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Fortbildung Lehrer sollen den Islam besser verstehen

Schule - das bedeutet pauken und büffeln. Schule bedeutet aber auch Aufeinandertreffen von Kulturen. Gerade der Islam stellt bayerische Lehrer immer wieder vor Herausforderungen. Um diese zu meistern, durften sie nun selbst die Schulbank drücken.

Von: Barbara Weiß, Martin Jarde

Stand: 13.07.2018

Ein Schüler der sechsten Klasse an einem Gymnasium meldet sich im Unterricht (Symbolbild). | Bild: dpa-Bildfunk/Armin Weigel

Missverständnisse und offene Frage. Die gibt es überall - auch beim Thema Islam. Darum hat der Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte und Public History der Ludwig-Maximilians-Universität zusammen mit dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus am Donnerstag eine Fortbildung organisiert. Das Thema: Wahrnehmung und Bewertung islamischer Lebens- und Glaubenswelten - Herausforderungen für die Schule.

Große Resonanz der Fortbildung überrascht Veranstalter

Ethiklehrer, Deutschlehrer und Sozialkundelehrer aus ganz Bayern waren angereist, um einen Einblick in die islamische Lebenswelt zu bekommen. Die Organisatoren waren von der großen Resonanz überrascht.

"Ungewöhnlich viele Lehrer haben sich angemeldet. Wir sind froh, dass wir erkannt haben, dass hier ein Mangel besteht und dass wir etwas machen können."

Inci Özel, Organisatorin

Ehrenamtliche Aufklärung über den Islam an Schulen

Inci Özel, Lehramtsanwärterin für Deutsch und Geschichte und selbst Muslima, hat die Fortbildung mit organisiert. Bereits während ihres Studiums hat sie auf Anfrage ehrenamtlich an Schulen über den Islam informiert.

"Lehrer haben mir berichtet, dass die Schüler überfordert sind von dem negativen Islambild. Wir haben Fragerunden an Schulen organisiert und die Resonanz war faszinierend: es half den Schülern, Missverständnisse aufzuklären."

Inci Özel

Besseres Miteinander durch Information

Schulen sind heute ein Ort, an dem viele Kulturen und Religionen zusammentreffen. Missverständnisse sind da vorprogrammiert. Es muss ja nicht immer gleich zum Konflikt kommen. Trotzdem: ein besseres Miteinander gelingt, wenn zumindest die Lehrer über die verschiedenen Facetten des Islam informiert sind.

"Weil sich Schule immer mehr mit der Heterogeniät befasst. Und weil es schon Bedarf gibt für mehr Information der verschiedenen islamischen Lebenswelten, die in unseren Klassenzimmern Wirklichkeit werden."

Werner Karg, Bayerisches Kultusministerium

Radikalisierung und Salafismus

Auch die Radikalisierung junger Muslime war Thema der Tagung. Im Vordergrund sollte aber nicht Extremismusprävention stehen, sondern das Kennenlernen einer Lebens- und Glaubenswelt, die vielen Lehrern unbekannt ist. Dass auch muslimische Lehrer wie Inci Özel teilgenommen haben, hat zu einem weiteren, vertieften Austausch geführt.


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