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Bayerische Kriminalstatistik Mehr Straftaten im Freistaat, vor allem in Oberbayern

Die Zahl der von der Polizei in Bayern registrierten Straftaten ist 2016 um 3,3 Prozent gestiegen. Am meisten dabei in Oberbayern und vor allem in München. Am Mittag stellte Innenminister Joachim Herrmann die Zahlen vor.

Von: Henning Pfeifer und Oliver Bendixen

Stand: 19.03.2018 | Archiv

Ein fiktiver Einbrecher hebelt mit einem Brecheisen eine Tür im Keller eines Wohnhauses in Rottweil (Baden-Württemberg) auf  | Bild: picture-alliance/dpa/Silas Stein

614.520 Straftaten gab es 2016 im Freistaat, ein Anstieg um etwas mehr als drei Prozent. Um die relevanten Kriminalitätsfelder wie Gewalt, Drogenhandel oder Einbrüche abzubilden, wurden die ausländerrechtlichen Verstöße herausgerechnet, denn jede Einreise ohne gültigen Pass ist per Gesetz eine Straftat.

Der Zustrom an Flüchtlingen 2015 und 2016 spiegelt sich in der Statistik wieder. 2016 wurden unter ihnen etwas mehr als 26.000 Tatverdächtige erfasst. Ihnen werden knapp 3.500 Gewalttaten zugerechnet, die meisten davon, etwas über 2.000, wurden innerhalb der Asylbewerberunterkünfte begangen. 27.000 mal musste die Polizei insgesamt zu Unterkünften ausrücken.

Mehr Rauschgiftdelikte und Drogentote

Anstiege in der bayernweiten Kriminalstatistik gab es bei den Körperverletzungen, ein Plus von neun Prozent, bei der Zahl der festgestellten Rauschgiftdelikte mit einem Anstieg von 19 Prozent und bei der Internetkriminalität mit knapp vier Prozent. Rückgänge verzeichnete die Polizei bei Diebstählen und Raub.

Sorge bereitet die gestiegene Zahl der Drogentoten. 321 Menschen starben nach dem Konsum von Rauschgift, die meisten wegen Heroin. Auch die sogenannten "neuen psychoaktiven Substanzen", wie beispielsweise Kräutermischungen haben zu vielen Todesfällen geführt. 40 Menschen starben daran im vergangenen Jahr, im Jahr 2013 gab es durch diese Drogen einen einzigen Toten.

Bei den Wohnungseinbrüchen blieb die bayernweite Zahl fast unverändert. Knapp 7.500 mal wurde in Wohnungen eingebrochen oder ein Einbruch versucht. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl kommen auf 100.000 Einwohner in Bayern 58 Wohnungseinbrüche, der niedrigste Wert in der Bundesrepublik. Fast zwei Drittel aller Straftaten würden aufgeklärt, so Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Auch wenn noch nicht alle Zahlen der Bundesländer vorlägen, gehe er davon aus, "dass Bayern auch im vergangenen Jahr das Land mit der niedrigsten Kriminalitätsziffer war".

München: höchste Zuwachsrate seit über zehn Jahren

Die Verteilung ist der Straftaten ist regional sehr unterschiedlich. So wurde in Unterfranken ein Minus von rund neun Prozent festgestellt. Präsidialbereiche wie Niederbayern, Oberbayern-Nord und Schwaben-Südwest liegen im Landestrend.

In München bzw. Oberbayern-Süd ist ein deutlicher Anstieg erkennbar. So nahm die Zahl der Straftaten in der Stadt und im Landkreis München gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent zu, das war die höchste Zuwachsrate seit über zehn Jahren. Im südlichen Oberbayern stieg die Zahl der Straftaten sogar um acht Prozent. Im Präsidiumsbereich München waren es 110.000 angezeigte Delikte, in Oberbayern-Süd 52.000 Straftaten.

Peter Schall, Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft Bayern | Bild: Peter Schall

"Bayernweit haben die Straftaten in 2016 noch leicht zugenommen, wobei die Fallzahlen in den einzelnen Präsidien, ja selbst von Dienststelle zu Dienststelle, sehr unterschiedlich gestiegen sind. So gab es bei den Einbrüchen teilweise zweistellige Zuwachsraten, während die Einbruchszahlen bayernweit lediglich unter einem Prozent zugenommen haben."

Peter Schall, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP)

Mehr rohe Gewalt in Umfeld von Flüchtlingsheimen

Experten führen das erkennbare Plus im Bereich München auf mehrere Faktoren zurück. Dazu gehören unter anderem - mit einem Plus von 800 Fällen - die sogenannten Rohheitsdelikte. Nach Darstellung von Polizeiexperten werden immer mehr Körperverletzungsdelikte in oder im Umfeld von Wohneinrichtungen für Asylbewerber angezeigt. Laut den Experten stammen in den meisten Fällen Täter und Opfer aus verschiedenen dort untergebrachten Ethnien.

In den Flüchtlingsunterkünften herrschen aufgrund der Enge und der schwierigen Perspektiven für die Bewohner viel Stress, Frust und Hilflosigkeit, die schon bei kleinen Anlässen in Handgreiflichkeiten münden können.

"Es gab 2016 im Vergleich zu 2015 eine im bayernweiten Durchschnitt geringfügige Kriminalitätszunahme, die sich regional aber sehr unterschiedlich auswirkt. Davon betroffen sind in einigen Regierungsbezirken auch Asyl- und Flüchtlingsunterkünfte, sowohl in Bezug auf Straftaten untereinander als auch teilweise in deren Umkreis mit Auswirkungen auf und Wahrnehmung durch die Bevölkerung. Ich erwarte bei der Vorstellung der Kriminalstatistik, dass die betroffenen Einrichtungen und Regionen auch dezidiert dargelegt werden."

Herrmann Benker, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG)

Mehr Kontrollen in der Landeshauptstadt

In München gibt es zudem - bei einem Plus von 2.000 Anzeigen - einen massiven Anstieg beim Schwarzfahren und einen Anstieg bei Drogendelikten. Beides führt die Münchner Polizei auch auf verstärkte Kontrollen zurück. Im Bereich des Münchner Hauptbahnhofes hätten auf Druck der Bevölkerung hin Landes- und Bundespolizei 2016 ihre Überprüfungen drastisch ausgeweitet. Der Anteil von Asylbewerbern unter den dort festgenommenen Dealern stieg nach BR-Informationen ebenfalls an.

München: neun Prozent mehr Wohnungseinbrüche

In der Stadt und im Landkreis München nahmen 2016 auch die Wohnungseinbrüche zu. Der Zuwachs lag gegenüber 2015 bei neun Prozent und geht vor allem auf das Konto organisierter Banden aus Osteuropa, die systematisch ganze Stadtviertel in Visier nehmen.

Der Anteil der "nichtdeutschen Tatverdächtigen" unter den ermittelten Straftätern stieg im Bereich München von 46 Prozent in 2015 auf 48 Prozent in 2016. Fast jeder Fünfte (18 Prozent) unter den "nichtdeutschen Tatverdächtigen" gehörte zur Gruppe der Asylbewerber.

Einzelheiten für Oberbayern-Süd

Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd registrierten die Sicherheitsbehörden 52.000 Delikte, das waren acht Prozent mehr gegenüber 2015. Die Einbrüche in Büros und Geschäftsräume stiegen um 34 Prozent auf 537 Delikte, die der Sexualstraften um 18 Prozent auf 565 angezeigte Fälle. Die Zahl der Widerstandshandlungen gegenüber Polizisten, Justizbeamten, Feuerwehrleuten und Rettungsdienstangehörigen stieg um 26 Prozent.

Auch im südlichen Oberbayern machen sich Rohheitssdelikte im Bereich von Asylbewerbereinrichtungen in der Statistik deutlich bemerkbar. So wurden zwölf Prozent mehr Körperverletzungsdelikte verzeichnet. Die Zahl der Tötungsdelikte stieg von 54 im Jahr 2015 auf 67 - ein Plus von 34 Prozent. Den Anstieg führen Experten fast ausschließlich auf gewaltsame Auseinandersetzungen in Wohneinrichtungen für Asylbewerber zurück.


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