völlig unterdimensioniert? Aber der IT-Consultant hat gesagt, dass das DER HEISSE SCHEISS wäre... kann gar nicht sein! Der war so teuer, der muss gut sein! Und am Ende heißt es: "Wir haben leider nicht genug Geld im Projekt, um Ihnen die Gehaltserhöhung zu zahlen." Klar, bin ja nur derjenige, der die Scheiße, die ihr am Konferenztisch verbockt habt, über Wasser hält, damit nicht alles in einem großen Knall implodiert. Wenn ich für jeden getroffenen Idioten, der sich Fachkraft schimpft, pro Monat nen Euro Gehaltserhöhung bekommen würde, ginge ich wohl einmal pro Woche an eine IT-Fakultät, stellte mich in den Hof und lachte jeden Prof aus, der an mir vorbei läuft.

Squareman, Montag, 16.Juli, 16:16 Uhr

5. Ausser Spesen nichts gewesen

Das wirft kein gutes Licht auf unser Vorzeigeunternehmen SAP. Millionen ausgegeben für nichts. Die müssen nicht programmieren können sondern nur so tun als ob. Aber da sind sie ja in einer Liga mit anderen Vorzeigeprojekten wie der Gesundheitskarte.