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Kinderwunsch nach Krebs Krebspatienten ohne Chance auf eigene Kinder

Junge Krebspatienten werden oft geheilt, aber viele von ihnen können nach Chemotherapie oder Bestrahlung nie wieder Kinder bekommen. Präventive Maßnahmen wie das Einfrieren von Keimzellen, müssen sie selbst bezahlen.

Von: Gloria Stenzel

Stand: 30.01.2018

In Deutschland erkranken nach Angaben der Uniklinik Erlangen rund 17.000 Frauen im Alter zwischen 15 und 45 Jahren an Krebs. Durch den Fortschritt der Medizin liegen die Heilungschancen bei über 80 Prozent. Die Behandlung führt aber oft zu Unfruchtbarkeit. Eizellen oder Spermien davor einzufrieren wäre die Lösung. Doch das scheitert oft an schlechter Aufklärung und hohen Kosten.

Reproduktionsmedizin kann Krebspatienten helfen

Vor der Krebsbehandlung können den Patienten Spermien beziehungsweise Eizellen entnommen und eingefroren werden. Bei Männern geht das ganz schnell, Frauen brauchen dafür oft eine Hormonstimulierung über einige Wochen. Es muss also sofort gehandelt werden, damit die Krebstherapie nicht warten muss.

Fortschritt in Reproduktionsmedizin

Ohne Stimulation geht es mit einer neuen Methode, die das Fortpflanzungszentrum der Uniklinik Erlangen anwendet. Eierstockgewebe wird entnommen und Jahre später wieder transplantiert. Wenn der Krebs dieses Gewebe nicht befallen hat, kommt diese Methode auch für Krebspatienten in Frage.

Krebs-Patienten werden oft zu schlecht aufgeklärt

Es gehört bislang nicht zum Standard, dass Onkologen über fruchtbarkeitserhaltende Maßnahmen aufklären. Oft fehlt den Ärzten das Fachwissen oder die Zeit für eine Beratung. Die Folge: Viele Patienten wissen nicht, dass sie Keimzellen entnehmen lassen können, um die Chance auf eigene Kinder zu bewahren. Eine ärztliche Leitlinie soll nun dafür sorgen, dass mehr Onkologen ihre Patienten darüber aufklären.

"Über 80 Prozent der Patienten überleben. Es muss ein Umdenken stattfinden, damit alle Ärzte realisieren, dass der Kinderwunsch enorm wichtig ist."

Prof. Anja Borgmann-Staudt, Kinderonkologin Charité Berlin

Krankenkassen zahlen nicht

Das Sozialgesetzbuch V regelt, was die Gesetzlichen Krankenkassen übernehmen müssen. Die Fruchtbarkeit vorsorglich zu erhalten zählt nicht dazu. In der Regel werden deshalb die Kosten nicht übernommen. Frauen zahlen für Entnahme und Einfrieren im Schnitt 3.500 Euro, Männer 500 Euro, plus die Lagerung im Stickstofftank von jährlich rund 300 Euro.

Kein Geld für fruchtbarkeitserhaltende Maßnahmen bei Krebs-Patienten

Nicht alle Patienten können dieses Geld aufbringen, gerade wenn sie noch sehr jung sind. So erging es auch Andrea Voß. Sie erkrankte zweimal an Lymphdrüsenkrebs und bekam Chemotherapie. Heute gilt sie als geheilt, kann aber keine Kinder mehr bekommen.

"Kinder kriegen zu können, sollte jedem zustehen. Egal, ob man unfruchtbar ist ohne Krebs, oder weil man es durch eine Krebsbehandlung wird."

Andrea Voß, Betroffene

Gesetzesänderung gefordert

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie und die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs fordern von der Politik deshalb eine Gesetzesänderung. Droht durch Krankheit und Therapie die Unfruchtbarkeit,  müssten präventive Maßnahmen ebenso übernommen werden.


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Frieder, Donnerstag, 01.Februar, 10:03 Uhr

3. Warum?

Weigern sich Menschen ihr Schicksal anzunehmen?

Sol Roth, Donnerstag, 01.Februar, 00:44 Uhr

2. Ein normales Leben ist nur gerecht!

Junge Menschen, die den schweren Kampf gegen eine lebensbedrohliche Krankheit aufgenehmen mussten, sind vieler Pläne und eines wesentlichen Teils ihrer Jugend beraubt. Um so mehr ist nur gerecht, wenn sie nach der oft langwierigen Heilung, die Möglichkeit auf ein normales Leben mit dem normalen Wunsch auf eine eigene Familie bekommen. ...Und nicht nur die jungen Menschen selbst sind betroffen, auch ihre Eltern und Großeltern, die auf Enkel hofften.

Die großartigen Leistungen der Wissenschaft und Forschung haben die realsitische Möglichkeit der Konservierung von Keimzellen geschaffen und die Kosten tun unserer Gesellschaft nicht weh, aber ein junger krebskranker Mensch, der gerade am Beginn seines Berufslebens steht, hat diese Summe nicht bereitliegen, die über sein ganzes Leben entscheidet.

Vielen Dank, Frau Stenzel, für diesen so wertvollen, berührenden und inhaltsreichen Beitrag, der uns alle angeht.

  • Antwort von eine Betroffene, Donnerstag, 01.Februar, 11:59 Uhr

    Lieber Websauerier,
    das eigene Leid ist immer das Schlimmste. Manchmal sollte man aber über den Tellerrand blicken - es gibt gottseidank Frauen und Männer, die den Krebs besiegen. Danach läuft das Leben weiter, die Welt dreht sich weiter und man wird nicht ewig als Held der Besiegung gefeiert. Drei bis Vier Jahre danach läuft das Leben im besten Falle, als wär nie etwas gewesen, ist dieser Zustand den Menschen,die so etwas überlebt haben, nicht zu gönnen? Und gehört dazu nicht auch, wenn jemand einen Kinderwunsch hat, dass er wie jeder andere auch, diesem nachgehen kann? Warum also, sollte "normalen" Menschen dabei von der Krankenkasse geholfen werden, denen die aber so eine Geschichte überstanden haben nicht? Müssen Krebspatienten ein Leben in Dankbarkeit und Demut führen, weil Sie überhaupt noch da sein dürfen? ... und dabei zuschauen, wie dem Junky von Nebenan der mittlerweile zehnte Entzug von der Krankenkasse bezahlt wird.

websaurier, Mittwoch, 31.Januar, 14:49 Uhr

1. Fordern, Fordern, Fordern...


Wir haben so gute Erfolge mit der modernen Medizin, um viele Krebserkrankungen in den Griff zu kriegen.
Danke an die vielen Forscher !

Von einer lebensbedrohlichen Krankheit geheilt werden zu können, ist aber wohl schon wieder nicht genug...

  • Antwort von zwitscher, Mittwoch, 31.Januar, 18:03 Uhr

    Schön für sie, wenn sie wunschlos glücklich sind.
    Mein Wunsch wäre ein wenig mehr Empathie für die Nöte anderer.

  • Antwort von Leo Bronstein, Donnerstag, 01.Februar, 00:24 Uhr

    @ websaurier
    >Fordern, Fordern, Fordern... Wir haben so gute Erfolge mit der modernen Medizin, um viele Krebserkrankungen in den Griff zu kriegen. Danke an die vielen Forscher !

    Im Umkreis von ca. 25 Metern um meinem Lebensmittelpunkt sind, meines Wissens, sieben Menschen an Krebs erkrankt
    und und keine und keiner hat die Krankheit überlebt.
    Die fünf weiteren Menschen aus meinem Bekanntenkreis und Verwandtenkreis nicht mit berücksichtigt.

    .
    >Von einer lebensbedrohlichen Krankheit geheilt werden zu können, ist aber wohl schon wieder nicht genug...<

    Der Sinn des Lebens besteht, zumindest aus meiner Sicht, nicht im reinen Überleben.