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Katholikentag Kreuz-Debatte: Kretschmann plädiert für säkularen Staat

Baden-Württembergs Ministerpräsident und Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Winfried Kretschmann, bleibt skeptisch gegenüber der zukünftigen Kreuz-Pflicht in bayerischen Behörden. Auf dem Katholikentag plädierte der Grünen-Politiker aber für die Achtung der Religion im säkularen Staat.

Von: Daniel Knopp

Stand: 11.05.2018

Kretschmann | Bild: picture-alliance/dpa

"Das ist so ein wenig der Trend. Jetzt glaubt man, man rettet das Christentum, indem der Staat etwas für das Christentum tut. Damit rettet man es nicht", sagte Kretschmann. "Das Aufhängen von Kreuzen in Behörden, was nützt das? Werden wir dadurch christlicher? Nein! Dadurch werden wir nicht christlicher. Das sind hilflose Versuche - und die Angst vor dem Islam und alles Mögliche steckt da dahinter, dass man jetzt denkt, man kann etwas erzwingen, das leider im Abnehmen ist", so Baden-Württembergs Ministerpräsident.

Neutralität des Staates bedeutet nicht, dass man Kreuze abhängen muss

Dass jedes Jahr zahlenmäßig eine Großstadt aus der Kirche austrete, könne der Staat nicht verhindern, sondern nur die Gläubigen und die Kirchen, so Kretschmann. Die Neutralität des Staates bedeutet laut Kretschmann nicht, dass man im öffentlichen Bereich alle Kreuze abhängen müsse. Der Staat dürfe sich aber nicht so einfach auf die Seite einer Religion schlagen, ansonsten herrsche keine Religionsfreiheit.

Kretschmann: Deutschland ist ein säkularer Staat - kein laizistischer

"Die Trennung von Staat und Kirche ist bei uns eine Kooperative und keine Radikale. Wir sind ein säkularer und kein laizistischer Staat. Die Neutralität des Staates ist eine übergreifende, man würde sagen, eine inkludierende. Sie nimmt die Religion mit rein, schaut aber, dass keine bevorzugt oder benachteiligt wird, das ist die Aufgabe des Staates."

Winfried Kretschmann

Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitess der deutschen Katholiken

Schon zu Beginn des Katholikentags war die Kreuz-Pflicht in bayerischen Behörden auf viel Skepsis und Kritik gestoßen - so auch beim Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg.

"Ich freue mich über jedes Kreuz im öffentlichen Raum. Aber eines weiß ich auch: Das Kreuz ist kein Kampfmittel, kein Abgrenzungsmittel, sondern eher das Gegenteil. Ich erlebe eine Antiislamstimmung, die mir regelrecht Angst macht und ich hätte es schon besser gefunden, man würde es nicht im Wahlkampf diskutieren. Lassen sie uns über das Kreuz mal diskutieren, wenn die Wahlen in Bayern vorbei sind!"

Thomas Sternberg

"Wat soll dat?"

Der Münsteraner Bischof Felix Genn

Wenn das Kreuz als Abgrenzungsmittel gegenüber dem Islam verstanden werde, so sei dies ein Missbrauch des Kreuzes, so Sternberg. Zustimmung bekam er vom Münsteraner Bischof Felix Genn.

"Das Kreuz darf in öffentliche Gebäude, es darf nicht abgrenzend wirken. Es ist ein Kulturgut und ein religiöses Bekenntnis - und was man in Bayern daraus macht, da komme ich emotional gar nicht dran, wat dat soll."

Bischof Felix Glenn

Gegen vermeintlich einfache politische Lösungen setzte der Katholikentag eine sachliche Diskussionskultur. Im Münsteraner Manifest wandten sich die Veranstalter gegen Antisemitismus und Antiislamismus und jede Form von Diskriminierung. Vor allem aber erteilte der Katholikentag in Münster jeder Form von Populismus eine klare Absage.


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