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Zukunft der Altersversorgung Kommission soll neuen Generationenvertrag für die Rente erarbeiten

Bundesarbeits- und Sozialminister Hubertus Heil (SPD) hat die Rentenkommission der Bundesregierung vorgestellt. Das Gremium soll nicht weniger als einen neuen Generationenvertrag ausarbeiten. Denkverbote soll es nicht geben. Eine Neuordnung des Systems ist dringend notwendig.

Von: Anita Fünffinger

Stand: 03.05.2018

Ein älterer Mann mit rothaariger Frau im Cabriolet | Bild: picture-alliance/dpa/Christoph Hardt/Geisler-Fot.opress

Wie die Arbeitswelt in 20 Jahren aussehen wird, kann niemand treffend voraussagen. Wohl aber, dass sich die Erwerbsbiographien ändern werden. Die wenigsten Arbeitnehmer bleiben heute noch 45 Jahre in einem Betrieb. Bis zum Jahr 2025 wird die Politik Haltelinien einziehen: Der Beitragssatz darf 20 Prozent nicht übersteigen, das Rentenniveau darf nicht unter 48 Prozent sinken. Für die Zeit danach ist ein neuer Generationenvertrag nötig. Dann wird sich die Gesellschaft weiter verändert haben. Aufgrund der demografischen Entwicklung (mehr Rentner, weniger Beitragszahler) wird das derzeitige Niveau mit dem jetzigen System nicht zu halten sein.

Ausgangslage vernebelt Blick in die Zukunft

Noch ist die Rentenkasse voll. Die Konjunktur läuft, den meisten der 20 Millionen heutigen Rentnern geht es gut. Aber wenn erst die Babyboomer in Rente sind - also die Jahrgänge bis 1965 - werden noch weniger Beitragszahler als heute die Renten bezahlen müssen. Gleichzeitig ist das Rentenniveau in den vergangenen Jahren Stück für Stück gesunken. Und die Zahl der Geringverdiener hat zugenommen. Daraus folgt: Wer heute wenig verdient, bekommt später prozentual noch weniger Rente als ein Geringverdiener in den 1980er oder 1990er Jahren. Und wie sich die Veränderung der Arbeitswelt im Zuge der Digitalisierung auf die Rente auswirkt, wagen selbst Experten kaum vorauszusagen.

Kommission soll ohne Denkverbote arbeiten

Die ausgewiesenen Arbeitsmarkt- und Rentenexperten Gabriele Lösekrug-Möller von der SPD und Karl Schiewerling von der CDU werden die Kommission leiten. Beide sind seit dieser Legislaturperiode im Ruhestand. Mit ihnen am Tisch werden Politiker der Regierungsparteien CDU, CSU und SPD, Forscher der TU München, der Universität Bremen und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sowie Vertreter des DGB und der Arbeitgeberverbände sitzen. Darunter sind auch scharfe Kritiker der Rentenpolitik der vergangenen Jahre. Das Gremium will sich Meinungen von allen Seiten einholen: Sowohl Senioren als auch Jugendliche, Vertreter der Oppositionsparteien, aber auch der Versicherungswirtschaft sind eingeladen, Vorschläge zu machen. Im März 2020 soll die Kommission ihre Ergebnisse vorstellen.

Staat hat vier Stellschrauben zur Verfügung

1. Rentenbeiträge erhöhen
Eine Erhöhung der Rentenbeiträge führt zu höheren Einnahmen der Rentenkasse. Das müssen die Arbeitnehmer und die Arbeitgeber bezahlen. Vor allem die Wirtschaft würde rebellieren. Aber auch jeder Beschäftigte würde einen geringeren Nettoverdienst haben.

2. Rentenhöhe senken
Das Rentenniveau sinkt noch weiter. Die Rentner hätten weniger Geld zur Verfügung. Und später wird die Rente auch noch besteuert. Für viele Rentner würde es dann wirklich eng werden.

3. Steuermittel ins System pumpen
Der Staat zahlt immer höhere Zuschüsse an die Rentenkasse. Das geht aber auch nur gut, solange die Konjunktur gut läuft.

4. Renteneintrittsalter erhöhen
Die Beschäftigten müssen länger arbeiten und zahlen damit länger Beiträge in die Rentenkasse. Gleichzeitig verkürzt sich die Rentenbezugszeit. Die Wirtschaft würde das freuen, die Gewerkschaften liefen Sturm.

Am Drei-Säulen-Modell soll nicht gerüttelt werden

Die deutsche Rente steht auf drei Beinen: der gesetzlichen Rente, der betrieblichen Altersvorsorge und der privaten Rentenvorsorge. Obwohl Arbeitsminister Heil der Kommission keine Denkverbote mit auf den Weg gibt, hält er dennoch am Drei-Säulen-Modell der Rente fest. Einen völligen Umbau des Systems schließt der SPD-Minister bis zum Jahr 2025 aus.

Nur mit guter Arbeit bekommt man auch gute Rente

Ganz gleich, was die Kommission am Ende vorschlägt, vor einer auskömmlichen Rente steht immer ein erfolgreiches Berufsleben. Wer gut verdient hat, hat auch viele Rentenpunkte gesammelt. Wer gut verdient hat, konnte auch ausreichend privat für das Alter vorsorgen. Und wer in einer soliden Firma arbeitet, ist mit großer Wahrscheinlichkeit auch mit einer betrieblichen Rente abgesichert. All das gilt für viele Geringverdiener nicht. Aber auch Menschen mit langen Zeiten der Arbeitslosigkeit oder schlechter Qualifikation werden im Alter mit sehr wenig Geld auskommen müssen.


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