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Laurentiustränen Die Nacht, in der die Sterne vom Himmel fallen

Im Volksmund werden Sternschnuppen auch "Laurentiustränen" genannt - zum Gedenktag des Heiligen am 10. August, weil um diesen Zeitpunkt Sternschnuppen besonders zahlreich zu sehen sind.

Von: Andrea Kammhuber

Stand: 11.08.2016

Rosettennebel  NGC 2237 | Bild: Frank Mittrach

Um den 10. August herum schlagen die Herzen der Verliebten und der astronomisch Interessierten höher. Und: wer Lorenz oder Laurentius heißt, feiert seinen Namenstag am besten nachts unter freiem Himmel. Denn in diesen Nächten durchquert die Erde den Meteoritengürtel der Perseiden und Hunderte von Sternschnuppen fallen vom Himmel. Wer eine solche "Laurentiusträne" sieht, dessen Wunsch geht - nach altem Glauben - in Erfüllung.

Sternwarte im Kloster Münsterschwarzach

Auch Pater Christoph Gerhard, Cellerar des Benediktinerklosters Münsterschwarzach und leidenschaftlicher Astronom, wird diese Nächte von seiner Sternwarte im Kloster aus genau beobachten. Er vermutet, dass die meisten Sternschnuppen am Morgen des 13. August von 2:00 Uhr ab bis zur Morgendämmerung um 5:00 Uhr zu beobachten sind. Und da ein Tag später Neumond ist, wird diese Nacht besonders dunkel sein. Seit 20 Jahren betreibt der Benediktiner auf dem Gelände der Abtei Münsterschwarzach die alte klösterliche Wissenschaft der Beobachtung der Sterne. Ihn beschäftigt dabei nicht nur die Astronomie, sondern auch ihr Zusammenhang mit dem Glauben und einer gelebten Schöpfungsspiritualität.

"Der Kometenstaub, den wir als Sternschnuppen sehen, stammt vom Schweif des periodischen Kometen 109P/Swift-Tuttle. Genau genommen sehen wir nicht das Verglühen der Staubkörner selbst, sondern das Leuchten der erhitzten und ionisierten Luft."

Pater Christoph Gerhard

Himmlisches Feuerwerk

Im Volksmund werden die Sternschnuppen auch Laurentiustränen genannt. Sie gehen zurück auf den römischen Märtyrer Laurentius. Die Vita des Heiligen ist legendär und wurde immer wieder ergänzt und ausgeschmückt. Er soll im 3. Jahrhundert in Aragon (Nordostspanien) geboren worden sein. Papst Sixtus II. hat ihn nach Rom geholt. Kurz bevor der Papst im Zuge der Christenverfolgung enthauptet wurde, vertraute er ihm, seinem Diakon, den Kirchenschatz an.

"Die Armen sind der wahre Schatz der Kirche."

Papst Sixtus II.

Laurentius unterstützte mit diesem Geld Arme, Kranke, Witwen und Waisen. Kaiser Valerian gefiel das nicht. Er forderte den Diakon auf, den Schatz herauszugeben. Doch Laurentius - so wird erzählt - verteilte auch noch das restliche Geld an die Armen und führte anschließend die Armen, "den wahren Schatz der Kirche", zum Kaiser. Das war Provokation pur. Der Kaiser fackelte nicht lange und ließ Laurentius hinrichten. Östliche Martyriumsberichte beschreiben im 4. Jahrhundert die Todesart. Danach wurde Laurentius am 10. August 258 auf einem glühenden Rost zu Tode gemartert. Kurz vor seinem Tod soll er zu seinen Peinigern gesagt haben:

"Auf einer Seite bin ich jetzt gar, du kannst mich umdrehen."

Laurentius

Patron der Köche

Die Art seines Todes hat es mit sich gebracht, dass der heilige Laurentius zum Schutzpatron all derer wurde, die mit Feuer zu tun haben, besonders der Köche, die Schmackhaftes auf dem Rost zubereiten. Die Köche schwören also bis heute darauf, dass Laurentius nichts anbrennen lässt und feiern den populären Heiligen jedes Jahr mit einem besonderen Fest. 2011 wurde in Altötting aufgekocht, aufgedeckt und aufgetischt. Gastgeber war der Köche-Verein Inn-Salzach. In diesem Jahr lädt der Verein der Köche Starkenburg e.V. am Montag, den 10. August, Mitglieder, Köche und Laurentius-Fans nach Höchst in den nördlichen Odenwald. Nach einem ökumenischen Gottesdienst in Zunftkleidung warten gemütliches Beisammensein und kulinarische Genüsse aus vielen Regionen Deutschlands. Außer den deutschen Köchen halten übrigens auch die Bäcker, Bierbrauer, Glasbläser, Bibliothekare und Feuerwehrleute die Erinnerung an den Märtyrer lebendig. Es gibt sogar eine Bruderschaft, die sich bis heute wie der Heilige Laurentius für Arme und Bedürftige einsetzt.


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