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Nach Abgasskandal Kraftfahrtbundesamt ruft 60.000 Porsche-Diesel zurück

Das Kraftfahrtbundesamt hat nach Informationen von BR Recherche und dem "Spiegel" den Rückruf von fast 60.000 Porsche mit Diesel-Motoren eingeleitet. Darin hat der Konzern nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums unzulässige Abschalteinrichtungen verbaut.

Von: Arne Meyer-Fünffinger

Stand: 18.05.2018

Endtopf eines Porsche Cayenne 3,0-Liter-Diesel | Bild: pa/dpa/Daniel Maurer

Wer sich aktuell für einen neuen Porsche-SUV mit Diesel-Motor interessiert, der kann lange suchen. Beim "Konfigurator" auf der Internetseite des Konzerns ist der Button "Diesel" bei den Modellen Cayenne und Macan schon seit Monaten deaktiviert. Ende Januar gab es erste Berichte, wonach der Konzern in zwei Diesel-Varianten Motoren mit einer unzulässigen Abschalteinrichtung verbaut haben könnte. Quasi parallel nahm Porsche die Diesel-Varianten in seiner Produktpalette aus dem Programm. Nachdem das Kraftfahrtbundesamt (KBA) jetzt eigene Messungen bei den Fahrzeugen vorgenommen hat, gibt es mit Blick auf mögliche Abschalteinrichtungen Gewissheit.

60.000 Porsche-Diesel müssen in die Werkstatt

Das Bundesverkehrsministerium bestätigte BR Recherche und dem "Spiegel" vorliegende Informationen, wonach das Kraftfahrtbundesamt jetzt den Rückruf von fast 60.000 Porsche Cayenne und Macan mit Diesel-Motor angeordnet und eingeleitet hat. Konkret geht es um fast 53.000 Fahrzeuge des Typs Cayenne 4,2l V8DTI sowie knapp 6.800 Macan 3,0l V6TDI, beide haben Schadstoffklasse Euro 6.

"Das KBA hat im Zuge von Messungen Abschalteinrichtungen festgestellt, die unzulässig sind. Aus diesem Grunde wurde per Bescheid am 14.05. bzw. 16.05. ein verpflichtender Rückruf eingeleitet“, teilte das Bundesverkehrsministerium BR Recherche und dem Spiegel mit. Aufgrund der eingebauten Abschalteinrichtungen könne es im Betrieb der Fahrzeuge zu erhöhten NOx-Emissionen kommen."

us der Antwort des Bundesverkehrsministeriums

Porsche muss Abschalteinrichtungen entfernen

Dem Hersteller sei aufgegeben worden, die unzulässigen Abschalteinrichtungen aus den betroffenen Fahrzeugen nach der Freigabe des Maßnahmenpakets durch das KBA zu entfernen, so das Ministerium in einer schriftlichen Stellungnahme weiter. Alleine beim Macan soll es sich nach BR- und "Spiegel"-Informationen um insgesamt fünf dieser Einrichtungen handeln. Von Porsche hieß es auf Anfrage, man habe die Behörden bereits im Februar über Unregelmäßigkeiten informiert.

Nicht die erste Auffälligkeit bei dem Porsche

Porsche ist damit wiederholt im Zusammenhang mit dem Themenkomplex Diesel-Abschalteinrichtungen auffällig geworden. Im Juli vergangenen Jahres hatte der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt deswegen ein zwischenzeitliches Zulassungsverbot für den Porsche Cayenne mit Drei-Liter-TDI-Motor verfügt. "Bei dem Porsche-Geländewagen ist eine Abschalttechnik festgestellt worden, die erkennt, ob ein Fahrzeug auf dem Prüfstand steht. In Tests springt dann eine Aufwärmstrategie an, die im realen Verkehr nicht aktiviert wird. Wir stufen das als Abschalteinrichtung ein", so der CSU-Politiker damals.


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