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Ist das wirklich ernst gemeint? Klöckner will im Ökolandbau Pestizide erlauben

Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner wird aktuell als Bundeslandwirtschaftsministerin gehandelt. Sie will auf ökologisch bewirtschafteten Flächen konventionelle Pflanzenschutzmittel erlauben, um den Biobauern in nassen Jahren zu helfen. Doch die sagen: Nein, danke!

Stand: 19.02.2018

Symbolbild: Ein Traktor fährt über ein Feld und bringt mittels einer gezogenen Anhängespritze ein Pestizid aus. | Bild: picture-alliance/dpa/Steven Lüdtke

"Den konventionellen und den ökologischen Anbau spielen wir nicht gegeneinander aus, beides hat seine Berechtigung. Vor allem hat aber die Ökolandwirtschaft zum Beispiel in nassen Jahren ein erhebliches Problem. Um ihre Ernte zu sichern, würden viele Ökolandwirte gerne punktuell auf konventionelle Pflanzenschutzmittel zurückgreifen. Dürfen sie aber nicht. Manchen Bauern kostet das die Existenz - und viele hält es davon ab, den Weg in den Ökolandbau zu wagen. Wir müssen Ökolandwirten in schlechten Phasen den Gebrauch konventioneller Pflanzenschutzmittel erlauben können, aber dazu bedarf es weiterer Forschung."

Julia Klöckner zur Leipziger Volkszeitung

Für dieses Zitat erntet Julia Klöckner viel Unverständnis. Doch hat sie das wirklich so gesagt und auch gemeint?

Klöckner wird als Landwirtschaftsministerin gehandelt.

Ja, bestätigt der Pressesprecher der CDU Rheinland-Pfalz, Jan Zimmer, dem BR. Klöckner meine das ernst. Hintergrund sei, dass es immer wieder einzelne Biobauern gäbe, die in schlechten Jahren beim Landwirtschaftsministerium nachfragen würden, ob sie ausnahmsweise konventionelle Pestizide verwenden dürften. Diesen Biobauern wolle Klöckner helfen.

Pestizid-Verzicht als Grundprinzip des Ökolandbaus

Bei Bioland, dem größten Anbauverband in Deutschland mit 7.300 Mitgliedern, ist man verwundert. Das gehe gar nicht, sagt Pressesprecher Gerald Wehde. Der Verzicht auf Pestizide sei ein Grundprinzip des Ökolandbaus, das man nicht aushebeln dürfe.

Außerdem könne kein Nationalstaat bei diesem Thema einen Alleingang machen. In ganz Europa gelte nämlich die EU-Ökoverordnung.

Unterstützung der Biobauern erwünscht

Sollte Klöckner allerdings mehr Forschungsgelder für Pflanzenschutz im Ökolandbau zur Verfügung stellen wollen, sei das zu begrüßen. Laut Bioland werden in Deutschland gut acht Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologisch bewirtschaftet, aber nur 1,6 Prozent aller Agrar-Forschungsgelder stünden für Biolandbau zur Verfügung.

Auch Biobauern müssen ihre Pflanzen vor Insekten oder Pilzen schützen. Sie spritzen mit sogenannten Pflanzenstärkungsmitteln und auch mit Kupfer. Chemisch-synthetische Mittel sind EU-weit verboten. 


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