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Kuba öffnet sich wirtschaftlich Verlockung für deutsche Unternehmen

Bisher sind zwar nur wenige deutsche Firmen in Kuba vertreten. Doch das könnte sich allmählich ändern. In der deutschen Botschaft sind schon viele Anfragen eingegangen, vor allem von Mittelständlern.

Von: Stephan Lina

Stand: 12.08.2016

Industriegelände in Havanna mit einem Plakat von Fidel Castro und der Aufschrift "Sozialismus oder Tod", Archivbild von 2015 | Bild: picture-alliance/dpa

Kuba öffnet sich, und viele wollen hin. Das ist der Eindruck von Experten, die sich mit den Chancen beschäftigen, die sich deutschen Unternehmen im sozialistischen Karibikstaat bieten. Bei der deutschen Botschaft in Havanna gingen vor allem in den vergangenen Monaten zahlreiche Anfragen ein, gerade von Mittelständlern, die den Sprung nach Kuba wagen wollen. Theoretisch gebe es durchaus einen riesigen Markt, sagt Botschafter Thomas Neisinger. Im Prinzip fehle es an allem, es gebe einen gewaltigen Investitions-Stau, vor allem im Bereich der Infrastruktur.

"Wir haben große Chancen im Energiebereich, gerade im Bereich der erneuerbaren Energien. Außerdem gibt es Investitionsbedarf bei der Lebensmittelverarbeitung: bei Fertigprodukten, bei Convenience-Produkten für Hotels, für die Gastronomie. Ich glaube, dort gibt es noch eine Menge an Möglichkeiten."

Thomas Neisinger, deutscher Botschafter in Kuba

Bürokratische Hürden

Das ist zumindest die Theorie. In der Praxis sieht es dann schon anders aus. Westliche Firmen, die es in Kuba versuchen, klagen über eine zähe Bürokratie. Zwar hat Staats- und Parteichef Raul Castro die Öffnung angeordnet, doch in den Behörden sitzen zumeist altgediente Parteikader, die westliche Investoren oft als kapitalistische Gefahr für die Revolution sehen. Allerdings deutet sich seit ein paar Wochen offenbar ein Wandel an. Mit Venezuela steckt der wichtigste Partner Kubas in der Krise. Damit verschieben sich die Gewichte, sagt Florian Steinmeyer. Er leitet das Mittelamerika-Büro von Germany Trade and Invest.

"Zur Wirtschaftslage auf Kuba muss man sagen, dass die Devisen-Situation im Moment wieder nicht so gut ist. Das sah 2015 schon einmal besser aus. Venezuela liefert wegen der dortigen Krise weniger Erdöl nach Kuba. Das fehlt Kuba zum einen direkt. Und auf der anderen Seite fehlen dann auch Devisen-Einnahmen. Denn es verkauft dieses Erdöl in verarbeiteter Form teilweise weiter."

Florian Steinmeyer, Germany Trade and Invest

Bedarf in der Energieversorgung

Kaum noch Öl aus Venezuela, das heißt konkret: Kuba muss vor allem schnell in seine Energieversorgung investieren, um das Land am Laufen zu halten. Hier gebe es auch großes Interesse von deutschen Mittelständlern, so Andreas Voß von der Unternehmensberatung Rödl & Partner, die vor Ort vertreten ist. Gerade bei alternativen Energien sei die Zahl der Anfragen bei ihm sprunghaft angestiegen.

"Neben den alternativen Energien kann man auch den Tourismus noch nennen. Alles was mit Bau, Konstruktion zu tun hat. Manche Sachen hängen ja auch zusammen."

Andreas Voß, Unternehmensberatung Rödl & Partner

Zum Beispiel, so Voß, gebe es bei Tourismus und alternativen Energien Schnittstellen. Dabei müsse man gar nicht an die großen Windparks denken, sondern auch an kleinere Projekte - zum Beispiel, dass ein Hotel mit 300 Betten sich selbst versorgen will und nicht abhängig sein möchte von der öffentlichen Energieversorgung. Dann baut sich das Hotel vielleicht eine Insellösung mit Photovoltaikzellen auf dem Dach. "Solche Lösungen werden jetzt auch ganz verstärkt nachgefragt", erzählt Voß.

Personal über staatliche Agentur

Hindernisse gebe es aber immer noch, sagen die Experten. So brauchen ausländische Firmen in Kuba – ähnlich wie in China – meistens einen lokalen Partner. Und auch das Personal dürfen sie in der Regel nicht selbst aussuchen. Das kommt von einer staatlichen Agentur, die auch den Löwenanteil der Gehälter einkassiert. Von einem freien Markt ist Kuba also nach wie vor weit entfernt.


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