Debatte in Schwabach Landessynode beschließt Segnung von homosexuellen Paaren

Die evangelische Landeskirche will öffentliche Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare einführen. Einen entsprechenden Vorschlag verabschiedete am Abend die Landessynode bei der Tagung in Schwabach bei Nürnberg. Doch vor allem unter konservativen Protestanten stößt das Vorhaben auf Widerspruch.

Von: Tilmann Kleinjung

Stand: 19.04.2018

Bild: dpa-Bildfunk/Daniel Karmann

Ingrid Braun ist Pfarrerin im fränkischen Weiltingen. Vor der Tagung der Landessynode in Schwabach hat sie in ihrer Gemeinde nachgefragt: Was haltet ihr von Segnungsgottesdiensten für homosexuelle Paare?

"In meiner Gemeinde gibt es Menschen, die damit nicht einverstanden wären. Es gibt andere, die fänden das gut. Ich sehe den Streit in meiner Gemeinde vorprogrammiert, ich sehe den Streit in der Kollegenschaft. Ich halte das für hoch problematisch."

Pfarrerin Brauns Haltung ist eindeutig, sie ist Mitglied im konservativen Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern (ABC). Sie lehnt Segnungsgottesdienste für homosexuelle Paare ab, fürchtet eine Verwechslung mit der kirchlichen Trauung. Außerdem dürfe die Kirche doch nicht segnen, was die Bibel ausdrücklich ablehne.

"In der Bibel wird von Anfang an die Ehe von Mann und Frau unter den Segen Gottes gestellt und das zieht sich durch die ganze Heilige Schrift durch. Wir sehen im ABC keine Möglichkeit, diesen Segen auf gleichgeschlechtliche Paare auszuweiten."

Mehrheit bei Landessynode für Segnung homosexueller Paare

Das ist eine Minderheitenmeinung in der evangelischen Kirche in Bayern. Bei der Debatte während der Landessynode in Schwabach gab es neben wenigen kritischen Stimmen viel Zustimmung für den Vorschlag, homosexuelle Paare in der Kirche, in öffentlichen Gottesdiensten zu segnen.

Mit 72 Ja Stimmen, bei 21 Nein Stimmen wurde am Ende einer langen Debatte dieser Satz verabschiedet: "In der Evangelischen Kirche in Bayern sind  künftig "Segnungen" gleichgeschlechtlicher Paare im Gottesdienst [..]  möglich." Bisher fanden solche Segnungen im "seelsorgerlichen Rahmen", also unter Ausschluss der kirchlichen Öffentlichkeit statt. Kein Glockengeläut und keine öffentliche Bekanntgabe. Das soll sich nun ändern. Doch damit will man nicht nach der "Ehe für alle" die "Trauung für alle" einführen, so Michael Martin von der evangelischen Landeskirche.

"Seit mehr als 25 Jahren haben wir uns in unserer Kirche verantwortungsvoll und behutsam mit diesem Thema auseinander gesetzt. Der Eindruck, dass wir als evangelisch-lutherische Kirche in Bayern auf die Ehe für alle reagieren, ist daher nicht zutreffend."

"Gewissensklausel" für Pfarrerinnen und Pfarrer

Es gibt eine Gewissensklausel in dem Beschluss der Synode. Pfarrerinnen und Pfarrer, die die Segnung von homosexuellen Paaren ablehnen, dürfen auch künftig nicht zu solchen Gottesdiensten verpflichtet werden können. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm warb vor der Synode allerdings dafür, auch die Perspektive der betroffenen Paare einzunehmen.

"Das sind Menschen, die leiden darunter, dass sie sich verstecken müssen, dass sie diesen Segen nicht bekommen. Die sind nicht sehr laut, die scheuen sich davor Unterschriften zu machen. Aber es gibt sie. Und die leiden sehr unter dieser Frage."

Die Gegner der Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fürchten dagegen, dass viele Mitglieder ihrer Kirche nun aus Protest den Rücken zukehren werden.