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400 Jahre Tradition Kloster Reutberg soll aufgelöst werden - Bürger kritisieren Kirche

Das Kloster Reutberg ist als Ausflugziel sehr beliebt. Was viele Besucher nicht wissen: Gleich neben dem Biergarten im eigentlichen Kloster kämpfen zwei Franziskanerinnen um das Überleben des Klosters. Schwestern aus anderen Ordensgemeinschaften würden gerne nach Reutberg ziehen und sie unterstützen. Doch das Bistum München-Freising verhindert das. Was steckt dahinter? Schaltet sich bald der Papst persönlich ein?

Von: Christian Stücken

Stand: 23.07.2018

Vor 400 Jahren wurde das Kloster Reutberg bei Sachsenkam im Tölzer Land gegründet. Für den Verein "Freunde des Klosters Reutberg" sollte es ein Festjahr werden, doch jetzt soll das Kloster aufgelöst werden.

—"Das Kloster hier mit den Nonnen, das ist für die Bevölkerung ringsrum ein Stück Heimat, das ist Tradition seit 400 Jahren, das ist Lebensgefühl, das würde einfach dann per Dekret beendet werden." Gerald Ohlbaum, Freunde des Klosters Reutberg e.V

Nur noch zwei Frauen leben im Kloster Reutberg

Das Frauenkloster auf dem Reutberg ist ein Ort der Spiritualität für die Menschen aus der Region. Eine kleine abgeschlossene Welt für die Schwestern, die dort leben. Jetzt leben nur noch zwei Schwestern dort, eine davon ist pflegebedürftig. Zu wenig für ein Kloster. Nach den Statuten der katholischen Kirche müssen es mindestens fünf Schwestern sein, um ein Kloster zu bilden.

—"Wir würden so eine Ordensgemeinschaft sehr gerne retten. Aber das würde heißen, es müssen junge Frauen in den Orden eintreten und zwar rechtzeitig. Das hätte vor 10, vor 20, vor 30 Jahren passieren müssen. Dann wäre das jetzt kein Thema." Gabriele Rüttiger, Erzdiözese München Freising

Engagierte Bürger wollen sich mit einer Auflösung nicht abfinden

Bei den "Freunden des Klosters Reutberg" will man sich damit nicht abfinden. Sie sind überzeugt davon, Schwestern aus anderen Orden zu finden, die zusammen mit den beiden verbliebenen Franziskanerinnen auf dem Reutberg leben wollen.

—"Unseres Wissens nach ist es so, dass drei Ordensgemeinschaften, drei Konvente in den letzten eineinhalb Jahren ihr Interesse bekundet haben, hier an den Reutberg zu kommen. Das ist ohne unser Zutun geschehen, die haben von der Lage des Reutbergs erfahren, und wollten dann von sich aus helfen." Ulrich Rührmair, Pfarrgemeinderat 

Doch bei der Erzdiözese München Freising sieht man darin keinen Ausweg.

—"Wenn jetzt eine Ordensschwestergemeinschaft kommen würde, die würde die Franziskanerinnen, diese zwei Schwestern, nicht mehr retten. Rom hat die Auflösung beschlossen 2016. Und es geht jetzt nur noch im die Klärung des Status dieser einen Schwester. Sobald das geklärt ist, wird Rom den Beschluss auch vollziehen. Also das ist schon gelaufen, muss ich sagen." Gabriele Rüttiger, Erzdiözese München-Freising

400 Jahre Tradition, zu Ende. Ein Frauenkloster, wie es sie nicht mehr viele gibt. Dabei gehört zum Kloster eine Klostergaststätte und eine Brauerei. Laufende Kosten können damit bestritten werden. Muss man da nicht alles versuchen, um das Kloster und seine seit 400 Jahren bestehende Tradition zu bewahren?

Seelsorge-Zentrum als Ersatz

Das glauben zumindest die "Freunde des Klosters Reutberg". Die Erzdiözese schlägt ihnen vor, hier anstatt des Frauenklosters ein Seelsorge-Zentrum mit einer Priestergemeinschaft zu errichten. Mit dem Kompromiss sind die "Freunde des Klosters Reutberg" einverstanden, wenn man auch zumindest versucht, das Frauenkloster zu erhalten.

—"Wir alle hängen einfach sehr an diesem Kloster, wir hängen mit dem Herzen sehr am Kloster, da hat sich über 400 Jahre eine symbiotische Beziehung entwickelt zwischen den Schwestern hier im Kloster und zwischen den Leuten im Ort, und ich glaube, die kann man nicht so einfach wieder aufbrechen." Ulrich Rührmair, Pfarrgemeinderat

Nonnen aus verschiedenen Ordensgemeinschaften in einem Kloster?

Zehn Jahre würden sie es einfach noch mal gern versuchen. Mit Gast-Schwestern oder Schwestern aus anderen Orden. Vielleicht würden dann auch wieder neue Schwestern auf den Reutberg kommen. Doch auch davon hält die Erzdiözese nichts.

—"Wir haben eigentlich schon seit zehn Jahren die Situation, dass die Gemeinschaft eigentlich nicht mehr auf die Beine gekommen ist. Und jetzt zu sagen: Jetzt machen wir nochmal zehn Jahre Probezeit - wie soll das gehen?" Gabriele Rüttiger, Erzdiözese München-Freising

Unterschriftenaktion für das Kloster gestartet

Seit einigen Wochen sammeln die Freunde des Klosters Unterschriften für dessen Erhalt. Mehr als 6.000 sind es schon. Sie haben ihre Idee, es noch einmal zehn Jahre zu versuchen, an die Erzdiözese und auch an den Vatikan nach Rom geschickt, um das Kloster vielleicht doch noch zu retten.

"Wir hoffen, dass dies weiter bestehen kann, wir hoffen, dass weibliches und männliches Ordensleben sich am Reutberg kombinieren lässt, also Seelsorgezentrum und Konvent." Ulrich Rührmair, Pfarrgemeinderat 

Wenn alles nichts hilft, dann wird das Kloster aufgelöst. Dann würde das Kloster Reutberg mit seinem gesamten Besitz an die Erzdiözese München Freising fallen. Das hofft hier niemand.


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